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Weniger Arbeitslose – und weniger Fachkräfte

Erfolgsbilanz mit Makel Weniger Arbeitslose – und weniger Fachkräfte

Die Agentur für Arbeit Potsdam und das Jobcenter ziehen eine positive Bilanz: 2017 waren so wenig Menschen in der Region arbeitslos gemeldet wie seit der Wende nicht mehr. Dennoch besteht auch Grund zur Sorge: Der Arbeitsmarkt ist nahezu leer gefegt – Fachkräfte fehlen allerorten, nicht nur im hoch spezialisierten Bereich.

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Das Kongresshotel am Luftschiffhafen stellt sich auf den Fachkräftemangel eint und begrüßte am 1. August 2017 neue Azubis aus dem In- und Ausland.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. 2017 ist die Arbeitslosigkeit in der Landeshauptstadt und im Umland auf ein Rekordtief gesunken. Das gaben Ramona Schröder, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam, und Thomas Brincker, Geschäftsführer des Jobcenters der Landeshauptstadt, am Mittwoch bei einem Bilanzpressegespräch bekannt. „Wir haben ein sehr erfolgreiches Jahr hinter uns gebracht, von dem alle – auch Jugendliche, Ältere, Schwerbehinderte und Langzeitarbeitslose profitieren konnten“, sagte Schröder. „Doch wo so viel Licht einfällt, bildet sich natürlich auch ein Schatten.“

Fachkräftemangel mit schmerzhaften Nebenwirkungen

Der Fachkräftemangel ist laut Schröder längst kein abstraktes Phantom mehr: „Er ist ganz reell und mit teilweise schmerzhaften Nebenwirkungen in unserer Region angekommen.“ So würden Kindertagesstätten monatelang nach einer neuen Erzieherin suchen, viele Restaurants müssten mit einer viel zu dünnen Personaldecke durch die Saison kommen und wenn sich tatsächlich einmal ein Altenpfleger arbeitslos melde, könne er zwischen fünfzehn bis zwanzig Angeboten wählen. Fachkräfte fehlen laut Schröder aber auch „in Arbeitssegmenten, die nicht im High-End der fachlichen Spezialisierung“ liegen, etwa im Lager- und Logistikbereich.

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam, Ramona Schröder, und der Geschäftsführer des Jobcenters der Landeshaup

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam, Ramona Schröder, und der Geschäftsführer des Jobcenters der Landeshauptstadt, Thomas Brincker, bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2017.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Speeddating – unkonventionell, aber effektiv

Dem Fachkräftemangel zu begegnen, sei die große Herausforderung fürs Jahr 2018. Genau deshalb müsse flächendeckend ein Umdenken einsetzen: „Unternehmen müssen sich um Arbeitnehmer und Auszubildende bewerben, nicht umgekehrt“, fordert Schröder. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, Menschen einzustellen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht alle Voraussetzungen für den Job mitbringen. „Das Bewerberpotenzial wird immer kleiner und es kann keine neue Arbeitskraft gebacken werden“, so die Agenturchefin. Man wolle daher gezielte berufliche Qualifizierungsmaßnahmen in den Engpassbranchen stärken und das Arbeitskräftepotenzial unter Geflüchteten und Langzeitarbeitslosen heben, aber auch auf bisher noch unkonventionelle Maßnahmen setzen – beispielsweise aufs Speeddating. Zu so einem Termin lädt die Agentur sechs Arbeitgeberund zwölf Arbeitslose ein. Wie bei einer Singlebörse trifft man in kurzen Dialogen aufeinander. „Die Methode ist sehr effizient“, sagt Thomas Brincker. „Die Beteiligten knüpfen in sehr kurzer Zeit viele Kontakt. Die Arbeitgeber lernen die Menschen direkt kennen und nicht nur ihre Akte – wir haben schon öfter gehört, dass sie so Bewerber eingestellt haben, die beim bloßen Blick aufs Papier keine Chance gehabt hätten.“

Auch auf das neue Jahr blicken die Agenturleiterin und der Jobcenterchef zuversichtlich. „Wir erwarten keine Trendwende“, sagt Brincker. Man könne davon ausgehen, dass der Arbeitsmarkt sich auch 2018 robust zeigt und dass – vorausgesetzt die Rahmenbedingungen ändern sich nicht überraschend und grundlegend – auch die Arbeitslosigkeit weiter sinkt.

Die Zahlen für den Agenturbezirk, die Geschäftsstelle und die Stadt

Im Agenturbezirk Potsdam, zu dem neben der Landeshauptstadt auch die Kreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming sowie die Stadt Brandenburg an der Havel gehören, ist die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Jahr 2017 um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 5,8 Prozent gesunken. Das bedeutet: Im Jahresdurchschnitt waren 19 377 Personen arbeitslos gemeldet – 12,7 Prozent weniger als 2016 mit 22 190 Personen.

Im Geschäftsstellenbezirk Potsdam (mit Michendorf, Beelitz, Werder, Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf, Nuthetal) lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 5,0 Prozent (-0,7). Im Jahresdurchschnitt waren 8056 Personen arbeitslos (9164).

In der Stadt Potsdam lag die Arbeitslosenquote bei 6,0 Prozent (-0,7). Im Jahresdurchschnitt waren 5380 Menschen arbeitslos (5970).

Im Dezember 2017 ist die Arbeitslosigkeit im Potsdamer Raum leicht gestiegen. Eine Rolle spielen dabei saisonale Effekte und dass befristete Verträge häufig mit dem Kalenderjahr enden. Insgesamt waren im Geschäftsstellenbezirk 7598 Personen arbeitslos, 157 mehr als im November, aber 926 weniger als im Dezember ’16. nf

Von Nadine Fabian

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