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Wenn der Tod zum Leben gehört

Bornstedter Feld Wenn der Tod zum Leben gehört

Seit vier Jahren gibt es in Potsdam einen ambulanten Kinderhospizdienst. Die Björn-Schulz-Stiftung organisiert mit sechs Mitarbeitern Veranstaltungen und Betreuung für betroffene Familien und setzt sich auch für eine öffentliche Kommunikation ein. Dass sie ihre Türen zum Tag der Kinderhospizarbeit öffnen, war für Koordinatorin Katrin Lübbe deshalb selbstverständlich.

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Katrin Lübbe (r.) und Sarah Benz möchten, helfen betroffenen Familien in Potsdam.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Bornstedter Feld. Nicht alles ist traurig, im Arbeitsalltag von Katrin Lübbe und ihren fünf Kolleginnen in der Beratungsstelle der Björn-Schulz-Stiftung in Potsdam. Dabei vermuten die meisten Menschen genau das, wenn sie erfahren, was sie täglich leisten. Mehrere Stunden besucht Katrin Lübbe als Koordinatorin des ambulanten Kinderhospizdienstes von Montag bis Freitag Familien, in denen die Kinder an einer tödlichen Krankheit leiden. Zum gestrigen, deutschlandweiten Tag der Kinderhospizarbeit berichtete sie bei einem Tag der offenen Tür aus ihrem Arbeitsalltag, zu dem viel mehr gehört als die Beratung von betroffenen Familien nach der ersten Diagnose des Arztes.

Nicht nur die erkrankten Kinder stehen im Fokus

„Viele Familien begleiten wir über Jahre hinweg“, erklärt sie. Am Ende sterben die Kinder nicht immer, auch wenn das natürlich zum ambulanten Hospizdienst dazugehört. „Aber die Freude ist ebenfalls ein großer Teil unserer Arbeit“, fügt sie an. Davon zeugen die großen Fotografien mit lachenden und spielenden Geschwisterkindern, die während der Obstwiesen-Ferienwochen entstanden. Sie werden extra für die Schwestern und Brüder organisiert, die in der Familie oft neben dem erkrankten Kind in den Hintergrund treten. Die Freizeitwoche ist nur eine von vielen Veranstaltungen, die sich in den vier Jahren, seitdem die Beratungsstelle in der Georg-Hermann-Allee eröffnet wurde, etabliert haben.

Auch Projekte an Grundschulen und in Kitas gehören inzwischen dazu. Eine ganze Ausstellung ist dabei bereits entstanden. Haustiere, Umarmungen von den Eltern oder malerische Sonnenuntergänge sind auf den Zeichnungen zu sehen, die die Antworten auf den Titel der Ausstellung „Was tröstet dich, wenn du traurig bist?“ zeigen.

Beratungsstelle wünscht sich mehr Familienbetreuer

Andere, regelmäßige Veranstaltungen der Björn-Schulz-Stiftung in Potsdam sind Elternselbsthilfegruppen und Familienbegegnungstage, an denen vor allem die Erwachsenen ihre Erfahrungen austauschen können. Gestützt wird die Arbeit der Stiftung, die sich komplett aus Spenden finanziert, dabei in großen Teilen von Ehrenamtlern. Ein Jahr dauert die Ausbildung zum Familienbegleiter, die im Vorfeld absolviert werden muss. „Dabei lernen die Freiwilligen beispielsweise, wie man mit Familien, die in Krisen stecken, und der Angst der Kinder vor dem Tod umgeht“, erklärt Katrin Lübbe.

Insgesamt 55 solche Begleitpersonen gibt es derzeit in Brandenburg. Nur wenige von ihnen sind oder waren schon selbst von einer ähnlichen Situation betroffen. „Die Motivationen sind sehr unterschiedlich“, erklärt Katrin Lübbe, „einige nutzen es einfach als Ausgleich zur Arbeit.“

Eine dieser Trauerbgleiter ist Sarah Benz. Die Pädagogin und Musikerin setzt sich seit einem Jahr aber auch kreativ mit dem Tod auseinander. „Sarggeschichten“ nennt sich ihr Team, das drei- bis fünfminütige Kurzfilme dreht, die vor allem junge Menschen auf das Thema des Sterbens aufmerksam machen sollen. „Denn in einer Gesellschaft, die sich nicht mit dem Tod auseinandersetzt, fehlt etwas“, findet Sarah Benz. „Unseren Kindern nicht vom Tod zu erzählen, ist doch keine Lösung“, sagt sie weiter und erklärt in ihren Filmen deshalb, beispielsweise auch was ein Hospiz ist.

Die Björn-Schulz-Stiftung in Potsdam

Benannt wurde die Stiftung nach einem kleinen Jungen, der 1982 mit nur sieben Jahren an Leukämie starb. Seine Eltern gründeten im Jahr 1983 zunächst einen Verein für Kinderhilfe, der 1996 in die Björn-Schulz-Stiftung aufging.

Der ambulante Kinderhospizdienst der Stiftung feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Die Stiftung gründete schon im Jahr 1997 den deutschlandweit ersten ambulanten Kinderhospizdienst und hat heute Niederlassungen in Berlin, Brandenburg und Bayern.

Familienbegleiter werden wieder ab April 2017 ausgebildet. 130 Stunden umfasst die Ausbildung, die an Freitagen und Samstagen stattfindet. Ein Informationsabend für Interessierte ist für 1. März, 19 Uhr, in der Georg-Hermann-Straße 23-25 geplant.

Von Victoria Barnack

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