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Waschen, Trocknen, Klönen in der Waschbar

MAZ-Serie zur Brandenburger Vorstadt Waschen, Trocknen, Klönen in der Waschbar

Klaus Kühn war eigentlich Heilerziehungspfleger. Bis er auf Reisen die Ödnis von Waschsalons kennenlernte. In der Brandenburger Vorstadt hat er vor 13 Jahren die Waschbar eröffnet und führt seitdem ein Leben im Schleudergang.

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.Klaus Kühn ist Inhaber der Waschbar.

Quelle: FOTO: Friedrich Bungert

Brandenburger Vorstadt. Susi dreht mal wieder durch. Das erfahrene Mädchen wirbelt Socken und Schlüpper durcheinander, schleudert sie hin und her und ächzt dabei vernehmlich. Mit Susi, das wissen die Stammkunden, lässt sich gut schmutzige Wäsche waschen. Auch Anne (30) hat sich für Susi entschieden. Die Freiberuflerin schaut durch das Bullauge – schäumt – dann überlässt sie ihre Wäsche Susi und schlürft an der Theke einen Milchkaffee.

Alle Waschmaschinen haben Namen in der Waschbar. Nicht irgendwelche, nein. Sie sind nach den Ex-Kolleginnen von Klaus Kühn benannt, dem Inhaber der Waschsalon-Kneipe, die in der Brandenburger Vorstadt längst eine Institution ist. Wie Kühn selbst. In seinem früheren Leben, bevor er im Juli 2003 alles auf die Trommeln setzte, war der Hallenser Heilerziehungspfleger, arbeitete viele Jahren beim Deutschen Roten Kreuz. Da hat man eben nur mit Frauen zu tun. Olga, Rita, Helga und Susi. Eine Zeit lang sei ein junger Mann in den Salon gekommen, der immer nur in Susi gewaschen habe, erzählt Kühn. Susi hieß seine Ex-Freundin. Die Trennung war schmerzhaft. Nun, erklärte der Kunde, müsse die treulose Susi wenigstens weiter seine Unterhosen waschen.

Affen auf Waschmaschinen

Solche Lebensbeichten kommen meist beim Bier. Klaus Kühn, der eigentlich mit jedem per Du ist, hört sich die Geschichten seiner Gäste gerne an. Der 48-Jährige ist ein guter Zuhörer. Und ein mindestens genauso guter Erzähler. Unvergessen etwa die Story, als Tiertrainer aus dem Studio Babelsberg mit einer Horde Affen und haufenweise Schmutzwäsche in den Salon kamen. Auf die Idee, einen Waschsalon zu eröffnen, kam er auf einer Tour durch Australien, Amerika und Mexiko. Immer musste er dort in Waschsalons – und langweilte sich. Wie hypnotisiert auf die kreisenden Klamotten oder die unwirtlichen Kacheln an der Wand zu starren, macht trübsinnig auf Dauer. Bei Kühn können die Kunden die Wartezeit in der Kneipe überbrücken.

„Man kann hier schön die Zeit abbummeln“, sagt Anne. Sie habe keine eigene Waschmaschine erklärt sie, nippt am Kaffee, eine Zeitschrift auf dem Tresen. „Man hat das Gefühl, etwas Nützliches zu tun und gleichzeitig seine Freizeit zu genießen“, beschreibt sie das Waschen-und-Trinken-Gefühl.

Dabei seien es gar nicht unbedingt junge Leute, Studenten oder Künstler, die auf Susi und Olga setzen, erklärt Klaus Kühn. „Vom Hausbesetzer bis zum Anwalt ist alles vertreten“, erklärt der Herr über sechs Maschinen. Professoren aus Potsdamer Instituten, die nur einen Jahresvertrag haben, kaufen sich keine Waschmaschine. Auch viele Senioren sind unter den Stammwäschern, weil ihre Wohnung zu klein ist für eine Maschine oder es keine Trockenmöglichkeit mehr gibt. Wo früher Wäschespinnen im Hof standen, parken heute Autos oder spielen Kinder in großen Sandkästen.

Die Waschbar ist auch von außen ein Hingucker

Die Waschbar ist auch von außen ein Hingucker.

Quelle: Friedrich Bungert

Klaus Kühn beobachtet den Potsdamer Westen, speziell seine Straße mit den sanierten Häusern und den Geschäften. „Es gab eine Art Verdrängung“, sagt er. Viele Leute seien nach Neukölln gezogen, weil es dort noch günstig war und sie sich die Potsdamer Mieten nicht mehr leisten konnten. „Jetzt kommen sie wieder zurück.“ Was sich nicht geändert habe: die gute Nachbarschaft. Direkt gegenüber ist das Café Denise. Als Konkurrenz sehe man sich nicht. „Wenn mal der Salat ausgeht, hilft man sich gegenseitig“, so Kühn.

Viele Kunden kommen auch mit großen Plastiktaschen zum Bettdecken waschen. Die bekommt man nicht in eine Standard-Maschine gequetscht. Da muss schon die dicke Berta ran. Die dicke Berta umfasst zehn Kilo und ist – das sei hier ausdrücklich erwähnt – nicht an einer Ex-Kollegin benannt. Auch eine männliche Waschmaschine namens Hugo gibt es mittlerweile, nachdem sich Kundinnen über Diskriminierung beklagten.

Frida Kahlo über der dicken Berta

Über der dicken Berta hängt ein Bild von Frida Kahlo. Im ganzen Lokal finden sich Reminiszenzen an Reisen in zumeist (süd)amerikanische Gefilde. Ein gerahmtes Badetuch mit einer Madonna zum Beispiel. „Die ersten Jahre waren nicht einfach“, erinnert sich Kühn an seinen Start vor mehr als zehn Jahren und zieht im mit Planen geschützten Außenbereich der Kneipe an seiner Zigarette. Die meisten hätten nicht daran geglaubt, dass sein Konzept funktionieren kann. „Außer Herr Schneider von der Sparkasse.“ Mit drei Mitarbeitern hat er angefangen, inzwischen sind es 15. Er selbst habe oft 18 Stunden geschuftet, über Jahre hinweg, jeden Tag. 2012 legte Kühn, ein großer, kräftiger Mann mit schwarzem Zopf, den Schongang ein, nahm sich eine Auszeit und reiste wieder. Vor zwei Jahren ist der 48-Jährige zum ersten Mal Vater geworden. Die Kleine heißt Frida. Nach Frida Kahlo. Seitdem bleibt Weihnachten der Waschsalon zu. Auch für den Inhaber selbst. Susi bekommt Fridas Sachen nicht. Der Papa wäscht zu Hause.

Waschsalon und Kneipe

Die Waschbar in der Geschwister-Scholl-Straße 82 ist täglich ab 10 Uhr geöffnet.

Neben Waschmaschinen und Trocknern bietet die Kneipe auch Cocktails, Frühstück, Salate, Baguettes und Burger.

Inhaber Klaus Kühn hat inzwischen ein zweites Geschäftsmodell entwickelt. In einem Foodtruck bereitet er authentisch mexikanische Gerichte zu und steuert damit Märkte und Feste in der Region an.

Von Marion Kaufmann

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