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Wenn Wolfgang Joop Fleischfarbe braucht

Künstlerbedarf in Babelsberg Wenn Wolfgang Joop Fleischfarbe braucht

Stadtteilserie Babelsberg: Beim H & W Grafik- und Künstlerbedarf gibt es eine reiche Auswahl an Pinseln, Farben, Papier. Der Potsdamer Modedesigner Wolfgang Joop gehört zu den Stammkunden des bald 25 Jahre existierenden Ladens.

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Ladeninhaber Patrick Weiss hat ein breit gefächertes Sortiment an Pinseln, Farben und Papier aller Art.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Wenn Wolfgang Joop anruft und um eine „spezielle Fleischfarbe“ bittet, dann erfüllt ihm Patrick Weiss diesen Wunsch natürlich gern und mischt extra ein Töpfchen für den berühmten Modedesigner an. Joop, der mit Pinsel und Stift nicht nur traumschöne Kleider entwirft, sondern auch Bilder malt, gehört seit Jahren zu den Stammkunden des H&W Grafik- und Künstlerbedarfs.

Seit bald 25 Jahren stapelt sich in den Regalen in der Rudolf-Breitscheid-Straße 79 Zubehör, welches das kreative Herz erfreut. „Ich habe eigentlich alles da“, sagt der 48-jährige Weiss. Wer sich von der „speziellen Sortimentstiefe“ – die in Potsdam einmalig ist – vielleicht erstmal erschlagen fühlt, muss sich nicht grämen. Offenkundig hilfesuchende Kunden werden gefragt, auf welche Weise sie sich denn kreativ austoben wollen. Auf eine konkrete Aussage folgt alsdann ein freundliches Beratungsfeuerwerk des gelernten Schauwerbegestalters und Grafikdesigners.

Die Alles-ist-möglich-Aufbruchstimmung der Wendezeit elektrisierte auch Weiss, den es von Berlin-Steglitz nach Babelsberg zog. Zunächst wollte er – damals noch mit Geschäftspartnerin – große Plakate (beispielsweise für Baustellen) anfertigen oder die Erstausstattung für Firmen übernehmen. Doch plötzlich kamen immer mehr Privatkunden, die immer mehr Künstlerbedarf nachfragten. „Auf einmal explodierte das Sortiment“, erzählt Weiss. Auf 65 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es nun: Ölkreiden, Acrylfarben in Tuben oder Stiftform, Zeichentuschen, Marker mit Pinselspitze in 72 Farben, Layout-Marker in 204 Farben, Skizzenblöcke, Fotokartons, Aquarell- und Transparentpapier, Leime, Ton, Specksteine und, und, und. Die Liste ließe sich bandwurmartig verlängern. Wer bei Weiss nicht fündig wird, ist selbst schuld. Das Geschäft lockt Künstler, Mediendesigner sowie Architektur- und Szenografiestudenten an, die sich für ihre speziellen Arbeiten mit Modellbauplatten oder Knetmasse eindecken.

Zur Wissenschaft werden kann die Auswahl des richtigen Malinstruments. Ein Hinweis, den man sich merken kann: „Ein guter Pinsel verliert keine Haare und behält seine Form.“ Es muss ja nicht gleich der Ferrari unter den Pinseln sein. Weiss’ teuerstes Modell kostet 106 Euro – ein Aquarellpinsel aus Marderhaar. „Der hält ein Leben lang“, sagt der Geschäftsmann, der auch weitaus günstigere Pinsel offeriert: mit Kunsthaar oder Chinaborste, mit Rindsohrenhaar (toll für Aquarelle) oder Ziegenhaar (super für chinesische Kalligraphie) – in verschiedenen Formen und Größen. Made in Germany, hergestellt in Handarbeit.

Die Umgebung seines Ladens hat Weiss inspiriert. Er greift selbst zum Pinsel. Von den Pop-Art-Anfängen hat er sich verabschiedet, malt nun bevorzugt abstrakt. „Ich versuche, die Realität immer mehr aufzulösen. Es hat für mich keinen Sinn, Abbilder zu schaffen.“ Seine Arbeiten waren in einigen Potsdamer Ausstellungen zu sehen, eine Auswahl hängt momentan im Arbeitsgericht. Zu seinen Vorbildern zählt er die Malerstars Georg Baselitz, Jonathan Meese, Francis Bacon. In seiner Freizeit schraubt Weiss zudem gern an Oldtimern rum. Innerhalb von sieben Jahren hat er einen italienischen Mini Cooper, Baujahr ’74, wieder flott gemacht: „Alles in Handarbeit.“ Die Werkstatt befindet sich gleich hinter seinem Atelier. Seit bald zwei Jahrzehnten ist Weiss Babelsberger mit Leib und Seele. „Hier gibt es viel Nestwärme, man wird angelächelt. Nachmittags kommen Hortkinder vorbei und erzählen, was bei ihnen tagsüber so los war.“ Ins anonyme, unterkühlte Berlin sehnt sich Weiss nicht zurück. „Ich lebe im Bezirk des Lächelns“, sagt der Ladeninhaber – und lächelt.

Von Ricarda Nowak

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