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Potsdam Wer schreibt das deutsche „Game of Thrones“?
Lokales Potsdam Wer schreibt das deutsche „Game of Thrones“?
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00:17 21.04.2017
Die Mutter der Drachen: Die „Game of Thrones“-Figur Daenerys. Quelle: obs
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Potsdam

„Innen/ Restaurant – Nacht. Ein weißhaariger Mann im Smoking an einer festlichen Tafel, inmitten feiner Gesellschaft, schreit aus Leibeskräften. Urplötzlich und markerschütternd. Ein Geräusch, das Fauchen der Espressomaschine, hat alte Erinnerungen geweckt. Längst vergessene Bilder, aus einer anderen Zeit. Szenenwechsel. 75 Jahre zuvor...“

So könnte eine Serie beginnen. Wie man ein Drehbuch für dieses Format richtig schreibt, wollen Heiko Martens und Oliver Schütte ab dem 12. Mai vermitteln. Dann startet im Filmhaus Babelsberg die erste Staffel eines neuen Lehrgang: das Serien-Lab.

Selbst wer gut erzählen kann, muss das Serienschreiben lernen

„Wir befinden uns in einer spannenden Zeit, was das Geschichtenerzählen angeht“, sagt Oliver Schütte. Qualitätsvolle, fiktionale Serien erfreuen sich einer Beliebtheit wie nie zuvor. Private US-amerikanische Anbieter wie Netflix, Amazon, HBO und AMC, aber auch die britische BBC haben gezeigt, wie es geht. Die Investition in herausragende Schauspieler und Regisseure, in aufwendige Ausstattung und Filmtechnik und nicht zuletzt in gute Drehbuchautoren hat Serien wie „Die Sopranos“, „Breaking Bad“, „Sherlock“, „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ – um nur die bekanntesten zu nennen – zu großen Erfolgen verholfen. Dieser Trend zum „horizontalen Erzählen“ soll auch in Deutschland Fuß fassen, wünscht sich Schütte. „Dazu bedarf es einer Ausbildung“, sagt der freischaffende Autor, Dramaturg und Produzent. Selbst wenn jemand über große erzählerische Kraft verfüge, müsse er lernen, diese dem Serienformat entsprechend zu kanalisieren. „Das gab es in dieser Form bisher noch nicht.“

Auf der Suche nach Serien-Tätern: Dozent Heiko Martens (l.) und Filmhaus-Geschäftsführer Andreas Westphal. Quelle: Marcel Kirf

Monatliche Schulungen und Haussaufgaben inklusive

Den Ablauf des Seminars haben die beiden Dozenten zusammen mit Andreas Westphal konzipiert. Der Geschäftsführer des Filmhauses Babelsberg hatte die Idee zum neuen Kurs. „Eine Mischung aus Writers’ Room, Schreibwerkstatt und Stoffentwicklungslabor“ soll es werden, erklärt Heiko Martens. Wie Schütte ist er als freier Autor, Dramaturg und Lehrender tätig. Bis in den Januar hinein erfahren die Kurs-Teilnehmer an jeweils zwei Tagen im Monat Grundlegendes. Um im Serien-Jargon zu bleiben, haben Martens und seine Kollegen diese Sitzungen „Episoden“ genannt und ihnen genreübliche Titel gegeben, wie „Pilot“, „Kick Off“, „Showrunner“ oder „Finale & Cliffhanger“. Darin wird es um Erzählstrukturen gehen, um das Erschaffen von realistischen Figuren, aber auch um die aktuelle Marktsituation und in welcher Form das fertige Konzept zu präsentieren ist. In Gruppen- und Einzelgesprächen können die Serien-Stoffe entwickelt werden. Das kompakte theoretische Wissen, das in den monatlichen Schulungen vermittelt wird, muss in verschiedenen Hausaufgaben anschließend umgesetzt werden. Hinzu kommen Übungen wie das Schreiben von neuen Episoden für eine bereits erfolgreich laufende Serie.

Die Weiterbildung kostet einen mittleren vierstelligen Betrag

Das Angebot richtet sich in erster Linie an professionellen Schreiber. „Auch sollten Teilnehmer eine Idee mitbringen, die bereits eine gewisse Gestaltungshöhe hat, an der man aber noch arbeiten kann“, sagt Martens, „ich meine damit ein Treatment oder ein Exposé, das man ohne Scham einem Produzenten vorlegen könnte.“ Bis zu 15 Personen dürfen dabei sein. Die offizielle Anmeldefrist ist zwar bereits verstrichen, aber im Laufe des Aprils nehme man noch Bewerbungen an, so Andreas Westphal vom Filmhaus. Entschieden, wer kommen darf, wird dann allein nach der Qualität der Einreichungen. „Nicht-Profis würde ich nicht grundsätzlich ausschließen“, ergänzt Martens. Aber potenziellen Seminaristen würde gehörig der Kopf gewaschen und das Tempo sei sehr hoch. „Wer sich das zutraut, ist herzlich willkommen.“ Hobby-Schreiber dürfte aber noch ein weiterer Punkt abschrecken: die Kosten. Die berufliche Weiterbildung schlägt mit einem mittleren vierstelligen Betrag zu Buche. Dafür versprechen die Macher, dass Serien-Lab-Absolventen am Ende ein marktfähiges Konzept in Händen halten, mit Produzenten in Kontakt gekommen sind oder zumindest vermittelt bekommen haben, wie sie diesen Weg selbstständig gehen können.

Filmhaus Babelsberg

Seit 2009 bietet das Filmhaus Babelsberg unter dem Motto „Von der Branche für die Branche“ berufliche Weiterbildung in der Film- und Medienindustrie an.

Für Stoffentwicklung, Schauspiel, Dokumentarfilm und jetzt auf für Serien werden Lehrgänge angeboten. Das geschieht in Kooperation mit Partnereinrichtungen in Köln und München.

Außerdem kann man sich ausbilden lassen: zum Filmgeschäftsführer, Cutter, Regieassistenten, Produktionsleiter und Fiction-Producer. Am Ende dieser Kurse kann eine qualifizierende IHK-Prüfung abgelegt werden.

Früher befand sich das Filmhaus im Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ), heute ist es Teil des Mediencampus an der Großbeerenstraße, zu dem auch das Filmgymnasium gehört. mck

Von Marcel Kirf

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