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Kunst im Auftrag des Staates

Vortrag über Walter Bullert Kunst im Auftrag des Staates

Ein Vortrag über Walter Bullerts baugebundene Kunst rückt den Potsdamer Künstler am Donnerstagabend in ein kritisches Licht. Der Potsdamer Bauhistoriker Thomas Sander geht im Potsdam-Museum der Frage nach, wie der Künstler staatliche Aufträge gleichermaßen für Nazis und Sozialisten ausführte.

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Walter Bullert bei der Arbeit an einer Büste

Quelle: Potsdam-Museum

Potsdam. An vielen Häusern in Potsdam ist die Kunst von Walter Bullert (1895-1986) noch zu erkennen. Die Gedenkplakette für Max Dortu und das Sportler-Relief an der Sporthalle Heinrich-Mann-Allee stammen aus seiner Hand. Doch einige Werke des Gebrauchsgrafikers, Malers und Bildhauers sind – zum Teil aus gutem Grund – heute nicht mehr sichtbar. Derzeit widmet das Potsdam-Museum dem Künstler unter dem Titel „Kunst, die man braucht und gebraucht“ eine Retrospektive.

Walter Bullert hat für mehrere politische Systeme gearbeitet

Ein Vortrag über die architekturbezogene Kunst Walter Bullerts widmet sich am Donnerstag auch der Frage, wie der Potsdamer Künstler vom Kaiserreich bis in die DDR in widersprüchlichen politischen Systemen erfolgreich staatliche Aufträge ausführte.

Relieftafel für das Haus Am Brauhausberg 36

Relieftafel für das Haus Am Brauhausberg 36. Ein Arbeitsmann schützt mit einem Schwert, das ein Hakenkreuz im Knauf trägt, eine Frau mit Kind.

Quelle: Potsdam-Museum

„Wann endet meine Gebrauchswilligkeit? Diese Frage muss man stellen“, sagt der Bauhistoriker Thomas Sander. Für sein Referat hat er Akten und Nachlass Bullerts gesichtet. Auch der Medientisch der Ausstellung zu Bullerts Werken im öffentlichen Raum wurde von Sander konzipiert. „Seine baugebundene Kunst ist dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld verpflichtet gewesen. Dort kam zum Ausdruck, was man damals gerne gesehen hat, gerade im Nationalsozialismus und in der DDR“, sagt Sander.

Sein Fazit:„Bullert hat verstanden, was man sehen wollte.“ Er schuf expressive Werke in der Zeit der Weimarer Republik, etwa ein Wandbild für die Sparkasse, die sich vor dem Krieg im Alten Rathaus befunden hat.

Ein Vortrag im Potsdam-Museum entlarvt einen Opportunisten

Heute sieht die Reflieftafel so aus

Heute sieht die Reflieftafel so aus. Wahrscheinlich ist das Originalbild unter dem Putz erhalten.

Quelle: Thomas Sander

Das Bild wurde durch den Potsdamer NS-Oberbürgermeister Hans Friedrichs später entfernt. Doch der gab bei Bullert auch die Ehrenbürgerurkunde für Reichspräsident Hindenburg und ein halbes Dutzend Gedenktafeln in Auftrag. Aus dieser Zeit schafft Bullert laut Sander durchaus „piefig-statuarische“ Werke.

Ein besonderes Beispiel entstand 1935 für die Neubebauung des Brauhausbergs aus der Hand des Potsdamer Architekten Heinrich Laurenz Dietz. Ein Relief über dem Eingang des Hauses Am Brauhausberg 36 zeigt einen Arbeitsmann mit hochgekrempelten Armen und Spaten, der mit einem Schwert eine Mutter mit ihrem Kind schützt. Im Schwertknauf prangt ein Hakenkreuz. „Das ist sichtbarer Ausdruck der Zeitgeschichte“, sagt Sander. Die Tafel wurde damals in einer Architekturzeitschrift mit Bezug auf die gerade wieder eingeführte Wehrpflicht interpretiert.

Ein Relief mit Hakenkreuz wurde nach 1945 nur mit Putz verschmiert

Vermutlich existiert die Tafel noch immer an Ort und Stelle. „Höchstwahrscheinlich hat man sich nach dem Zweiten Weltkrieg gespart das Relief abzuschlagen und sie nur mit Putz zugeschmiert“, sagt Sander. Tatsächlich ist die verdeckte Fläche heute noch deutlich erkennbar.

Im Alten Rathaus befand sich bis 1945 eine Sparkasse

Im Alten Rathaus befand sich bis 1945 eine Sparkasse. Bullert schuf Anfand der 1920er Jahre dieses expressive Wandbild. Die Nationalsozialisten entfernten es bereits 1936 wieder – wahrscheinlich wegen des avantgardistischen Stils. Doch Bullert bekam weiterhin Aufträge vom NS-Bürgermeister Potsdams.

Quelle: Potsdam-Museum

Zuletzt kommt Walter Bullert im sozialistischen Realismus an, schafft unter anderem einen Sowjetsoldaten für die Kriegsgräberstätte an der Michendorfer Chaussee. „In meinem Vortrag stelle ich einzelne Beispiel aus seinen Schaffensphasen vor und will klären, wie Bullert an seine Aufträge gekommen ist“, sagt Sander.

Nach dem Krieg schuf er Werke für den sozialistischen Staat

„Was er gemacht hat, hat er gut ausgeführt“, sagt der Bauhistoriker über die systemübergreifende Kunst Bullerts, „als Mensch würde ich ihn als typisches Fallbeispiel eines Opportunisten bezeichnen.“ Doch Sander stellt klar, dass das auch für viele andere Kulturschaffende galt, deren Namen bis heute gefeiert werden.

Vortrag im Potsdam-Museum

Der Vortrag „Bau-Gebunden. Zum architekturbezogenen Werk Walter Bullerts in Potsdam“ findet am Donnerstag um 18 Uhr im Potsdam-Museum, Am Alten Markt 9 statt. Der Eintritt beträgt fünf Euro.

Die Sonderausstellung zum Gesamtwerk Walter Bullerts („Kunst, die man braucht und gebraucht“) ist noch bis zum 4. Oktober zu sehen. Fast 30 Jahre nach seinem Tod wird darin erstmals sein Gesamtwerk als Maler, Grafiker, Pressezeichner und Bildhauer präsentiert.

Am 26. September um 14 Uhr findet eine öffentliche Führung durch die Ausstellung statt. pede

Von Peter Degener

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