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Potsdam Wer oder was ist die Mitte der Stadt?
Lokales Potsdam Wer oder was ist die Mitte der Stadt?
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08:45 19.04.2018
Podiumsdiskussion zur Mitte der Stadt Potsdam, Wer oder was ist die Mitte der Stadt?, Stadt der Zukunft, Reithalle, Hans-Otto-Theater, HOT Quelle: Peter Degener
Potsdam

„Wer oder was ist die Mitte der Stadt?“ Diese Frage wurde Montagabend in der Programmreihe „Stadt der Zukunft“ des Hans-Otto-Theaters in der Reithalle, die bis auf den Platz besetzt war, diskutiert.

Auf dem Podium: – FH-Präsident Eckehard Binas – Kunsthistorikerin und Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke – MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa – Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) – Kunsthistoriker und „Stadtmitte für alle“-Aktivist André Tomczak.

Potsdam, 16. April 2018 – Wer oder was ist die Mitte der Stadt? Dies haben am Montagabend in der voll besetzten Reithalle André Tomczak, Hannah Suppa, Bernd Rubelt, Saskia Hüneke und Eckehard Binas diskutiert.

Was ist Potsdams Aufgabe?

Bernd Rubelt: „Schönheit ist nicht der einzige Grund für die Stadtentwicklung.“

Hannah Suppa: „Schönheit reicht nicht für das Leben und den Alltag einer Stadt. Aufgabe ist es, das Wachstum der Stadt zu gestalten, damit Menschen mehr sagen, als dass sie nur schön ist.“

Eckehard Binas: „Es muss eine Definition geben, was Mitte ausmacht. Das sind nicht Bau und Verkehr allein, auch andere Dinge konstituieren die Mitte.“

Was ist spezifisch für Potsdam? Wo muss die Stadt aufpassen?

Bernd Rubelt: „Aus der Geschichte ergibt sich die Besonderheit der Stadt. Die Zeitschichten lassen sich am Stadtplan ablesen. Die deutsche Teilung ist hier noch an den Stadträndern spürbar.“

Saskia Hüneke: „Aus der spezifischen Lage am Rand Berlins sind wir einem erhöhten Entwicklungsdruck ausgesetzt. Wir müssen uns Mühe geben, nach der Sanierung der letzten 20 Jahre auch eine zweite Welle zu vertragen, eine weitergeführte Verdichtung. Die geht vielen Anwohnern nun zu weit. Wir müssen behutsam gucken, wo es noch weitergehen kann.“

Eckehard Binas: „Stadt hat einen unstillbaren Hunger nach Flächenverbrauch. Das Verhältnis von Kultur, Landschaft und Bauen ist möglicherweise schon problematisch. [...] Der Zuzug aus Ost und West hat eine Kultur der Auseinandersetzung erzeugt, die vielleicht beispielgebend ist. Wir müssen lernen, Konflikte zu benennen und Potsdam ist ein „Melting Pot“ (Schmelztiegel) für das vereinigte Deutschland. Das ist ein positiver Grundansatz, der aber auch Probleme birgt.“

Ist der Konflikt bei den Rekonstruktionen nur oberflächlich?

André Tomczak: „Die Architekturdiskussion in der Stadt berührt ganz viele Problempunkte. Uns geht es auch um Mitbestimmung und Nachhaltigkeit, also gesellschaftliche Fragen, die sich an der Architektur entzünden. [...] Was jetzt passiert in der Mitte geht weit an dem vorbei, was die Stadt eigentlich braucht - nämlich Orte, an denen Menschen in Begegnung kommen.“

Hannah Suppa: „Diese Debatte wurde auch außerhalb verfolgt. Auch in Hannover ging es um Rekonstruktionen. Was mich überrascht in Potsdam ist die Vehemenz, mit der die Debatte geführt wird. Es hat mich zunächst schockiert, wie scharf der Ton von allen Seiten ist.“

Gibt es nicht die Orte der Begegnung?

Bernd Rubelt: „Es gibt viele solche Räume in den Quartieren, aber es gibt auch den weitgefassten Wunsch, dies weiterzuentwickeln. Manche Quartiere haben größeren Bedarf. Da sei der Schlaatz genannt, auch der Stern, in Drewitz sind wir auf einem guten Weg. Doch auch in der Brandenburger Vorstadt wird Bedarf angemeldet, den wir im Bestand realisieren müssen. [...] Wichtig ist das Preisthema bei den Mieten - hier hat die Stadt viel getan, muss aber auch noch viel arbeiten. Wir brauchen gemischte Quartiere.“

Was soll die Mitte werden?

Saskia Hüneke:Potsdam hat ganz viele Mitten. Der Alte Markt wäre überfordert, dass diese alle dort repräsentiert werden können. Deshalb ist die Entwicklung dort nicht falsch.“

André Tomczak: „De Entwicklung dort berücksichtigt vieles nicht, was Sichtbarkeit braucht. [...] Räume, die nicht durchdefiniert sind, wo auch kommende Generationen etwas tun können - davon kann die Stadt nicht genug haben! [...] Niemand erwartet, dass diese Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, aber die Stadt ist in der Verantwortung, Räume für kommende Generationen bereitzuhalten.“

Eckehard Binas: „Bin seit sechs Jahren in der Stadt. Meine erste Erfahrung war, dass hier erst gemeckert und dann gefragt wird. [...] Städte, egal welcher Größe, werden von ihren Bürgern gemacht. Dafür brauchen sie Orte, an denen sie sich treffen und organisieren, sich streiten und Ideen entwickeln. Es kann sein, dass Potsdam an dieser Stelle Schwierigkeiten hat. [...] Hier wurde verengt auf die Geschichte und die Schönheit der Stadt gesetzt. Diese Verengung führt zu den heutigen heftigen Diskussionen.“

Wie denken Sie über das Minsk?

Hannah Suppa: „Es erscheint mir als Außenstehende als Wiedergutmachung, jetzt das Minsk zu erhalten. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Das Herz der Menschen, so mein Eindruck, hängt nicht so sehr am Minsk.“

Saskia Hüneke: „Städtebau ist abstrakt und beim Minsk ist es ein sinnvoller Kubus an dieser Stelle - wirkt neben dem Schwimmbad „blu“ geradezu zierlich. Es hat nichts mit Wiedergutmachung zu tun.“

André Tomczak: „Es ist eine unverhoffte Chance, in Teilen auch eine Beschwichtigung, um die Diskussion an anderer Stelle zu beruhigen“

Bernd Rubelt: „Zum Brauhausberg ist zu konstatieren, dass mit den Bürgern ausgehandelt wurde, dass dort das Schwimmbad entsteht. Der Standort des Minsk war jahrelang Teil des Wettbewerbs. Die aktuelle Diskussion um das Minsk kann feigenblattartig wirken. Das nun alles über den Haufen zu werfen, funktioniert nicht. Wir brauchen auch Verbindlichkeit in der Planung, um all diese städtebaulichen Aufgaben als Stadt zu leisten.“

Protest der Initiative „Stadtmitte für alle“. Quelle: Peter Degener

Protest von „Stadtmitte für alle“ vor der Reithalle

Vor dem Gebäude protestierte die Initiative „Stadtmitte für alle“ mit Transparenten. Axel Dierich von der Initiative sagte: „Wir haben auf dem Podium nur eine von sechs Stimmen. Das ist zu wenig, denn auf uns wird in der öffentlichen Debatte nicht eingegangen. Diese Veranstaltung dient nur der Legitimation einer Luxusdebatte um Luxusbauten“, so Dierich.

Von Peter Degener

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