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Potsdam Weltreligion im Hinterzimmer
Lokales Potsdam Weltreligion im Hinterzimmer
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10:40 03.06.2016
Saskia Ruppin, Aeneas, Christof Kinkel, Nadi Towfigh und May (v.l.) mit der Weltkugel. Quelle: Christel Köster
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Brandenburger Vorstadt

Die Religionsgemeinschaft der Bahai ist in Deutschland immer noch etwas geheimnisumwittert. Dabei handelt es sich um eine anerkannte Weltreligion. Auch in Potsdam gibt es eine kleine Gemeinde. Nadi Towfigh, Psychologin und in einer Bahai-Familie aufgewachsen, erläutert die Ursprünge ihrer Religion.

Frau Towfigh, in der Nacht von Freitag auf Samstag trafen sich einige der etwa 30 Mitglieder der Bahai-Gemeinde von Potsdam in Ihrer Wohnung im Westen von Potsdam. Um vier Uhr morgens feierten Sie ein ganz besonders wichtiges Fest. Worum handelte es sich?

Nadi Towfigh: Das Fest erinnert an das Hinscheiden des Religionsstifters Baha’u’llah um vier Uhr morgens. Das wird immer mit einer Andacht begangen. Es werden Lieder gesungen, gebetet und später wird gemeinsam gefrühstückt. Dabei genießen wir den Sonnenaufgang. und erzählen uns Geschichten über den Religionsstifter.

Wer war Baha’u’llah?

Towfigh: Er wurde 1817 geboren und lebte bis 1892. Er kam aus einer vornehmen Familie in Persien und war der Sohn eines Ministers. Er wollte aber nicht den Weg seines Vaters gehen, sondern setzte sich stark für die armen und bedürftigen Menschen ein. Dann schloss er sich der Babi-Religion an. Deren Führer – der Bab – hatte vorhergesehen, dass eine Aufbruchssituation geschaffen werden muss zur Vorbereitung für den Verheißenen aller Religionen. So wie Johannes der Täufer auch Jesus Christus vorausgesagt hat.

Und der Verheißene der Babi war dann Baha’u’llah?

Towfigh: Ja. Seine Botschaft war, sich für Weltfrieden und für die Vereinigung der Menschen einzusetzen. Eine weitere Botschaft ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Außerdem soll es ein Gleichgewicht von Wissenschaft und Religion geben und die Notwendigkeit, alle rassischen und kulturellen Vorurteile zu überwinden. Mit diesen Prinzipien zog er aber sehr viel Widerstand auf sich. Die Bahai wurden und werden immer noch stark verfolgt. Besonders im Iran sind viele im Gefängnis.

Sie haben selbst familiäre Wurzeln im Iran. Mussten Verwandte von Ihnen auch Repressalien erleiden?

Towfigh: Ja, viele Verwandte meiner Mutter sind im Gefängnis, manche wurden auch stark gefoltert. Meine Mutter wurde als Schulkind mit Steinen beworfen und musste in der Schule immer alleine sitzen.

Dabei sind die Bahai eine sehr friedliche Religion, die alle anderen Religionen akzeptiert, wenn ich das richtig verstehe.

Towfigh: Das stimmt. Die Bahai glauben, dass die verschiedenen Religionen alle von einem Gott geschickt wurden – nur zu verschiedenen Zeiten. Deshalb glauben wir auch an eine aufeinanderfolgende göttliche Offenbarung. Gottes Auftrag wird immer von verschiedenen Religionsstiftern erfüllt und immer an die Situation der Menschen und an die jeweilige Zeit angepasst. Heute ist das große Thema der Weltfrieden.

Sie persönlich sind von Anfang an Bahai. Ist das auch bei der Mehrheit der anderen Potsdamer Gemeindemitgliedern der Fall?

Towfigh: Etwa ein Drittel wurde als Bahai geboren, die anderen fanden erst im Verlauf ihres Lebens dazu. Viele spricht der Toleranzgedanke an.

In Potsdam ist Ihre Gruppe so klein, dass Sie nicht mal einen eigenen Versammlungsort haben, sondern sich jeden Montag in Ihrer Wohnung zur Andacht treffen. Wie sehen Ihre anderen Gemeindeaktivitäten aus?

Towfigh: Wir haben neben den offenen Andachtsversammlungen auch Kinder- und Jugendgruppen in verschiedenen Altersgruppen. Diese Gruppen sind offen für Kinder mit verschiedenen religiösen oder kulturellen Hintergründen. Es geht um die moralische und innere Stärkung von Kindern und Jugendlichen, weil wir glauben, dass sie die Welt auf ihren Schultern tragen. Sie sind die Zukunft. In unseren Gruppen sollen sie ihr Potenzial entfalten und als Friedensstifter wirken. Sie sollen ein Bewusstsein dafür entwickeln, was ihr Beitrag zum Frieden sein kann.

Und was kann der realistischerweise sein? Schließlich sind es ja erst Kinder.

Towfigh: Wir machen zum Beispiel soziale Projekte für die Nachbarschaft. Im Winter haben wir selbst gebackene Waffeln und Heißgetränke verkauft. Der Erlös floss in Bekleidung für Flüchtlinge. Derzeit haben wir eine Aktion mit Jugendlichen: In einigen Cafés im Kiez haben wir Boxen aufgestellt mit der Aufschrift: Was wünschen Sie sich für Potsdam. Die Leute können Zettelchen mit ihren Wünschen hineinwerfen. Am Ende wollen wir mit den Zetteln eine große Collage machen, die öffentlich gezeigt werden soll.

Stört es Sie, dass Bahai manchmal von Außenstehenden als Sekte bezeichnet wird?

Towfigh: Das passiert manchmal, aber das sind meist Menschen, die sich nicht sehr viel mit Religion beschäftigt haben. Da es eine anerkannte Weltreligion ist, stört es mich gar nicht was andere Leute denken.

Von Ildiko Röd

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