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Goethes „Torquato Tasso“ vor dem zeitweiligen Abschied vom Schlosstheater in Potsdam Was sich ziemt

Mit Goethes Schauspiel „Torquato Tasso“, das heute Premiere hat, verabschiedet sich das Hans-Otto-Theater bis auf weiteres vom Schlosstheater im Neuen Palais.

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Alexander Finkenwirth als lorbeerumkränzter Hofpoet. Foto HL Böhme

Potsdam. Ab dem Sommer ist die Rokokobühne im Zuge der anstehenden Sanierung des Neuen Palais voraussichtlich bis 2017 geschlossen. Für den Hauptdarsteller Alexander Finkenwirth, der in dieser Spielzeit neu ins Ensemble kam, ist die erste Berührung mit dem Schlosstheater deshalb auch auf absehbare Zeit die letzte.

Seit einem knappen Jahr wohnt der heute 26-Jährige in einer WG am Luisenplatz. Sein tägliches Pensum ist enorm. Neben der Arbeit am Theater läuft sein Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg, das er im Sommer zu einem guten Abschluss bringen will.

Im Schlosstheater war er erstmals vor zweieinhalb Wochen zur ersten Bühnenprobe. Der Weg durch den Schlosspark kann die perfekte Einstimmung auf ein Schauspiel vor italienischer Gesellschaftskulisse sein. Das Theater selbst „ist wunderschön“. Es sei anders, an einem so authentischen Ort zu spielen: „Ich musste erst mal meinen Respekt ablegen.“

Mit der Figur des Torquato Tasso hat sich der aus Wiesbaden stammende Finkenwirth vor Jahren schon einmal befasst: „Das war Schulstoff bei uns – da war ich aber nicht sehr aufmerksam.“

Der italienische Dichter Torquato Tassos als historisches Vorbild des zwischen 1780 und 1790 entstandenen Schauspiels lebte von 1544 bis 1595. Das Stück spielt an einem Frühlingstag vielleicht im Jahre 1577 im Lustschloss Belriguardo des Herzogs Alphons II. von Ferrara.

Zentrale Szene ist für den Darsteller des Tasso das erste Aufeinandertreffen des gefeierten und selbstbewussten Hofdichters auf den welterfahrenen und gleichaltrigen Antonio Mercantino. Zwischen den beiden entbrennt eine heftige Feindschaft. Denn Antonio lässt Tasso spüren, dass es in der höfischen Gesellschaft eine Rangordnung gibt, die auch für Künstler gilt. Die Richtung wird von der Prinzessin vorgegeben, die Tassos flammend vorgetragene Erklärung „Erlaubt ist, was gefällt“ zurückweist mit der Feststellung: „Erlaubt ist, was sich ziemt“.

Zum Ende wird Tasso sich im Clinch mit Antonio desillusioniert unterwerfen: „So klammert sich der Schiffer endlich noch am Felsen fest, an dem er scheitern sollte.“ Doch der Darsteller sieht seine Figur keineswegs als Verlierer. Man könne es auch so sehen, dass der Protagonist eine ganz enorme Entwicklung durchmacht, dass er sich am Ende des Tages emanzipiert und erwachsener wird.

Tassos Gegenspieler Antonio wird gespielt von Axel Sichrovsky. Franziska Melzer ist Leonore von Este, Meike Finck Leonore Sanvitale, Peter Pagel gibt den Hausherrn Alphons II. Eine besondere Erfahrung, eine „tolle Sache“ für Alexander Finkenwirth ist die Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Tina Engel als Regisseurin. Man könne als Jungschauspieler „wahnsinnig von ihren Erfahrungen profitieren“, sagt er: „Man hat bei den Proben automatisch das Gefühl, dass sie genau weiß, was in einem vorgeht.“

Premiere heute um 19.30 Uhr. Termine/Karten auf www.hansottotheater.de; 0331/98 118. (Von Volker Oelschläger)

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