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Wechsel bei der Pogida-Demoleitung

Demoabend am Mittwoch in Potsdam Wechsel bei der Pogida-Demoleitung

1000 Menschen haben sich am Mittwoch in Potsdam gegen eine Kundgebung von etwa 80 Anhängern der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung gestellt. Es ist weitgehend friedlich geblieben. Es kam jedoch zu Rangeleien zwischen linken Demonstranten und der Polizei. Bei Pogida wird die Demoleitung wechseln, eventuell übernimmt ein Leipziger.

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Anwohner zeigen, was sie von Pogida halten.

Quelle: Julian Stähle

Bornstedter Feld. Der mehrfach vorbestrafte Pogida-Chef Christian Müller (32) hat am Mittwochabend bei einer Rede vor seinen Anhängern bestätigt, dass er die Versammlungsleitung abgibt; er weiß nur noch nicht, an wen. Das sei kein Aufgeben, „ich glaube weiter an die Sache“, so Müller. Er gab zu, viele Straftaten begangen zu haben. „Jeder hat Fehler gebaut, auch ich. Ich habe meine Strafe verbüßt.“ Jetzt wolle er sein Leben auf die „legale Schiene“ lenken, um seinen Kindern „ein perfektes Vorbild als Vater“ zu sein. Schließlich mache er eine Psychotherapie, „damit meine kriminelle Karriere ein Ende hat“.

– Der MAZ-Liveticker zum Nachlesen

– Die Pressemeldung der Polizei zum Demo-Abend im Wortlaut

Bis zur Demo hieß es noch, Müllers Lebensgefährtin Annika Keller aus Berlin, die in Potsdam als Pogida-Ordnerin auftrat, werde die Leitung übernehmen. Sie soll das auch gewollt haben, doch will Müller nicht, dass sie in die erste Pogida-Reihe tritt, weil sie im Herbst eine Ausbildung beginnt.

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24. Februar 2016: Drei Gegendemonstrationen haben sich der Pogida-Versammlung in Potsdam Bornstedt in den Weg gestellt. Wer zur Protestveranstaltung gegen Pogida wollte, musste aber zuerst durch eine Leibesvisitation. Es war möglicherweise der vorerst letzte Pegida-Abend, den Christian Müller angemeldet hat. Wir zeigen die besten Bilder.

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Will Leipzigs Pegida die Potsdamer Aktionen lenken?

Wer neuer Pogida-Chef wird, soll sich am Wochenende entscheiden – Müller will sich dann mit Pegida-„Kollegen“ unter anderem aus Dresden und Leipzig beraten. Es gebe mehrere Kandidaten, auch aus Potsdam, erklärte Müller gegenüber der MAZ. Der Leipziger Legida-Chef Markus Johnke habe sich angeboten, in Potsdam das Ruder in die Hand zu nehmen. Das sei aber nicht entschieden.

Immer weniger Pegida-Anhänger in Potsdam

Allerdings nahmen die Teilnehmerzahlen bei der Pogida in den vergangenen Wochen ab.

Kamen bei den ersten Pogida-Demos am 11. und am 20. Januar auf dem Bassinplatz nach Polizei-Angaben noch jeweils 300 Teilnehmer, waren es anschließend am 3. Februar beim Aufmarsch am Schlaatz noch rund 150.

In der vergangenen Woche wurden in Babelsberg 85 Pogida-Anhänger gezählt.

75 bis 80 Teilnehmer waren es nach Polizeiangaben im Bornstedter Feld.

Er hoffe, so Müller vor seinen Gefolgsleuten, dass sein Nachfolger noch mehr Menschen auf die Straße bringe. Die sollen nach einer Pogida-internen Einigung vom Dienstag nur noch jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat demonstrieren. Die Leipziger Legida wolle das aber auf Dienstage verlegen, äußerte Müller; auch das muss noch entschieden werden.

Die nächste Pogida-Demo findet am kommenden Mittwoch wie geplant am Bassinplatz statt. In der Woche darauf ist Pause. Auftaktredner Herbert Heider hält das für ausreichend, die Pogida-Anliegen öffentlich zu machen; außerdem werde der Polizeiaufwand zum Schutz der Pogida-Veranstaltungen halbiert, sagte er.

Ägypter will Ordnung und Sicherheit in Deutschland

Nach den bisher zweimaligen Auftritten des Legida-Redners Enrico Graziani trat am Mittwoch der Ägypter Ahmed Dora ans Pogida-Mikrophon; er lebt seit 20 Jahren in Deutschland und jetzt in Potsdam. Er wolle „wie alle Deutschen Sauberkeit, Menschlichkeit, Gesetz und Ordnung“. Das wollten viele der jetzt kommenden Flüchtlinge nicht; sie wollten nur das Geld, das Deutschland ihnen biete.

Ahmed Dora aus Ägypten spricht mit Christian Müller

Ahmed Dora aus Ägypten spricht mit Christian Müller; der ihn bislang nicht kannte, aber dann als „meinen Freund“ vorstellt.

