Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam „Warum nur aus der Stadtkasse?“
Lokales Potsdam „Warum nur aus der Stadtkasse?“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 20.11.2013
Iris Jana Magdowski. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

MAZ: Potsdams Vorstoß, dass der Landkreis Potsdam-Mittelmark sich künftig an den Kosten für einpendelnde Schüler beteiligen möge, hat gestern für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Landrat Blasig sagte sinngemäß: Wir zahlen doch schon – was wollen die denn?
Iris Jana Magdowski: Das stimmt bei den laufenden Kosten. Was Landrat Blasig aber unterschlägt, sind die Investitionskosten. An Schulbauten in Potsdam beteiligt sich der Landkreis bislang überhaupt nicht. Eine gesetzliche Pflicht gibt es dazu bislang nicht. Als Schulträger muss er aber genauso wie wir die gängigen allgemeinbildenden Grund- und weiterführende Schulen vorhalten. Wie gut für ihn, dass die Eltern auf Potsdam ausweichen. Nun macht sogar das Bildungsministerium den Vorschlag, nach dem Modell der Stadt Cottbus zu verfahren. Dort hat der umliegende Kreis in der Stadt Cottbus Schulgebäude errichtet und unterhält sie selbst.

Landrat Blasig verwies im gestrigen MAZ-Interview ausdrücklich auf die Pflichten, die Potsdam im Schulbereich gegenüber dem Landkreis hat. Man solle sich in Potsdam „auf die Aufgaben eines Oberzentrums besinnen“, so Blasig. Versucht sich die Landeshauptstadt da um rechtmäßige Pflichten zu drücken?
Magdowski: Es wäre schön gewesen, wenn Landrat Blasig sich dazu erklärt hätte, was er als Schulträger seinen Bürgern als Grundversorgung anbieten will. Wir haben bei der Pendleranalyse die auswärtigen Schüler herausgerechnet, die in Schulen mit oberzentraler Bedeutung beschult werden, etwa die Schule des Zweiten Bildungsweges, die Sportschule oder die Förderschulen. Trotzdem bleiben 1400 Schüler übrig, wo nun wirklich das Argument Oberzentrum nicht zieht. Die Analyse hat gezeigt, dass mit diesen Schülern aus Potsdam-Mittelmark locker zwei Schulstandorte ausgelastet wären. Der Bau von zwei Schulen mit Sportstätten kostet Potsdam je nach Schulform und Standort bis zu 50 Millionen Euro. Warum soll das nur aus unsrer Stadtkasse kommen? Ich lade den Landkreis sehr herzlich ein, hier seine eigenen Schulen zu errichten.

Gibt es nicht theoretisch auch die Möglichkeit zu sagen: Sorry, aber das Potsdamer Schul-Boot ist voll? Wir schaffen es nicht mehr, Schüler aus dem Umland aufzunehmen?
Magdowski: Wir können Klassenkapazitäten festlegen. Die Schulen entscheiden im Auftrage des Landes, welche Schüler hier beschult werden. Es gibt Schulwahlfreiheit. Die Schulen nehmen Schüler aus dem Umland auf, wenn sie die Aufnahmekriterien erfüllen. Für die weiterführenden Schulen gibt es eine Auslese, die sich unter anderem an Grundschulgutachten und den Halbjahreszeugnissen der Jahrgangsstufe 6 orientiert. Wenn Umlandschüler hier besser punkten , zieht der Potsdamer Schüler den Kürzeren. Nur für die Oberschulen gibt es noch einen gewissen mittelbaren Gestaltungsspielraum und bei Gesamtschulen für den Bildungsgang Fachoberschulreife. Hier zählt auch die Nähe zur Schule und die Schulwegzeit. Was mich im Hinblick auf das Land auch ärgert: Werden beim Aufnahmeverfahren des Landes von den Schulen Gerichtsverfahren verloren, zahlt nicht etwa das Land, sondern die Stadt. Das ist gesetzlich völlig systemwidrig, denn die Schule handelt hier als Sonderbehörde des Landes.
Großes Aufregerthema ist momentan das 160-Millionen-Loch, das sich in den kommenden Jahren wegen der fehlenden Schulen im Potsdamer Haushalt auftut. Ihre Parteifreundin und Kreischefin Katherina Reiche hat deshalb vorgeschlagen, statt Geld in viele Neubauten zu stecken lieber Privatschule zu fördern. Diese sollten dann hauptsächlich Potsdamer Kinder aufnehmen. Warum sollten sich die Privatschulen diesbezüglich Vorschriften machen lassen?
Magdowski: Wer von der Stadt profitiert, sollte auch keine Probleme damit haben, etwas für die Stadt zu tun. Potsdam hat bislang schon ein großes Angebot an Privatschulen, das von der Stadt zum Teil mit günstigen Erbpachtverträgen oder Schulraum unterstützt worden ist. Bislang aber ganz ohne Gegenleistung. Neu an dem „Potsdamer Modell“, das CDU-Kreischefin Katherina Reiche vorgeschlagen hat, ist nur, dass die bisherigen Vergünstigungen durch die Stadt nun mit einer Forderung verknüpft werden sollen: Dass dann nämlich auch vorrangig Potsdamer Schüler die Möglichkeit erhalten, an diesen von der Stadt geförderten Schulen unterrichtet zu werden.
Ist das nicht auch eine Art Erpressung gegenüber den privaten Schulen? Frei nach dem Motto „Wer zahlt, schafft an“?
Magdowski: Viele freie Träger fordern ganz selbstverständlich ein Entgegenkommen von der Stadt Potsdam. Dann sollte es aber genauso selbstverständlich sein, dass die Stadt sich ihrerseits Gedanken macht, was wir dafür für unsere Kinder an Mehrwert bekommen.
Interview: Ildiko Röd

Am Mittwoch wird der Designpreis Brandenburg vergeben. Ein Anwärter ist die Firma Nagual Sounds. Das Startup hat eine Technologie entswickelt, die Körperbewegung in Musik umwandelt. Das klappt erstaunlich gut.

20.11.2013
Potsdam Rabbiner-Ausbildungsstätte eröffnet - Jüdische Theologie in Potsdam

Mit einem Festakt und 400 Gästen ist in Potsdam das bundesweit erste Institut für Jüdische Theologie eröffnet worden. „Ich bin sicher, das wird ausstrahlen weit über Deutschland hinaus”, sagte die evangelische Theologin Margot Käßmann am Dienstag in ihrer Festrede.

19.11.2013
Potsdam Ehemalige Mieter erheben schwere Vorwürfe - Dem Krongut Bornstedt laufen die Händler weg

Im Krongut Bornstedt sieht es traurig aus: Weniger Händler, weniger Besucher. Ehemalige Mieter machen den Krongut-Geschäftsführer Josef Laggner dafür verantwortlich. Sie werfen ihm Mobbing vor, weil er selbst jegliche Gastronomie im Krongut übernehmen und ausbauen wolle. Laggner bestreitet Mobbing, gibt aber zu, das Krongut-Konzept ändern zu wollen.

19.11.2013