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Potsdam Waldstädter wehren sich gegen Schulneubau
Lokales Potsdam Waldstädter wehren sich gegen Schulneubau
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17:06 11.03.2018
Bürgerbegehung zum Schulcampus Waldstadt: Die Anwohner des Randbereiches sind strikt gegen das Projekt. Quelle: Rainer Schüler
Waldstadt

Am Bahnhof Rehbrücke soll ein Schulcampus für mehr als 1000 Kinder entstehen, doch dafür müssen nach einer groben Vorplanung der Stadt rund sechs Hektar Wald abgeholzt werden. Das stört vor allem jene Waldstädter, die am waldnahen Rand des Plattenbauareals leben. Bei einer Begehung des Plangebietes am Freitagnachmittag mit Vertretern der Stadtverwaltung regte sich lautstarker Unmut über den drohenden Verlust an Grün, die Zunahme von Lärm durch Kinder und den wachsenden Verkehr auf Straßen, die dafür zu klein sind.

Rund 200 Bürger kamen, fast alle waren kompromisslos gegen jeden Schulneubau. Der solle andernorts in Potsdam ausgeführt werden, forderten viele, etwa im gegenüber liegenden neuen Wohngebiet „Brunnenviertel“ oder auf der anderen Seite der Bahnlinie auf dem Gebiet der Gemeinde Nuthetal. „Warum muss das gerade hier sein?“, fragte eine Frau. Es gebe „keinen besseren Standort“, entgegnete Stadtentwicklungschef Erik Wolfram. Potsdam müsse derzeit 13 neue Schulstandorte entwickeln, von denen elf auf schon bestehenden Bauflächen liegen, zwei aber nicht. Diese beiden, darunter der an der Waldstadt, brächten Eingriffe in die Natur mit sich. „Wenn alles gebaut wird, was da angedacht ist, bleibt da so gut wie kein Baum stehen“, sagte Wolfram. Aber das müsse nicht so kommen.

Vor allem aus den Häusern direkt am Wald kommt der Widerstand gegen den Schulcampus-Bau und die deshalb notwendige Abholzung. Quelle: Rainer Schüler

Für den Standort gebe es keine Alternative, machte Wolfram deutlich, des sei beschlossen. Doch es sei noch völlig unklar, welche Nutzungen dort und nur dort untergebracht werden müssen und wie sie baulich aussehen könnten.

Die Verwaltung erwägt, das Plangebiet entlang der Bahntrasse in die Länge zu ziehen und damit zu entzerren, was den Erhalt von Waldinseln möglich machen würde. Auch ist man mit der Gemeinde Nuthetal im Gespräch, die früheren Gewerbeobjekte des ehemaligen volkseigenen Betriebes „Spezialbau“ auf der anderen Seite der Bahn und außerhalb des Potsdamer Stadtgebietes für einen Schulneubau in Regie von Nuthetal zu nutzen; Potsdamer Kinder könnten auch dort lernen; die Stadt Potsdam müsste der Nachbargemeinde einen Lastenausgleich bezahlen. Das würde voraussetzen, dass der Besitzer des Geländes zu einem bezahlbaren Preis verkauft.

Das Verständnis für die Zwänge der Stadt zum Bau neuen Schulen, Kitas und Sportplätze war unter den Teilnehmern der Begehung verschwindend gering; es waren ja nur die Zweifler und Gegner des Projektes gekommen. Sie konnten jedoch ihre Zweifel, Vorbehalte, und Gegenargumente schriftlich festhalten lassen. Das soll in die Diskussion zu einem künftigen Bebauungsplan einfließen, doch sind viele Anwohner im Grundsatz gegten jede Bebauung. „Wir wollen keine Planung. Wir wollen, dass die Bäume bleiben“, sagte einer. „Baut die Schule doch in die Berliner Vorstadt, wo sie die Gärten weggemacht haben“, schlug eine Frau vor. „Warum müssen diese Standorte immer gleich so groß sein?“, wollte eine ältere Dame wissen.

Bernhard Ailinger, Johannsenstraße 2, Haus im Lärm Quelle: Rainer Schüler

Stefanie Komor (34) ist Mutter von zwei Kindern und fürchtete um den Wald, in dem ihre Kinder spielen und durch den im selben Moment ein Rudel Rehe sprintete; sogar ein Wildschwein hörte man grunzen. „Wenn ich vor dem Balkon gleich eine Schule habe, möchte ich hier nicht mehr wohnen“, sagt sie: „Da kann ich doch gleich mitten in die Stadt ziehen.“

„Wenn der Wald verschwindet“, sagt Stefan Waese, „würde ich hier nicht mehr wohnen wollen.“ Schule vor der Tür, Krach von Sportplätzen bis in die Nacht, Bahnlärm ohne den Wald als Filter, Verkehrschaos – es wurden Probleme um Probleme aufgezählt, für die die Stadt nun Lösungen finden muss.

Am einfachsten zu lösen ist wohl das Problem des Potsdamer Reitvereins, der auf der anderen Seite der Heinrich-Mann-Allee 14 eigene Pferde und etwa zehn Gastpferde hat und über die Straße hinweg auf einen Waldweg reitet in die Ravensberge. „Wir brauchen nur einen zehn Meter breiten Sandweg an der Bahnlinie“, sagt Vereinschef Kai Fuhrmann: „Die Pferde kennen die Bahn; die stört das nicht.“

Reitvereins-Chef Kai Fuhrmann steht an dem Weg, den die Reiter durch den Wald nehmen zu den Ravensbergen. Quelle: Rainer Schüler

Am 12. April soll es im Humboldt-Gymnasium neben der Sporthalle Heinrich-Mann-Allee eine große Bürgerversammlung zum Waldcampus-Projekt geben.

Von Rainer Schüler

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