Quelle: Julian Stähle

„Frau Merkel, Sie lassen die falschen Menschen ins Land! Sie wissen gar nicht, mit wem Sie es zu tun haben!“ rief er. Der MAZ sagte er, über die Hälfte der Muslime seien in Wahrheit keine und lebten ihre Religion gar nicht, die friedlich sei.

Am Ende erschien der Hannoveraner Aktivist Curd Schumacher, in der Szene auch als „Curd Ben Nemsi“ bekannt. Er soll offenbar Geld bekommen haben für seine Hetzrede gegen die Bundesregierung. Er werde von „Links“ und von „Rechts“ beschimpft, also stehe er in der Mitte, behauptete er. Schumacher tritt auf vielen Veranstaltungen der Pegida-Organisationen auf, bezeichnet die USA als „Pest der Welt“ und sieht die Bundesregierung als „die gleiche Bande“ wie früher „Kaiser, Kanzler und Pfaffen.“

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24. Februar 2016: Drei Gegendemonstrationen haben sich der Pogida-Versammlung in Potsdam Bornstedt in den Weg gestellt. Wer zur Protestveranstaltung gegen Pogida wollte, musste aber zuerst durch eine Leibesvisitation. Es war möglicherweise der vorerst letzte Pegida-Abend, den Christian Müller angemeldet hat. Wir zeigen die besten Bilder.

Quelle: Julian Stähle

Gegen die laut Polizeiangaben circa 75 bis 80 Pogida-Anhänger hatten sich rund 1000 Teilnehmer von drei Demonstrationen gestellt. Der erste Zug startete am Nachmittag im Lustgarten. Mehr als 500 Menschen zogen unter Rufen wie „Ob Ost, ob West – nieder mit der Nazi-Pest“ oder „Alerta, Alerta Antifascista“ (Achtung, Achtung Antifaschisten) durch die Innenstadt zum Dorint-Hotel.

Dort musste sich der Zug auflösen, um grüppchenweise zur Kundgebung des Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ an der Kreuzung Pappelallee und Kirschallee zu kommen, nur etwa 50 Meter von der Pogida-Kundgebung entfernt. Das Bündnis hielt mit Samba-Trommelmusik lautstark gegen die Pogida-Reden. Auch der Linke-Bundestagsabgeordnete Norbert Müller hatte eine Gegenkundgebung organisiert.

Immer wieder erschallten Rufe in Richtung der Pogida-Leute: „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda.“ Wenn die Pogida-Demos immer weniger Menschen anzögen, müsse „auch mal Schluss damit sein“, sagte Bürgermeister Burkhard Exner (SPD).

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24. Februar 2016: Drei Gegendemonstrationen haben sich der Pogida-Versammlung in Potsdam Bornstedt in den Weg gestellt. Wer zur Protestveranstaltung gegen Pogida wollte, musste aber zuerst durch eine Leibesvisitation. Es war möglicherweise der vorerst letzte Pegida-Abend, den Christian Müller angemeldet hat. Wir zeigen die besten Bilder.

Quelle: Julian Stähle

Bereits Stunden vor Beginn den Demonstrationen war es im Bornstedter Feld zu erheblichen Verkehrseinschränkungen gekommen. Die Polizei, die mit ungefähr 1000 Beamten aus vier Bundesländern, zwei Wasserwerfern, zwei Räumpanzern und einem Hubschrauber im Einsatz war, musste immer wieder Gruppen von Gegendemonstranten auf Distanz halten. Die Pogida marschierte nur bis zu einer Blockade auf der Kirschallee und kam nicht in Sichtweite des Flüchtlingsheims an der David-Gilly-Straße.

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24. Februar 2016: Drei Gegendemonstrationen haben sich der Pogida-Versammlung in Potsdam Bornstedt in den Weg gestellt. Wer zur Protestveranstaltung gegen Pogida wollte, musste aber zuerst durch eine Leibesvisitation. Es war möglicherweise der vorerst letzte Pegida-Abend, den Christian Müller angemeldet hat. Wir zeigen die besten Bilder.

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Noch vor Beginn der Versammlung der „Pogida“ hatte laut Polizeiangaben eine „größere Gruppe von Störern aus der autonomen Szene“ versucht, zum Versammlungsort der „Pogida“ zu gelangen. Die Polizei musste an dieser Stelle Pfefferspray einsetzen. Eine Person wurde in Gewahrsam genommen. Gegen den jungen Mann wurden Ermittlungen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet.

Nach Ende aller Versammlungen versuchten wiederum Personen aus der autonomen Szene, den Abmarsch einer kleinen Gruppe von „Pogida“-Demonstranten zu stören. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, um die Störer zurückzudrängen. Zwei Personen, die zur Begleitung von „Pogida“-Teilnehmern eingesetzte Beamte beleidigten beziehungsweise angriffen, wurden in Gewahrsam genommen. Ein Linienbus, mit dem auch „Pogida“-Teilnehmer den Ort verließen, wurde vermutlich durch einen Steinwurf leicht beschädigt. Zu den näheren Umständen laufen weitere Ermittlungen.

Von Rainer Schüler, Ricarda Nowak und Jens Trommer

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