Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Wann kommt die nächste Bombenentschärfung?
Lokales Potsdam Wann kommt die nächste Bombenentschärfung?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 13.10.2018
In der Innenstadt könnte ein Bombenfund heftige Auswirkungen haben. Quelle: Rainer Schüler
Teltower Vorstadt

Auch die dritte Bombe auf dem früheren Straßenbahndepot an der Heinrich-Mann-Allee ist entschärft: Um 11.50 Uhr am Mittwoch hat Sprengmeister Mike Schwitzke den 250-Kilo-Blindgänger amerikanischer Bauart entschärft; eine Stunde und zehn Minuten hatte er dafür gebraucht, fast schon eine Normzeit für ihn. Die Evakuierung von knapp 3000 Menschen aus dem 1600 Meter durchmessenden Sperrkreis war problemlos. Mit weiteren Bombenfunden an dieser Stelle wird gerechnet. Sechs Wochen laufen die Bohrsondierungen noch; rund 200 Verdachtspunkte mit unerklärlichen Magnetanomalien müssen untersucht werden.

Es war die dritte Bombe binnen eines Monats am selben Standort, doch von Routine konnte bei der Evakuierung von knapp 3000 Menschen und bei der Entschärfung nicht die Rede sein.

Was Anomalien hervorruft, ist 20 Meter neben der Fundstelle zu sehen: ein großer Haufen Schrott mit Stahlträgern, Eisenrohren, Armierungseisen und einem Feuerlöscher. Wie Maik Schwarz von der Suchfirma Boskalis Hirdes sagt, kann sich sogar ein Findlingsstein magnetisieren und bei der Suche zu einem Ausschlag an der Sonde führen. Die Sonde kann die Auffälligkeiten nicht unterscheiden.

Ein Problem ganz anderer Dimension droht Potsdam nun aber an ganz anderer Stelle, in der Innenstadt. Neben der alten Hauptpost läuft eine Munitionssuche auf dem Grundstück eines künftigen Hotels. Sollte es auch hier Blindgänger geben, ist der Sperrkreis viel dichter besiedelt. Dann müsste auch das Klinikum „Ernst von Bergmann“ mit knapp 1100 stationären Patienten und 1350 Mitarbeitern evakuiert werden. Die Innenstadt bis hinein in die belebte Brandenburger Straße und andere benachbarte Straßen sowie der Verkehrsknoten Platz der Einheit könnten betroffen sein.

Arbeiten sind noch längst nicht abgeschlossen

Wie Enrico Marschlich von der beauftragten Suchfirma der MAZ gegenüber sagte, ist bislang noch keine Anomalie aufgetaucht, die bombenverdächtig wäre, aber die Arbeiten sind noch längst nicht abgeschlossen; sie ruhen derzeit nur. Sechs Meter tief reichen die Bohrungen, die man vom Gehweg aus anhand der Erdhügel sieht, in denen grüne Rohre stecken. Durch sie wird die Sonde in den Untergrund geführt.

Vor der Evakuierung am Donnerstag hatte sich Schwitzke besorgt gezeigt, die Bombe könnte wegen ihrer starken Verrostung vielleicht gar nicht entschärfbar sein; dann hätte man sprengen müssen, wie bei der ersten an diesem Platz am 3. August. Nur lag Bombe Nr. 3 tiefer und in Grundwassernähe, so dass sich die Druckwellen einer Sprengung unterirdisch fortgesetzt hätten. Schwere Gebäudeschäden in der Umgebung hätten die Folge sein können.

Der Zünder der US-amerikanischen Bombe ist aus Stahl und war viel stärker verrostet als die Messingzünder der beiden früheren, britischen Bomben. Quelle: Julian Stähle

Nachdem sich der Zünder drehte, war der Rest Routine

Mit Hammer und Meißel hatte Schwitzke der stark verkrusteten und verrosteten Bombe zu Leibe rücken müssen, ehe er an den Zünder heran kam. Der ließ sich trotz ausgiebigen Einölens aber nicht herausdrehen, so dass man erwog, ihn mitsamt seiner Reduzierbuchse auszubauen, was schwieriger gewesen wäre. Doch dann drehte sich der Zünder doch; der Rest war Routine.

Im Sperrkreis leben und arbeiten 3000 Menschen, doch nicht alle mussten jetzt auch evakuiert werden. Die betagten Bewohner des City-Quartier muss ihr Heim diesmal nicht verlassen, weil die Bombe rund 100 Meter weiter weg lag als beim letzten Mal. Es genügte, die Menschen auf die bombenabgewandte Seite des Gebäudes zu bringen. Aber das Kursana-Heim an der Heinrich-Mann-Allee war erneut betroffen, 134 Menschen wurden insgeamt evakuiert.

Wieder mussten die Bewohner des Kursana-Heims an der Heinrich-Mann-Allee ihre Wohnstätte verlassen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Innerhalb des 1600 Meter durchmessenden Sperrkreises gab es Menschen, die ihre Wohnungen nicht rechtzeitig verlassen hatten, aber keine Verweigerer.

Von Rainer Schüler

Die Potsdamer Stadtverwaltung erwartet eine zunehmende Zweckentfremdung von Wohnraum, insbesondere von günstigen Wohnungen. Das Land beabsichtigt eine neue Regelung, die es der Stadt ermöglicht, die Fremdnutzung einzuschränken.

10.10.2018

Der Skulpturenpfad „Walk of Modern Art“ wird um eine Installation von Rainer Gottemeier und eine Skulptur von Stella Hamberg erweitert – am Sonnabend ist Vernissage unter der Humboldtbrücke.

11.10.2018
Potsdam Beratungsangebot in Potsdam - Pflegestützpunkt ist so gefragt wie nie

Der Pflegestützpunkt in Potsdam ist einer von 19 im Land. 2010 eröffnet, sind die Beratungsgespräche inzwischen auf das Dreifache gestiegen – ein Spiegelbild der demografischen Entwicklung.

13.10.2018