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Potsdam Ein Künstler in vier politischen Systemen
Lokales Potsdam Ein Künstler in vier politischen Systemen
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00:31 10.08.2015
Museumsdirektorin Jutta Götzmann und Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins, inmitten der Porträtbüsten, die Walter Bullert von vielen bekannten Potsdamern schuf. Quelle: Foto: Christel Köster
Potsdam

Fast 30 Jahre nach seinem Tod eröffnet am Sonnabend die erste umfassende Retrospektive über das Leben von Walter Bullert (1895 -1986) im Potsdam-Museum. Die gemeinsame Schau des Potsdam-Museums seines Fördervereins trägt den Titel „Kunst, die man braucht und gebraucht“ und zeigt umfassend das Werk eines Künstlers, der in vier politischen System von der Kaiserzeit bis in die DDR wirkte – oft im staatlichen Auftrag.

Bullert war Pressezeichner, Bildhauer und Kunstberater Potsdams

Seine Heimatstadt Potsdam war dabei stets im Zentrum seiner Werke. In farbenfrohen Aquarellen und expressionistischen Holzschnitten hat er unzählige Stadtansichten geschaffen. In der Weimarer Republik illustrierte er in den damals fotoarmen Zeitungen das Geschehen und schmückte für Verlage Bucheinbände. Aus dem umfassend gesichteten Nachlass zeigt die Ausstellung zahlreiche Entwürfe, die den fertigen Zeitungsseiten und Büchern gegenüber gestellt werden. Als Bildhauer und Zeichner porträtierte er zudem Potsdamer Persönlichkeiten wie die Bürgermeister Arno Rauscher und Brunhilde Hanke oder den Museumsbegründer Fritz Rumpf. Viele dieser Köpfe aus Holz und Bronze sind in der Rotunde des Museums versammelt.

Trotz seiner Vielfalt als „Gebrauchsgrafiker“ bezeichnet

Die abfällige Einordnung von Zeitgenossen als „Gebrauchsgrafiker“ konterte Bullert einmal mit der Aussage, das man dieses Wort umstellen und eher von einer Kunst sprechen müsse, „die man braucht und gebraucht“. Seine Einschätzung der Kunst als menschliche Notwendigkeit wurde zum Titel der Ausstellung.

Er arbeitete stets im Auftrag der Stadt – auch in der Nazizeit

Mit diesem Plakat aus Bullerts Hand war Potsdam ab 1935 als Reiseziel. Quelle: VG BIld-Kunst / Michael Lüder

Während der Nazizeit konnte Walter Bullert auf ein großes Netzwerk zurückgreifen und arbeitete nahtlos weiter. Parteimitglied war Bullert – auch in der DDR – nie gewesen. Die Ehrenbürgerurkunde für Paul von Hindenburg stammt ebenso von ihm, wie ein Werbeplakat, das Potsdam als „Geburtsstätte des Dritten Reiches“ darstellt. Nach seiner Teilnahme im Zweiten Weltkrieg begann direkt nach seiner Rückkehr wieder mit offiziellen Aufträgen. Jetzt zeichnete er die Ruinen der Stadt.

In der DDR war Bullert der künstlerische Berater Potsdams und schuf eine Vielzahl von Gedenktafeln und auch den Foyerspruch des Alten Rathauses von Hans Marchwitza („Kultur ist jeder zweite Herzschlag unseres Lebens“), der restauriert wurde und nun ein letztes Mal zu sehen ist.

Programm zur Ausstellung

Die Ausstellung wird von mehreren Führungen und Vorträgen ergänzt. Am 16. August und am 26. September um jeweils 14 Uhr finden öffentliche Führungen statt.

Über Walter Bullerts Erlebnisse und Kunstwerke aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs referiert Doris Obschernitzki am 27. August um 18 Uhr. Sie hat in Vorbereitung der Ausstellung den umfangreichen Nachlass gesichtet.

Die baugebundenen Werke Bullerts wie Reliefs, Wandbilder und Gedenktafeln sind Thema eines Vortrags von Thomas Sander am 17. September um 18 Uhr.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Dienstag/Mittwoch/Freitag: 10-17 Uhr, Donnerstag: 10-19 Uhr, Sonnabend/Sonntag/Feiertag: 10-18 Uhr.

Adresse: Potsdam-Museum, Am Alten Markt 9, 14467 Potsdam

Die Vernissage findet am Sonnabend, 8. August, um 15 Uhr im Museum statt.

Die Ausstellung endet am 4.Oktober.

Von Peter Degener

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