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Potsdam Weltkriegszeugnisse für das Potsdam-Museum
Lokales Potsdam Weltkriegszeugnisse für das Potsdam-Museum
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10:40 12.01.2016
Claus von Keller 1919 zum Ende seiner Kadettenzeit. Quelle: Privat
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Potsdam

Die Losung steht gestickt in Fraktur auf rotseidenem Tuch: „Hinan den Berg, Gespannt die Kraft, Vereint zum Ziel!“ Gemeint ist der Hartmannsweilerkopf, eine Anhöhe im Elsass, die man auch „Menschenfresser“ und „Berg des Todes“ nannte, weil dort im Ersten Weltkrieg über vier Jahre hinweg in einer endlosen Abfolge sinnloser Kämpfe 30 000 deutsche und französische Soldaten starben.

Die himmelblaue Rückseite weist das Banner als Traditionsfahne der „Ehemaligen der Garde-Maschinen-Gewehrabteilung Nr.  1“ aus. Diese Einheit des in der Potsdamer Wilhelm-Türk-Straße stationierten Garde-Jäger-Bataillons war nach Angaben des Potsdamer Militärexperten Volker Schobeß 1901 eine der ersten im Reich, die mit der neuen Waffe ausgerüstet wurde.

20 000 Traditionsvereine soll es in den 1920er Jahren gegeben haben, in denen sich nach der Auflösung des kaiserlichen Heeres viele der Ehemaligen sammelten. Man zeigte Präsenz. „Überall wurde marschiert und aufmarschiert“, sagt Schobeß. „Und auf jedem Kasernenhof stand ein eigenes Truppendenkmal.“

Mittlerweile gibt es abgesehen von einigen Fotografien kaum noch Zeugnisse davon.

Die mit Hirschkopf, Stahlhelmen, Waffen und Eichenlaub verzierte Fahne der Maschinen-Gewehrabteilung Nr.1 war mehr als ein halbes Jahrhundert verschwunden. Potsdamer hatten sie zum Ende des Zweiten Weltkrieges in einer Wohnung auf Hermannswerder unter einer Matratze versteckt.

Schobeß, Leiter des Arbeitskreises für Militärgeschichte im Förderverein des Potsdam-Museums, wird sie an diesem Dienstag zum Neujahrsempfang des Vereins als Schenkung an das Museum übergeben. Laut Schobeß wird es im Bestand des Hauses das erste Banner dieser Art von einer Potsdamer Einheit sein.

Eine weitere Schenkung des Arbeitskreises sind Dokumente aus dem Nachlass des Zeitzeugen Claus von Keller (1903-1981), der als Zehnjähriger in die Kadettenanstalt in der damaligen Saarmunder Straße gegeben wurde. Heute ist der Gebäudekomplex an der Heinrich-Mann-Allee Sitz der Staatskanzlei.

Keller schildert die Zeit dort in seinen Erinnerungen als Tortur: „Unsere Erziehung im Kadettenkorps war nicht nur streng, sondern bisweilen auch hart und grausam.“ Zwar war den Erziehern und Lehrern Züchtigung verboten. „Nie dagegen habe ich erlebt, dass übelste Quälereien von Kameraden von zuständiger Stelle her geahndet wurden.“

Später schrieb er: „Ich bin geneigt, meine Kadettenzeit, zu der ich schon in frühester Jugend verurteilt wurde, weil mich die Vorsehung als Junge auf die Welt kommen ließ, als einen Vorschuss auf die Hölle zu betrachten. Ich erlebte dort, wie aus einem angehenden Staatsbürger ein Untertan in Uniform gemacht wurde.“

Arbeitskreis für Militärgeschichte

Der Arbeitskreis für Militärgeschichte im Förderverein des Potsdam-Museums ist Nachfolger des 1999 gegründeten Fördervereins Militärmuseum Brandenburg-Preußen, der 2012 seine Auflösung bekannt gab.

Der Förderverein wollte
im mittlerweile abgerissenen früheren Wehrmachtskasino an der Pappelallee ein Museum errichten, das Projekt scheiterte jedoch an der Finanzierung.

Nach der Auflösung des Fördervereins übergaben die Aktiven eine Militariasammlung mit mehr als 5000 Objekten an das Potsdam-Museum.

Der Arbeitskreis Militärgeschichte trifft sich jeden ersten Montag im Monat um 16 Uhr im „Alten Stadtwächter” an der Schopenhauerstraße. Die Runden sind öffentlich. vo

Neben Fotografien, Zeitungsausschnitten, Zeugnissen und Berichten findet sich in dem Nachlass Claus von Kellers auch ein Abriss seiner Zeit im Zweiten Weltkrieg – vom „Einrücken bei einer Panzer-Abwehr-Abteilung in Potsdam (Husarenkaserne)“ am 30. August 1939 bis zur „Kapitulation unserer Division im Ruhrkessel“ am 15./16. April 1945. Der letzte Eintrag Kellers ist auf den 5. August 1945 datiert: „Ohne Gefangenschaft Rückkehr nach Kleinmachnow.“

Von Volker Oelschläger

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