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Potsdam Wer hat’s gegründet? Die Schweizer
Lokales Potsdam Wer hat’s gegründet? Die Schweizer
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08:10 29.10.2016
Die Mitte des Kolonistendorfes: Emil Mauerhof auf der Kreuzung in Nattwerder. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Nattwerder

Es ist gar nicht so lange her, dass Emil Mauerhof (80) im Rathaus Rabatz gemacht hat. „Und zwar so richtig.“ Es hatte ihn glatt vom Hocker gehauen, als er seinen neuen Personalausweis abholte. Als Anschrift stand da: 14469 Potsdam, Ortsteil Grube. „Von Nattwerder keine Spur!“, sagt Emil Mauerhof. Doch so sehr er auch diskutierte, grollte und schmollte, so oft er auch auf den abgelaufenen Ausweis tippte, auf dem hinter „Ortsteil Grube“ noch „Gemeindeteil Nattwerder“ gestanden hatte – es half nichts. „Die haben mein Nattwerder einfach ausradiert.“

Emil Wilhelm Dietrich Mauerhof ist am 1. Oktober 1936 in Nattwerder geboren. Das immerhin ist noch amtlich. Ebenfalls verbrieft ist, dass der Landwirt direkter Nachfahre jener Schweizer ist, die 1685 der Offerte des Großen Kurfürsten folgten, ihre Heimatdörfer rund um Bern verließen und sich im Golmer Bruch ansiedelten. 14 Familien haben sich damals auf den Weg gemacht. 14 reisten mit dem Schiff über Rhein, Elbe und Havel an. Drei, darunter die Murhoffers, wie sich Emil Mauerhofs Ahnen noch schrieben, wählten den Landweg.

Ein Wegweiser in die alte Heimat steht mitten in Nattwerder. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Es ist verrückt, wie weit unsere Ahnentafel zurückreicht“, sagt Emil Mauerhof, der gewissermaßen ein Stück Dorfgeschichte ist. Klar, dass er da auch in jedem Atlas, der ihm unter die Finger kommt, erst einmal nachschaut, ob Nattwerder verzeichnet ist. „Wenn nicht“, sagt Ehefrau Gerda (77), „ist es für ihn kein Atlas.“

Auch für viele Potsdamer ist das winzige Kolonistendorf ein weißer Fleck auf der Landkarte. Hinter Bäumen und Wiesen verborgen, schmiegt sich Nattwerder im äußersten Westen der Gemarkung Potsdam an das Ufer der Wublitz. Das Dorf zählt kaum mehr als die vier historischen Schweizer-Höfe, das Kirchlein, das Prediger- und das Gesindehaus. Eine Hand voll Häuser ist zu DDR-Zeiten hinzugekommen. Auf 35 Einwohner bringt es Nattwerder. Zählt man das Einhaus – das einzelne Haus an der Wublitz-Brücke – mit, sind es 40. Zwölf davon sind Kinder.

„Wir kennen uns hier alle“, sagt Emil Mauerhof. „Und wir halten zusammen. In der Grillzeit sitzen wir jeden Freitag beieinander – immer auf einem anderen Hof.“ Und erst die Frühkartoffel-Ernte Anfang Juni! Emil Mauerhof kommt ins Schwärmen. „Dann gibt’s Pellkartoffeln mit Quark satt. Wir räumen Tische und Stühle vor unsere Häuser und laden Bekannte ein – die ganze Dorfstraße ist dann voll.“

Wer von Grube her kommt, erreicht Nattwerder durch einen grünen, jetzt im Herbst leuchtend gelben Tunnel. Hinter den Büschen und Bäumen verläuft zur einen Seite der Hochwasserschutzdeich, zur anderen ein Graben. „Weg der drei Wahlperioden“ nennt Emil Mauerhof den schnurgeraden Damm, der ein Stück weit asphaltiert und dann mit zweierlei Platten ausgelegt ist. Weil die Löcher im Weg zu DDR-Zeiten immer größer, die Bitten der Einwohner um Ausbesserung aber nicht erhört wurden, kündigten die kurzerhand an – Tyrannenschreck Wilhelm Tell lässt grüßen – , die Wahl zur Volkskammer zu boykottieren. Ein Unding! Der Plan aber ging auf. Der Weg wurde gemacht – allerdings nur ein Stückchen. Weitergebaut wurde erst, als sich das Dorf bei der nächsten Wahl erneut weigerte, zur Urne zu schreiten. „Den dritten Teil gab’s dann, als die Brücke über die Wublitz eröffnet wurde – von Manfred Stolpe und Matthias Platzeck persönlich“ erzählt Emil Mauerhof.

Ein Grabstein auf dem kleinen Kirchhof erinnert an den Schweizer Erbzinskolonisten Friedrich Mauerhof, den Großvater Emil Mauerhofs. Quelle: Bernd Gartenschläger

Viel hat er, der Dorfälteste, erlebt. Den frühen Verlust der beiden Brüder, von denen der eine, Friedrich, im Krieg blieb und der andere, Oskar, sich von der Gefangenschaft nicht mehr erholte und 1953 starb. Emil musste den Mauerhofschen Bauernhof übernehmen – dabei wäre er doch viel lieber Fleischer geworden! Es folgten die Kollektivierung der Landwirtschaft und der Druck, in eine LPG einzutreten. Als die nach der Wende wieder aufgelöst wurde, wagten Emil Mauerhof und seine Frau, die schon seit Mitte der 60er Gemüse anbaute und auf dem Bassinplatz in Potsdam verkaufte, den Sprung in die Selbstständigkeit.

Nun sind die letzten Landwirte von Nattwerder im Ruhestand. Sie haben auf dem Acker hinterm Haus eine Wiese angesät und pusseln nur noch für den Eigenbedarf. Langweilig wird’s Emil Mauerhof und seiner Gerda aber nicht, immerhin leben die älteste Tochter Kerstin, Enkel Toni und die Urenkel John und Jim – die 13. Schweizer-Generation – mit auf dem Hof. „Die heißen aber nicht Mauerhof, die heißen Anders“, feixt Emil Mauerhof. „Ein bisschen schade.“ Aber so oder so: die Geschichte der Schweizer in Nattwerder geht weiter.

Vier Höfe und ein Gotteshaus

Das „Natte Werder“ – die nasse Insel – wurde im Rahmen der „Repeuplierung“ durch den Großen Kurfürsten 1685 mit Schweizer Landwirten besiedelt. Das Dorf wurde einst auch Vierhäuser genannt, weil es zunächst aus lediglich vier Höfen bestand.

Die Schweizer Kolonisten erhielten auf Geheiß des Kurfürsten auch einen Prediger aus der Heimat und eine eigene Kirche. Geweiht wurde das kleine Gotteshaus am 16. November 1690, es ist die älteste genutzte Kirche Potsdams. Erst 1756 wurde das Pfarrhaus gebaut.

Von Nadine Fabian

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