Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Vor 30 Jahren wurde der Pfingstberg von Gruftis besetzt
Lokales Potsdam Vor 30 Jahren wurde der Pfingstberg von Gruftis besetzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:19 29.04.2018
Susi und Bubel im Sommer 1988 auf einem der Türme des Pfingstberg-Belvederes. In die Ruine des abgesperrten Schlosses kamen sie durch ein Loch in der Rückseite. Quelle: Privat
Potsdam/Nauener Vorstadt

Gruppen junger Menschen in schwarzer Verkleidung, bleich geschminkt mit hoch toupierten Haaren zogen zur Walpurgisnacht 1988 die Puschkinallee entlang. Polizeiwagen mit Blaulicht jagten vorbei. Am jüdischen Friedhof kam es zum Stau: „Sie haben den ganzen Berg abgeriegelt und von allen, die dort hin wollten, die Personalausweise eingesammelt.“ Jeanette Gruschke (47) war eine von vielleicht 200 Gruftis, die damals zur nächtlichen Feier auf den Pfingstberg wollten. Es war das größte Treffen der schwarzen Szene, das sie bis 1989 in der DDR erlebte.

Abends auf den Friedhof

Jeanette Gruschke war eine Unangepasste. Schon vor der Jugendweihe hatte sie die Haare an den Seiten ausrasiert und zum Irokesenschnitt aufgestellt. Eine Freundin war Friseurin, eine andere konnte nähen. Die zwei Dutzend Leute starke Clique war Teil des Stadtbildes. Abends gingen sie in den Hanns-Eisler-Club in Waldstadt II, in den Würfel und ins Orion Am Stern, ins Alpha am Schlaatz, ins Jugendfreizeitzentrum „Drushba“ an der Heinrich-Mann-Allee – und danach auf den Neuen Friedhof gegenüber.

Jeanette Gruschke im Jahr 1988. Quelle: Privat

Das verfallene Belvedere auf dem Pfingstberg aber war einer ihrer Lieblingsorte: „Wir sind oft da oben rumgekraxelt und haben da einige Geburtstage gefeiert.“ Hinein kamen sie „durch ein Loch in der Rückseite“: „Von da aus konnte man alles begehen.“ Wie sich die Feier zur Walpurgisnacht ergab, könne sie nicht sagen. „Wir wussten, dass da eine Party ist und dass die halbe DDR hinkommt.“

Gruftis kamen aus Leipzig, Dresden und Berlin

Damit meint sie die Leute aus anderen Orten wie Leipzig, Dresden, Brandenburg und Berlin. Man kannte sich. Man besuchte sich. Und es sprach sich rasch herum, wenn es irgendwo ein Treffen gab. Viele der Gäste wurden am improvisierten Einlass von der Volkspolizei festgenommen und erst nach ein, zwei Tagen wieder frei gelassen. Viele aber ließ man auch durch: „Wir haben dann die ganze Nacht auf der Wiese neben dem Belvedere gesessen, Wein getrunken und Musik gehört. Zum Schluss standen da nur noch zwei Streifenwagen, aus denen sie uns beobachtet haben.“

Aufstieg auf einen der Türme des Belvederes. Quelle: EBV

Dass die Polizei zugriff, erklärt sich Jeanette Gruschke mit dem darauffolgenden 1. Mai als „Kampf- und Feiertag“, der wie immer mit Kundgebungen und Volksfesten groß begangen wurde. Zu viel Schwarz hätte das Bild getrübt. Eine Fotografie von diesem Tag zeigt sie gemeinsam mit Freunden auf der Treppe des Alten Rathauses.

Aus kleiner Feier entstand Wave-Gotik-Treffen

Die Feier zur Walpurgisnacht 1988 auf dem Potsdamer Pfingstberg gilt als Vorgänger des Leipziger Wave-Gotik-Treffens, das zu Pfingsten 1992 erstmals stattfand und mit weit mehr als 20.000 Gästen pro Jahr als eines der größten Festivals der schwarzen Szene bundesweit gilt.

Nicht nur die Wikipedia-Enzyklopädie berichtet von der Vorgeschichte. Auch der Hanns-Eisler-Club in der Saarmunder Straße 66 in Waldstadt II, der bis heute ein Anlaufpunkt alternativer Jugendkulturen ist, verweist in einer Einladung zum 30. Jahrestag dieser besonderen Hexentanznacht auf die Traditionslinie: Ab 19 Uhr gibt es dort am Montag eine Wave-Gothic-Party.

Heute organisiert sie Party für guten Zweck

Jeanette Gruschke zog nach dem Mauerfall in das erste von Punks offiziell besetzte Haus in der Dortustraße 65 und eröffnete später – abgesegnet vom Besetzer-Plenum – in der Dortustraße 8 das einzige von Gruftis besetzte Haus in der Potsdamer Innenstadt. Nach einem Jahr räumten sie das Gebäude friedlich und sie bekam von der städtischen Gewoba eine Ausweichwohnung in der Friedhofsgasse 1 („Um die Adresse hat mich jeder Grufti beneidet“). Zu der Zeit eröffnete sie in der Friedrich-Engels-Straße den Plattenladen „Leg auf“, organisierte Konzerte und war unter den Betreibern des „Zone-Clubs“ in einem Bunker nahe dem Griebnitzsee auf dem heutigen Hasso-Plattner-Campus.

Seit einigen Jahren legt Jeanette Gruschke als DJane Anna Front auf. Mit Freundinnen gründete sie SoulPunk, eine Initiative, die regelmäßig Partys für einen guten Zweck ausrichtet. Den nächsten Termin hat Anna Front am 24. Juni bei einem Solimarkt auf dem Freiland-Gelände – als Werbung für den Verein „Nehmt eure Alten in die Mitte“, der eine der ersten privaten Demenz-WGs in Potsdam für Angehörige gegründet hat.

Von Volker Oelschläger

Während Stadtplaner und Anrainer noch über die künftige Nutzung des Friedrichsparks streiten, laufen Vorbereitungen zur Sicherung einer noch weitaus größeren Fläche für Gewerbeansiedlung in der unmittelbaren Nachbarschaft.

29.04.2018
Potsdam Muslime in Potsdam - Heimkehr in die Innenstadt

Die Gemeinde der Al Faruk Moschee ist in die Potsdamer Innenstadt zurück gekehrt. Mit einem Tag der offenen Tür wurde das neue Gebetshaus im Hinterhof der Straße Am Kanal 61 offiziell eröffnet.

29.04.2018

2002 Läufer starteten zum 15. Drittelmarathon auf der Glienicker Brücke. Tom Thurley vom Potsdamer laufclub war in 45:01 Minuten zum vierten Mal der Schnellste.

02.05.2018