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Potsdam Warten auf den Potsdamer Stadtkanal
Lokales Potsdam Warten auf den Potsdamer Stadtkanal
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00:21 28.05.2015
Arbeit an der Mischwassergefälleleitung an der heutigen Ecke Breite-/Dortustraße um 1970. Quelle: Walter Menckhoff/Potsdam-Museum
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Potsdam

Nach einer missverständlichen Äußerung von Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) stand die Frage im Raum, bis wann der Stadtkanal rekonstruiert sein könnte. Eine Antwort darauf geben die Stadtwerke, die zahlreiche Leitungen im alten Kanalbett haben. Das Bild dazu gibt eine um 1970 entstandene Fotografie mit Blick zur Plantage, die in der aktuellen Sonderausstellung des Potsdam-Museums mit Stadtlandschaften „vor und nach 1945“ gezeigt wird. Die Reste der Garnisonkirche sind schon fort, das Rechenzentrum ist noch nicht gebaut.

In der Dortustraße markiert eine Schlucht Reste des Stadtkanals, der seit Anfang der 1960er Jahre Stück für Stück zugeschüttet wurde. Auch die nach dem Politiker Wilhelm Külz benannte Breite Straße ist aufgerissen. Arbeiter verlegen eine zentrale Leitung, in der Regen und Abwässer aller diesseits der Havel gelegenen Stadtteile gesammelt werden sollen, bevor sie unter Tage zum Klärwerk Nord in Nedlitz treiben.

Diese Mischwassergefälleleitung ist nach Angaben von Stadtwerkespreche Stefan Klotz „weitestgehend direkt in der Stadtkanaltrasse verlegt“ worden und ein wesentlicher Grund dafür, dass der Kanal wohl erst in Jahrzehnten komplett rekonstruiert werden kann. Vor Wochen hatte Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) erklärt, man könne den Kanal in der Dortustraße mangels Geld „nur bis zu einer geringen Tiefe öffnen“.

Mehrere Teilnehmer des Pressegesprächs werteten das als Absage an die weitere Rekonstruktion, doch so wollte Klipp nicht verstanden werden, wie er klarstellte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg repariert, dann zugeschüttet

Der Potsdamer Stadtkanal wurde ab 1722 unter Friedrich Wilhelm I. nach holländischem Vorbild vorrangig zur Entwässerung von Sumpfland angelegt, brachte aber gleichzeitig Handel in die Innenstadt. Legendär ist der Fischmarkt am Wilhelmplatz, dem heutigen Platz der Einheit.

Zu allen Zeiten gab es Probleme mit der Unterhaltung. Mangels Gefälle gab es kaum Strömung in dem 1,5 Kilometer langen Kanal. Wurde er nicht regelmäßig gereinigt, setzte sich Schlamm ab und es stank. Deshalb gab es schon im 19. Jahrhundert die Idee, den „Canal zu überwölben und dadurch eine Promenade“ von seltener Schönheit herzustellen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Stadtkanal zunächst repariert und gereinigt. Anfang 1961 jedoch fiel die Entscheidung, das Gewässer verschwinden zu lassen. Im Juni 1961 wurde als erster von neun Kanalübergängen die Nauener Brücke auf Höhe der Friedrich-Ebert-Straße gesprengt.

Die Rekonstruktion des Stadtkanals steht seit dem Mauerfall 1989 auf der Agenda. Ein erster Abschnitt an der Kellertorbrücke wurde schon im Dezember 1990 teilweise geöffnet, seit 2011 ist er für Boote befahrbar. 1998 wurde die Öffnung des Abschnitts Yorckstraße zur Buga 2001 beschlossen, dessen Sohle allerdings über dem Wasserniveau der Havel ist.

Größtes Problem für die Rekonstruktion des Stadtkanals, der bisher lediglich zwischen dem Tiefen See und der Kellertobrücke wiederhergestellt werden konnte, sind neben Verkehrsfragen die im Bett liegenden Leitungen. Laut Klotz gibt es in der Kanaltrasse neben der Mischwassergefälleleitung „noch diverse Abwasser-, Trinkwasser-, Fernwärme- Erdgas- und Stromleitungen“.

In einer 2002 angefertigten Machbarkeitsstudie zum Stadtkanal heißt es: „Eine separate Durchführung von Leitungsarbeiten würde zwingend durch den Aufbruch und die Wiederherstellung der Oberflächen zu Mehrkosten führen.“ Damals rechnete man mit Gesamtkosten von 66 Millionen Euro für die Öffnung des Kanals. Aktuellere Zahlen gibt es nicht.

Das Gefällenetz der Mischwasserleitung hat laut Klotz eine kalkulierte Lebensdauer von 80 Jahren: „Ein Ersatzneubau wäre dann also um 2050 notwendig.“

Von Volker Oelschläger

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