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Warum bekam Petra V. ein Top-Gehalt?

Affäre bei Potsdamer Stadtentsorgung Warum bekam Petra V. ein Top-Gehalt?

Zwei Chefs von Stadtwerke-Tochterunternehmen sollen das Gehalt einer Mitarbeiterin binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt haben – auf mehr als 100.000 Euro. Wer ist diese Frau? Nach MAZ-Recherchen handelt es sich um die frühere Prokuristin Petra V. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: Sie stand wohl Ex-Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen nahe.

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Suspendiert: Step-Chef Enrico Munder und EWP-Chef Holger Neumann (r.).

Potsdam. Im Fall der beiden am Montag überraschend suspendierten Geschäftsführer von zwei Stadtwerke-Tochterunternehmen wurden am Dienstag weitere Details bekannt. Derzeit wird geprüft, ob es strafrechtliche Ansatzpunkte gibt. Offiziell mauern die Stadtwerke zwar immer noch bei Fragen zu den Hintergründen, aber hinter den Kulissen brodelt es heftig in der Gerüchteküche. Dabei geht es unter anderem um „alte Geschichten“ aus der Ära des 2011 zurückgetretenen Stadtwerke-Chefs Peter Paffhausen.

Arbeitsvertrag für Petra V. ohne das „Okay“ der Gesellschafter

Wie berichtet, handelt es sich bei den Freigestellten um Enrico Munder, Chef der Stadtentsorgung Potsdam (Step), und EWP-Chef Holger Neumann, der bis Februar 2015 mit Munder eine Doppelspitze bei der Step bildete. Sie sollen das Gehalt einer Step-Mitarbeiterin angeblich innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt haben: von 50.000 Euro auf mehr als 100.000 Euro pro Jahr – kolportiert werden 120.000 Euro pro Jahr.

Das Brisante: Ab einem Gehalt von 60.000 Euro ist ein Gesellschafterbeschluss notwendig. Gesellschafter der Step sind die Stadtwerke GmbH – eine hundertprozentige Tochter der Stadt – und das Privatunternehmen Remondis. Eigentlich müsste auch der Step-Aufsichtsrat in solchen Fällen informiert werden – auch dies ist nicht geschehen. Erst eine Sonderprüfung brachte den Vorgang nun ans Licht.

Lobende Worte für Petra V.: Sie baute den Einkauf mit auf

Nach MAZ-Recherchen handelt es sich bei der Mitarbeiterin, deren hoch dotierter Arbeitsvertrag von den beiden Geschäftsführern ohne den notwendigen Gesellschafterbeschluss unterzeichnet worden sein soll, um die frühere Prokuristin der Stadtentsorgung, Petra V. Diese wechselte im Laufe der 2000er Jahre von den Stadtwerken zur Stadtentsorgung. Derzeit kursiert zum einen folgende Darstellung von V.’s Karriere: Bei der Step habe die fleißige Mitarbeiterin dazu beigetragen, den Bereich Einkauf aufzubauen. Später seien ihre Kompetenzen immer weiter angewachsen – parallel dazu eben auch die Entlohnung.

Ex-Stadtwerkechef Peter Paffhausen

Ex-Stadtwerkechef Peter Paffhausen

Quelle: Archiv

Aber es gibt auch weniger wohlwollende Stimmen über die Mittfünfzigerin, deren Anstellungsverhältnis sich lang unter der Ägide des damaligen Stadtwerke-Chefs Peter Paffhausen abspielte. Mit dem einstmals starken Mann Potsdams wird V.’s Name nun auch gerüchtehalber in Verbindung gebracht.

Gerüchte: Gemeinsamer Spaß beim Spaßbad-Trip?

Eine Begebenheit wird besonders gern erzählt: Als Paffhausen seinerzeit nach Brasilien fuhr, um mit Stararchitekt Oscar Niemeyer über dessen Pläne für ein Potsdamer Spaßbad zu sprechen, soll Petra V. mit an Bord gewesen sein. Ob aus einem reinen Arbeitstrip nachträglich mehr konstruiert wurde, um beiden zu schaden, muss dahingestellt bleiben. Paffhausens Rücktritt 2011 bedeutete aber – zumindest vorerst – keine Zäsur in V.’s Karriere. Dazu kam es allem Anschein nach erst im Jahr 2015. Aus dem Handelsregister geht hervor, dass Petra V. im Januar 2015 die Prokura für die Step entzogen wurde. Im gleichen Jahr wurde die Step-Mitarbeiterin freigestellt. Dennoch soll sie ihr Gehalt angeblich noch bis Ende 2016 weiter beziehen.

Unfallflucht: Alter Vertuschungsvorwurf wieder Gesprächsthema

Im Zuge der aktuellen Vorwürfe gegen zwei Geschäftsführer von Stadtwerke-Töchtern wird auch eine alte Geschichte um eine angeblich vertuschte Unfallflucht aus dem Jahr 2002 wieder Gesprächsthema in Potsdam.

2011 wurde durch einen Bericht der „Bild“ der Vorwurf öffentlich, Ex-Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen habe während seiner Amtszeit versucht, einen Unfall mit einem Firmenwagen in Caputh zu vertuschen. Ein damals 17-jähriger Stadtwerke-Azubi, der heute noch bei einem Tochterunternehmen arbeitet, habe 2002 einen Unfall mit Blechschaden verursacht und sei geflohen. Er hatte noch gar keine Fahrerlaubnis.

Bei dem Unfallfahrer soll es sich um den Sohn der Mitarbeiterin handeln, wegen deren unabgestimmter Gehaltserhöhung die beiden Geschäftsführer des Stadtwerkeverbundes nun beurlaubt wurden. 2011 hieß es, Paffhausen sei mit der Mutter befreundet. Er habe einen Mitarbeiter angewiesen zu verschleiern, wer den Unfallwagen gefahren habe. Der Fahrer wurde 2004 trotzdem verurteilt.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) soll über den Fall informiert gewesen sein.

Nach der Suspendierung der einstigen Step-Doppelspitze Munder und Neumann geht es darum, „eine detaillierte und unbeeinflusste Aufklärung über Sachverhalte“ zu ermöglichen, hieß es in einer knappen Presseerklärung der Stadtwerke. Wegen Munders Freistellung ist nun Burkhardt Greiff für die Geschicke der Stadtentsorgung verantwortlich. Greiff bildet zusammen mit Munder seit 2015 die Step-Doppelspitze. Zuvor gehörte er der Remondis-Geschäftsleitung Region Ost an.

Stadtpolitiker: Verantwortungsbewusste und saubere Aufarbeitung

Stadtpolitiker hielten sich am Dienstag mit „Skandal“-Rufen zurück. Stattdessen gab es betonte Zurückhaltung angesichts der laufenden Untersuchungen. „Wir gehen davon aus, dass die anstehende Prüfung verantwortungsbewusst durchgeführt wird“, erklärte Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. In dieselbe Kerbe schlug SPD-Fraktionschef Mike Schubert: Er gehe davon aus, dass die Angelegenheit nun „sauber aufgearbeitet“ wird.

Von Ildiko Röd

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