Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Weißer Adler verschwindet aus Plenarsaal

Entscheidung nach erregter Debatte im Brandenburger Landtag Weißer Adler verschwindet aus Plenarsaal

Der Farbenstreit um den Brandenburger Adler scheint entschieden: Architekt Peter Kulka hatte einen Kompromissvorschlag unterbreitet. Nach einer kontrovers geführten Debatte wurde beschlossen, dass der "weiße Adler" verschwindet. So ganz beendet ist die Diskussion aber nicht.

Voriger Artikel
Trickdiebe von aufmerksamen Leser überführt
Nächster Artikel
Kritik an möglichem Abriss der Tropenhalle

Die Diskussion scheint beendet: Der weiße Adler kommt weg.

Quelle: dpa

Der monatelange Adlerstreit im Landtag ist vorerst beendet: Der umstrittene weiße Adler, ein Kunstwerk von Architekt Peter Kulka an der Stirnseite des neuen Plenarsaals, wird nun doch entfernt. Stattdessen soll am Rednerpult ein deutlich kleinerer roter Adler angebracht werden – allerdings nicht als Wappentier. Seine Maße: 50 Zentimeter hoch, 40 Zentimeter breit. Kulka selbst hatte diesen Kompromiss unterbreitet. Für den Antrag stimmten nach hitziger Debatte die meisten Abgeordneten der Regierungsfraktionen von SPD und Linke. Der rote Adler entspreche dem Wunsch eines großen Teils der Brandenburger, hieß es zur Begründung.

Ein Antrag der oppositionellen CDU-Fraktion, das rote Originalwappen Brandenburgs in heraldischer Form an die Stelle des weißen Adlers zu hängen, fand keine Mehrheit. Für diese Variante hatten nur 22 der anwesenden 77 Abgeordneten gestimmt. Darunter waren auch Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) sowie drei FDP-Abgeordnete. 52 Parlamentarier stimmten dagegen, drei enthielten sich. „Der Brandenburg-Adler ist identitätsstiftend für die Bürger im Land und unser Heimatsymbol“, hieß es zur Begründung.

Eine Reihe von Abgeordneten, darunter die fünf der Grünen-Fraktion sowie mehrere von den Linken, lehnten beide Anträge ab. Sie wollten, dass der weiße Adler hängen bleibt. Marie Luise von Halem (Grüne) sagte, das Ende des weißen Adlers bedeute einen Verzicht auf die Moderne.

Der Farbenstreit

Mit Eröffnung des neuen Landtags am Alten Markt in Potsdam im Januar gab es Streit um die Farbe des Adlers im Plenarsaal. Nicht nur die Abgeordneten waren uneins, auch die Bürger, die den Landtag am Eröffnungswochenende Mitte Januar besuchten.

Für einen roten Adler statt des weißen an der Stirnseite hatten sich auch Prominente eingesetzt wie Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe. Architekt Kulka lehnt einen roten Adler ab, dieser erinnere an einen "Blutfleck".

Die Anhänger des traditionellen Wappens hingegen scheuten sich in der Debatte nicht, auch größere Geschütze aufzufahren. „Seine Fahne trägt man!“, rief der FDP-Abgeordnete Gregor Beyer mit Pathos in den Saal. „Und wenn es das Schicksal will, fällt man auch darunter. Aber niemals stellt man seine Fahne zur Disposition.“ SPD-Fraktionschef Klaus Ness entgegnete, Beyer solle nicht übertreiben. Er sei jedenfalls dagegen, dass „jemand unter der Fahne stirbt“. Ness merkte an, dass eine Entscheidung für das rote Wappentier rechtliche Auseinandersetzungen zur Folge haben könnte. Der Architekt Kulka hatte im Vorfeld betont, dass er einer anderen Variante als seiner nicht zustimmen und von seinem Urheberschutzrecht in jedem Fall Gebrauch machen werde. Ness warb um Zustimmung. „Kulka ist einen großen Schritt auf uns zugekommen.“ Für die CDU ist die Debatte allerdings noch nicht beendet, wie Fraktionsvize Dieter Dombrowski sagte. Sie werde weiter für den roten Adler kämpfen. Ein Landeswappen könne nicht beliebig umgeändert werden, sagte die CDU-Abgeordnete Beate Blechinger.

Wann der 1,80 Meter große weiße Adler aus lackiertem Stahlblech nun entfernt wird, ist noch offen. Nach Auskunft der Landtagsverwaltung klafft dahinter ein Loch mit Medientechnik. Das Kunstwerk ist Eigentum von Architekt Kulka. Der lehnt ein Aufhängen an einer anderen Stelle im Landtag ab. SPD-Fraktionschef Ness meinte, er könne sich gut vorstellen, diesen im Foyer zum Plenarsaal anzubringen. Der fraktionslose Abgeordnete Gerd-Rüdiger Hoffmann schlug sogar vor, den Adler angesichts der zu erwartenden Wertsteigerung „an irgendein Theater oder Museum“ in Brandenburg zu geben.

MAZ-KOMMENTAR

Verkorkst

Wenn es ums Fliegen geht, so holte der FDP-Abgeordnete Gregor Beyer gestern im Landtag ganz weit aus, habe Brandenburg so seine Probleme. Erst der Flughafen BER! Und jetzt die Adler-Debatte im Landtag! Da hatte der Liberale, dessen mit Bonmots gespickte Rede fast Kabarett reife erlangte, durchaus Recht. Die Diskussion um die Farbe des Adlers war von Anfang an verkorkst und verdreht.

Insofern war es konsequent, die Rot-Weiß-Frage am Ende mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Nur hielten sich leider daran nicht alle Abgeordnete. Es krachte gehörig zwischen den Fraktionen. Vorwürfe und Vorhaltungen machten die Runde. Man hatte zwischenzeitlich fast Angst, ein Kul turkampf könnte ausbrechen. Als ginge es um etwas, um große Politik, um Wesentliches für das Land.

Einigen Politikern schwante wohl, dass man sie fragen würde, ob es wirklich nichts Wichtigeres gäbe als die Farbe des Adlers? So wurde die gestrige Abschlussdebatte auf der Tagesordnung vorsorglich nach hinten geschoben. Genützt hat es nicht. Es bleibt ein schaler Beigeschmack. Eine solche Frage gehört nicht ins Plenum. Sie muss im Vorfeld geklärt werden – auch alle rechtlichen Fragen. Ein Hauen und Stechen beschädigte Beteiligte, wie den Architekten Kulka und bringt ihn ohne Not in Bedrängnis. Das hätte verhindert werden müssen. Doch damit waren Kunstkommission und Landtagspräsidium überfordert.

Von Igor Göldner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Brandenburgische Genealogische Gesellschaft will rotes Wappentier

Die Debatte um die Farbe des Brandenburg-Adlers im Plenarsaal des neues Landtagsgebäudes geht weiter. Die Brandenburgische Genealogische Gesellschaft (BGG) „Roter Adler” hat Landtagspräsident Gunter Fritsch in einem offenen Brief aufgefordert, die Entscheidung zugunsten eines weißen Adlers rückgängig zu machen und ein rotes Wappentier aufzuhängen.

mehr
Mehr aus Potsdam
Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg