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Potsdam Weit über 150 Menschen mit Frakturen im Krankenhaus
Lokales Potsdam Weit über 150 Menschen mit Frakturen im Krankenhaus
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09:57 06.03.2018
Die Apothekerin Marja Hipper (36) stürzte auf dem Weg zur Arbeit auf dem glatten Pflaster – blieb aber zum Glück ohne Verletzungen Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Es war das gefährlichste Eis des Jahres: Blitzartig sind in der Nacht zu Montag bei Winterregen die Wege und Straßen der Stadt überfroren. Auf dem Kopfstein- und Mosaiksteinpflaster der Brandenburger Vorstadt etwa quälten sich Kinder und Eltern an diesem Morgen in Tippelschrittchen zur Gerhart-Hauptmann-Schule; manchem Kind riss es die Füße weg, doch dank der Schulmappen fiel man weich. Viele kamen zwar wie immer mit dem Fahrrad, schoben es aber lieber. Zum Unterrichtsklingeln blieb der Ansturm vom Hof ins Schulhaus diesmal aus, weil viele Kinder noch gar nicht da waren.

Die Fahrräder werden an diesem Morgen geschoben zur Gerhart-Hauptmann-Schule. Quelle: Rainer Schüler

Die Vorgartenzäune in der Carl-von-Ossietzky-Straße, sonst das beste Mittel gegen illegale Grafitti, waren der denkbar beste Halt, wenn man eigentlich gar keinen Halt mehr hatte. Eine Frau hangelte sich hier meterweise vorwärts: „Ich muss noch bis ans Ende der Straße“, lachte sie, leicht genervt; und das waren noch ein paar hundert Meter.

Die Vorgartenzäune in der Carl-von-Ossietzky-Straße sind der denkbar beste Halt: Eine Frau hangelt sich meterweise vorwärts; sie muss noch bis ans Ende der Straße kommen. . Quelle: Rainer Schüler

Autos, die Kinder an der Schule ausgeladen hatten, kamen kaum wieder weg vom Straßenrand; Schritttempo war angesagt, drei Stunden lang.

Die Notaufnahme im Bergmann-Klinikum hatte viel zu tun

Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum kamen allein bis 10 Uhr morgens 88 Patienten mit Brüchen in die Notaufnahme. „Die Rettungsstelle war seit der Nacht wirklich voll. Normalerweise haben wir rund 100 Patienten pro Tag“, erklärte Sprecherin Damaris Hunsmann. Doch man war auf die zuvor angekündigte Eisglätte vorbereitet. „Der Chefarzt hat schon am Vorabend Mitarbeiter aus anderen Bereichen zusammengezogen und auch Mitarbeiter, die eigentlich frei hatten, zum Dienst geholt“, sagte Hunsmann der MAZ. Auch ein weiterer Operationssaal wurde aktiviert, um die Zahl chirurgischer Eingriffe zu verteilen. „Es gab vor allem Beinbrüche und die typischen Glätte-Brüche an Ellenbogen, Schultern oder dem Handgelenk, aber auch Kopfverletzungen. Außerdem haben wir Verletzte mehrerer schwerer Autounfälle bei uns im Haus behandelt“, sagt Hunsmann. Patienten mit kleineren Verletzungen mussten sich in der Notaufnahme auf längere Wartezeiten einrichten. Erst ab dem Nachmittag entspannte sich die Situation wieder. „Wir sind personell darauf eingestellt, dass es auch morgen früh wieder ein erhöhtes Patientenaufkommen gibt“, sagte Hunsmann.

Im Josefs früh fast so viele Notfälle wie sonst am ganzen Tag

44 Patienten mit glättebedingten Brüchen wurden bis 13 Uhr im St. Josefs-Krankenhaus versorgt – fast so viele Patienten wie sonst an einem ganzen Tag. „Akute Verletzungsformen und deren Folgezustände werden die Unfallchirurgie am St. Josefs noch bis in die kommende Woche beanspruchen“, sagte ein Kliniksprecher.

In der Oberlinklinik, die eigentlich gar keine Notaufnahme hat, wurden 40 Fälle behandelt, darunter vier Kopfverletzungen. Teilweise kamen die Patienten aus den anderen Kliniken, weil dort die Wartezeiten so hoch waren, teilte eine Oberlinsprecherin mit.

Stadtentsorgung war vorbereitet und voll im Einsatz

Bei der Stadtentsorgung war die Wettersituation lange genug bekannt und die Einsatzzentrale seit 1 Uhr nachts besetzt, außerdem wurden Kontrollfahrten durchgeführt. Vorbeugend begann man zwei Stunden später damit, auf den Hauptstraßen und den Radwegen der gesamten Stadt Salzlösung zu versprühen. Auf Kopfsteinpflaster allerdings ist sowas problematisch, denn auf den runden Steinen läuft die Sole schnell ab. Gegen sechs setzte der tückische Glatteisregen ein; eine zweite Einsatzwelle wurde gefahren. Wieder spritzte man Sole auf die Hauptstraßen und Radwegen, streute Split auf die Gehwege, für die die Step den Auftrag hat.

Das System hat drei Phasen, die mit „0“ beginnen, den Kontrolleinsätzen auf Schwerpunkten zur Sicherung des Verkehrsflusses: Das sind vor allem die Potsdamer Brücken und viele „kalte Ecken“, die den vergangenen Perioden bereits bekannt sind. Phase 1 umfasst dann „gefährliche“ Strecken und Hauptfahrbahnen; in Phase 2 werden Seiten- und Nebenstraßen angefahren.

Alles, was Beine und Räder hatte, war im Einsatz: rund 160 Mitarbeiter mit 90 Fahrzeugen, die komplette Flotte. Doch das Eis kam so schnell, dass auch die Vollbesetzung nicht genug war, die Situation sofort zu entschärfen. Am Mittag war alles normalisiert.

Verkehrsbetrieb hatte Verspätungen und einen Totalausfall

Im Busverkehr der Verkehrsbetriebe Vip gab es wegen der Straßenglätte insbesondere zwischen 7 und 9 Uhr Verspätungen von bis zu zehn Minuten. Die Linie 603 (Platz der Einheit - Höhenstraße) war in dieser Zeit eingestellt, weil die Kopfsteinpflasterstraße zu glatt war. Von Unfällen blieb der Vip nach eigener Auskunft verschont, aber auf der Hauptstraße in Marquardt schlitterten früh um 6.20 Uhr zwei Linienbusse von Havelbus ineinander: Beim Durchfahren einer Linkskurve aus Richtung Seestraße brach dem 55-jährigen Busfahrer das Heck des Busses aus, er kollidierte mit einem entgegenkommenden Linienbus. Dessen 40-jährieger Fahrer konnte nicht mehr ausweichen und prallte mit der Fahrzeugfront in die Seite des ausbrechenden Linienbusses. Dabei wurde ein Fahrgast, der sich im verursachenden Bus befand, durch umherfliegende Glassplitter verletzt. Er konnte aber nach ambulanter Behandlung des Rettungsdienstes vor Ort wieder entlassen werden. Beide Linienbusse blieben zwar fahrbereit, mussten aber den Liniendienst quittieren. Der Sachschaden wurde auf über 6000 Euro geschätzt. Die Polizei verzeichnete im Stadtgebiet 35 Eisunfälle, davon drei mit Personenschaden.

Wasserbetrieb von Rohrbrüchen vorerst verschont

Dem Wasserbetrieb der Stadt hat der Frost keine Versorgungsprobleme bereitet. Eventuelle Rohrbrüche treten aber üblicherweise erst in anschließenden Tauwetterperioden zu Tage. Bei der Fernwärme gab es weder im Netz noch in den Erzeugungsanlagen (Heizkraftwerk Süd, Heizwerk Nord) Störungen. Der Stromverbrauch sei „saisonüblich“ gewesen, teilte Stadtwerkesprecher Stefan Klotz gegenüber dieser Zeitung mit.

Von Rainer Schüler und Peter Degener

Die glatten Straßenverhältnisse unterschätzt hat der Fahrer eines Linienbusses im Potsdamer Ortsteil Marquardt am Montagmorgen. Bei dem Zusammenprall mit einem zweiten Linienbus wurde ein Fahrgast leicht verletzt, als die Scheibe des Fahrzeugs zersprang.

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