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„Welcome United“-Trainer gesteht Notlüge

Debatte um Abschiebung von „Hassan“ „Welcome United“-Trainer gesteht Notlüge

Am Wochenende rührte der Fall des von Abschiebung bedrohten Zahirat „Hassan“ Juseinov, Co-Trainer des Flüchtlingsfußballteams „Welcome United“, die Potsdamer. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Kino-Star Til Schweiger sprachen sich für den Mazedonier aus. Doch nun tauchen Hinweise auf, die ein anderes Licht auf die Geschichte werfen.

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Zahirat „Hassan“ Juseinov, Co-Trainer des Flüchtingsfußballvereins „Welcome United“

Quelle: Julian Stähle

Babelsberg. Im Fall des von Abschiebung bedrohten Babelsberger Flüchtlingsteam-Trainers Zahirat „Hassan“ Juseinov (35) werden nun neue Fakten bekannt, die die Position des gebürtigen Mazedoniers schwächen könnten. Dem Vernehmen nach soll Juseinov 2010 mit falscher Identität nach Deutschland eingereist sein und dann auch straffällig geworden sein. Konkret soll es um einen Diebstahl gehen.

Der Mazedonier gab sich als Iraker aus

Mit den Vorwürfen konfrontiert, räumte Juseinov am Montag gegenüber der MAZ ein, dass er sich bei der Einreise tatsächlich als Iraker ausgegeben habe. Aus dieser Zeit stamme auch noch sein jetziger Rufname „Hassan“. Er begründet die Täuschung über seine Nationalität mit der Furcht vor einer sofortigen Abschiebung nach Mazedonien. Das Balkan-Land zählt zu den so genannten „sicheren Herkunftsstaaten“. Der Asylantrag eines Asylbewerbers aus einem sicheren Herkunftsstaat wird in der Regel als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt.

– Til Schweiger: Abschiebung ist „falsches Signal“

– Flüchtlingstrainer sorgt für Wirbel im Netz

Zahirat Juseinov und seine Freundin Emel mit zwei ihrer vier Kinder in ihrer Potsdamer Wohnung

Zahirat Juseinov und seine Freundin Emel mit zwei ihrer vier Kinder in ihrer Potsdamer Wohnung.

Quelle: dpa-Zentralbild

Ungefähr ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in Deutschland habe er die Lüge dann aus eigenem Antrieb bei der Ausländerbehörde gebeichtet – unter anderem aus Furcht vor einer Abschiebung in den Irak, so Juseinov zur MAZ. „Ich wollte endlich die Wahrheit sagen.“ Den Vorwurf des Diebstahls wies der Familienvater, der mit seiner Frau und den vier Kindern abgeschoben werden soll, am Montag von sich. „Ich garantiere mit ganzem Herzen, dass ich so etwas nicht gemacht habe.“

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) verwies am Montag auf die geltende Gesetzeslage zur Rückführung in sichere Herkunftsstaaten. „Wir sind gehalten, Gesetze zu vollziehen.“ In begründeten Einzelfällen könne man nach sorgfältiger Prüfung davon absehen – diese läuft noch. Allerdings machte das Stadtoberhaupt vorerst keine großen Hoffnungen. „Es geht nicht, dass man sagt: Alle, die sich um Fußball verdient gemacht haben, behält man in der Landeshauptstadt“, so Jakobs.

„Mazedonien ist für uns kein sicheres Herkunftsland“

Zahirat Juseinov und seine Freundin Emel gehören der Volksgruppe der Roma an. „Wir Sinti und Roma sind in Mazedonien und auf dem ganzen Balkan rechtlos und müssen dort – von der Bevölkerung verachtet – unter dem Existenzminimum leben“, berichtete der Trainer. „Ich verstehe nicht, warum Mazedonien für uns ein sicheres Herkunftsland sein soll.“

Am Dienstag läuft offiziell die Duldung – sprich: die vorübergehende Aussetzung der Abschiebung – von Zahirat Juseinov ab. Allerdings bestätigte das Innenministerium am Montag, dass bei der Härtefallkommission ein Antrag Juseinovs eingegangen sei. Die zehnköpfige Kommission werde sich in einer ihrer nächsten Sitzungen mit dem Fall des Mazedoniers und seiner Familie beschäftigen, sagte Sprecher Ingo Decker. Im Regelfall würden Abschiebefälle, die in der Härtefallkommission behandelt werden, eine Duldung und damit einen zeitweiligen Schutz vor Abschiebung erhalten.

Am Dienstag ist ein Termin in der Ausländerbehörde

Am Dienstag hat Juseinov bei der Ausländerbehörde einen Gesprächstermin, wo es um seine Zukunft geht. Die Onlinepetition „Hassan bleibt“ hatten bis Montag mehr als 2500 Menschen unterzeichnet. Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Schauspieler Til Schweiger setzten sich am Wochenende für den Mazedonier ein.

Von Ildiko Röd

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