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Wegen OSZE Polizisten mit MP im Garten

Potsdamer im Schatten der Macht Wegen OSZE Polizisten mit MP im Garten

Das OSZE-Treffen hat Potsdam aufgewühlt. Schon im Vorfeld gab es erhebliche Sicherheitsvorkehrungen. Der ein oder andere hatte da kurze Nächte. Als nun die Minister eintrafen, waren mehr als 1000 Beamte im Einsatz – Scharfschützen auf dem Balkon, Polizisten im Beet. Wie haben die Anwohner darauf reagiert?

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Straßen wurden während des OSZE-Treffens in Potsdam gesperrt.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Die einen haben Gartenzwerge im Vorgarten. Die anderen Polizisten mit Maschinenpistolen. Sie stehen zwischen Buchsbaumhecken und blühenden Rosenbüschen und wissen besser als jeder neugierige Nachbar, wer hierher gehört und wer nicht.

Das Karree hinter dem Dorint-Hotel liegt am Donnerstag im Schatten der Macht. Während die Außenminister der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Vier-Sterne-Haus tagen, geht das Leben nebenan in den Neubauten und im zur Wohnanlage sanierten Garnisonslazarett der Ulanen-Reiterei weiter. Anwohner haben ihre Wäsche zum Trocknen in die Spätsommersonne gehängt. Rasensprenger zischen. Die Postfrau hastet mit hochrotem Kopf von Tür zu Tür. „Ich musste wegen der Sperrungen alles umlegen“, schnaubt sie, springt aufs Rad und tritt in die Pedale. „Ich hab echt zu tun!“ Einen Steinwurf entfernt haben Scharfschützen Position auf Feuerleitern und Balkons bezogen. Sie tragen dicke Anoraks und schwarze Sturmhauben.

Selten ist es im Kiez so ruhig

Christian Büttner trägt Badelatschen und T-Shirt. Der 45-Jährige schraubt an seinem Rad. Der Bautenzug ist durch. Das muss er heute richten, denn später, am Nachmittag braucht er das Rad. Dann geht’s quer durch die Stadt zum Hauptbahnhof und von dort aus zur Arbeit nach Berlin. „Das wird schon klappen mit den Sperrungen“, sagt Christian Büttner. „Ich habe gedacht, dass es schlimmer wird.“ Die Vollsperrung auf der Pappelallee habe sogar etwas für sich, meint er: „Es ist schön ruhig.“ So idyllisch habe er seinen Kiez noch nie erlebt. „Fast wie im Urlaub.“

>> Der Mann, der die Minister in Potsdam fuhr

Frank-Walter Steinmeier verlässt im Kreise seiner Außenministerkollegen und Gastgeber die  Straßenbahn

Frank-Walter Steinmeier verlässt im Kreise seiner Außenministerkollegen und Gastgeber die Straßenbahn.

Quelle: Friedrich Bungert

Im Stress sind derweil Lilly und Leo, zwei Labrador-Weimaraner-Mischlinge aus der Johann-Goercke-Allee. Polizeihunde sind seit Tagen in ihrem Revier auf Patrouille – das geht nun wirklich nicht! Selbst nachts sind sie um die Häuser geschlichen, direkt am Schlafzimmerfenster vorbei. Ein guter Wachhund schlägt da an. Nicht nur einmal. „Das war alles andere als eine ruhige Nacht“, sagt die Besitzerin von Lilly und Leo, die ihren Namen lieber für sich behalten möchte. Sie stellt zwar nicht das OSZE-Außenminister-Treffen an sich in Frage, aber das Brimborium drumherum – mehr als 1200 Sicherheitskräfte, Sperrungen, Umleitungen, Fahrplanänderungen: „Wir Bürger sind es schließlich, die das alles bezahlen.“

Scharfschützen waren auf dem Hotel Mercure postiert

Scharfschützen waren auf dem Hotel Mercure postiert.

Quelle: Bungert

Wenn der Snackautomat der Sicherheitsschleuse weicht

Bei der Pro Potsdam lässt das Treffen der hohen Herren indes die Kasse klingeln, wenn auch nur ganz leise. Die städtische Immobilienholding hat ihre Cafeteria im Erdgeschoss ans Bundeskriminalamt (BKA) vermietet. Dort ist nun hinter heruntergelassenen Jalousien das Akkreditierungszentrum für Medienvertreter und all jene eingerichtet, die in unmittelbarer Nähe des Hotels zu tun haben. Etwa sechs Wochen sei es her, dass das BKA anfragte, sagt Pro-Potsdam-Sprecherin Anna Winkler. Nach einer Besichtigung und kleineren Umbauten – zum Beispiel musste der Snackautomat der Sicherheitsschleuse weichen – war der Deal perfekt. „Für einen Augenblick sind wir nun mitten drin in der Weltpolitik“, sagt Anna Winkler. Dennoch führte auch für die Pro-Potsdam-Mitarbeiter Donnerstag nur ein Weg in ihre Büros: durch die Hintertür.

Hinter diesen Türen wich der Snackautomat einer Sicherheitsschleuse

Hinter diesen Türen wich der Snackautomat einer Sicherheitsschleuse.

Quelle: Friedrich Bungert

 

Von Nadine Fabian

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