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Potsdam Was bleibt vom schönen Schein?
Lokales Potsdam Was bleibt vom schönen Schein?
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07:23 16.03.2019
Schimmernde Fassade, große, sich zur Stadt hin öffnende Fenster – die Vision des „blu“ und die Realität haben wenig miteinander gemein. Quelle: GMP gerkan marg und Partner
Potsdam

Die Fassade des Schwimmbads „blu“ schimmert in der Sonne. Eine große Fensteröffnung mit hellem Glas öffnet den Bau am Brauhausberg zur Stadt. Auf der großen Kreuzung davor schlendern Menschen. Das Bild des Architekturbüros gmp wirkt bizarr, wenn man die Vision mit der Wirklichkeit vergleicht. Denn tatsächlich gibt es keinen Schimmer an der Fassade des Schwimmbads und auch die großen Fenster können die trutzige Wirkung des Baus nicht mindern. Haben die Architekten das nicht gewusst? Wurde die Stadt als Bauherr hier nicht getäuscht?

Der Unterschied zwischen den Architektenbildern und der gebauten Realität ist manchmal immens. Es gibt allerdings auch Fälle, wo man sich nicht getäuscht vorkommen muss.

„Nicht gezielt. Solche Bilder haben die Funktion, für ein Gebäude zu werben oder zu überzeugen. Im positiven Fall sieht man, wie ein Haus später aussieht. Aber es ist eben auch ein Marketinginstrument“, sagt Reiner Nagel. Er kennt den Widerspruch zwischen Bildern und Bauten, denn der Architekt und Stadtplaner ist seit 2013 der Vorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, die in Potsdam ihren Sitz hat. „Manchmal werden Behauptungen aufgestellt, die mit der Wirklichkeit nicht mehr mithalten können. Auch das Material wird oft entzaubert und wirkt nicht so, wie erwartet“, sagt er.

Fenster sind schwarz, nicht hell

Nicht immer sind die Unterschiede so drastisch wie im Fall des „blu“. Bei anderen Potsdamer Visualisierungen finden sich Schummeleien in der Perspektive, fragwürdige Gebäudehöhen oder unerwartete nüchterne Wirkungen von Materialien. So wird derzeit an der Alten Fahrt neben dem Museum Barberini ein Gebäude errichtet, dessen bunte Skizze eine völlig unrealistische Perspektive darstellt. Auch die Entwürfe für den geplanten Mega-Bau am RAW-Gelände haben angesichts der gewählten Perspektiven zu Kritik geführt, ob da nicht die tatsächliche Größe verschleiert werden soll.

Reiner Nagel ist Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam Quelle: Till Budde

Städte müssen Bilder prüfen

Vor allem für städtebaulich relevante Projekte hat Reiner Nagel aus Sicht der Baukultur eine konkrete Forderung: „Wenn Visualisierungen für den politischen Diskussionsprozess hergestellt werden, müssen sie im Auftrag der Stadt entstehen oder zumindest überprüft werden, gerade was die Gebäudehöhen angeht. Die Höhen werden manchmal bagatellisiert, sodass sie zum Beispiel nicht über die Stadtsilhouette hinausragen“, sagt Nagel. Das Gleiche gelte für das Volumen eines Hauses, das „oft zu klein dargestellt“ wird. „Wer sicher gehen will, muss das mit einem Vermessungsbüro überprüfen“, so Nagel. Städte wie Hamburg, Köln oder Münster veranlassen bei wichtigen Baumaßnahmen solche Überprüfungen.

Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) findet die Visualisierungen grundsätzlich unproblematisch. „Veduten haben das schon immer gemacht“, sagt Rubelt mit Verweis auf gemalte Stadtansichten, wie sie auch vom barocken Potsdam existieren. „Wie ehrlich so ein Bild ist, ist in meinen Augen die falsche Frage. Ich würde das nie für bare Münze, sondern zum Anlass nehmen, um zu diskutieren. Wir brauchen solche Bilder, um zu verstehen“, sagt der Baubeigeordnete.

Ein dreidimensionales Modell ist hilfreich

Bei der Neugestaltung der Potsdamer Mitte kommen auch klassische Modelle zum Einsatz, wie es hier von Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke gezeigt wird. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein und dieselben Architekten können ganz unterschiedliche Erfahrungen mit ihren Bildern machen: „In Hamburg wurde die Elbphilharmonie durch das Rendering zum Objekt der Begierde. Die gleichen Architekten haben aber auch einen Entwurf für ein Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin veröffentlicht, der als die ,Scheune’ bekannt wurde und ihnen berechtigterweise um die Ohren fliegt. Das Bild zeigte, was für ein schlichtes Ding das wird“, sagt Nagel.

Manche Architekturvisualisierung empfindet er als so schlecht, dass keine Absicht dahinter stecken könne: „Schauen Sie sich die Kataloge von Fertighausherstellern an. Da liegt eigentlich oft offen, wie schlecht das Haus werden wird, aber da schreit dann leider keiner auf.“

Blendende Bilder – ein Kommentar

Von Peter Degener

Täuschend echt sollen die digitalen Bilder von Bauprojekten wirken. Doch wenn es um den öffentlichen Stadtraum geht, dürfen wir uns nicht auf Werbeprospekte von Bauträgern oder Wettbewerbs-Simulationen von Architekten verlassen. Oftmals entscheiden die Stadtverordneten über Projekte und werden dabei ganz wesentlich durch diese Idealbilder geleitet. Im Gegensatz zu Fachleuten sind Stadtverordnete und auch die breitere Öffentlichkeit aber nicht geschult im Umgang mit solchen Bildern. Wie luftig und hell wirkt der Glaspalast am Ende wirklich? Wie passt sich ein groß dimensioniertes Gebäude tatsächlich in die Umgebung ein? Eine clever gewählte Perspektive, ein besonders malerischer Himmel oder fehlende Umgebungsbauten und Verkehr summieren sich.

Natürlich müssen Investoren und Architekten ihre Projekte nicht absichtlich schlecht aussehen lassen – doch die Stadtverwaltung sollte bei wichtigen Projekten immer hinterfragen, was da zu sehen ist. Unabhängige Berechnungen zur Größe der Baukörper oder ein dreidimensionales Modell, das von den Investoren zur Verfügung gestellt werden muss, könnten zu Entscheidungen führen, die weniger auf Blendwirkung beruhen.

Von Peter Degener

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