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Wider die geschlossene Gesellschaft

Potsdam Wider die geschlossene Gesellschaft

Beim dritten Vernetzungstreffen für ehren- und hauptamtliche Helfer in der Flüchtlingsarbeit gab es Austausch und Diskussionen. Vieles läuft gut, vieles läuft weniger gut. In der Debatte um die Willkommenskultur in der Stadt waren sich Diskutanten und Zuhörer einig: Die Zivilgesellschaft muss standhaft und offen bleiben.

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Katrin Golz (l.) und Diana Gonzalez Olivo im Gespräch mit Carsten Bock und Sina Moradi von der LGBTI-Initiative „Katte“. 

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Bei dem dritten Vernetzungstreffen von ehren- und hauptamtlichen Helfern in der Geflüchtetenarbeit gab es am Samstag viel Austausch und Diskussion. Vertreter der Stadt und zahlreicher Initiativen kamen im Hauptgebäude der Fachhochschule zusammen und sprachen darüber, wie es um die Vernetzung unter den Initiativen und um die Willkommenskultur in Potsdam steht. Ein Fazit war, dass das Netzwerk unter den Initiativen mittlerweile recht gut funktioniert, die Zusammenarbeit mit den Behörden aber nach wie vor schwierig ist.

Zu Beginn gaben Jörg Bindheim, Flüchtlingskoordinator der Stadt, Thea Djawid, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte sowie Jessica Eilers und Fouad Slimani, Integrationsbegleiter, einen Überblick über aktuelle Projekte in der Stadt. Djawid ist zudem als Bildungskoordinatorin eine neue Ansprechpartnerin auf Seiten der Stadt. Sie kümmert sich vor allem um die Möglichkeiten, Deutsch zu lernen und hilft bei Fragen zur Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen. In der Diskussion mit ihr kamen aus dem Publikum erwartungsgemäß kritische Töne. Viele Zuhörer und ihre betreuten Geflüchteten haben bei diesen Themen schlechte Erfahrungen gemacht.

Potsdamer Geflüchtet in Zahlen

Derzeit leben 1370 Geflüchtete in Potsdam. 2017 kamen bisher 360 in die Landeshauptstadt. Sie sind in 15 Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Die letzte, mit insgesamt 64 Plätzen, wurde Anfang November in der Marquardter Chaussee eröffnet.

Die meisten der Neupotsdamer sind über 17 Jahre alt und reisen allein. 42 Prozent von ihnen sind Frauen. Die Zahl der Menschen aus Kamerun, die nach Potsdam kommen, ist gewachsen. Warum das so ist, lässt sich derzeit nicht beantworten.

In der Diskussion um die Frage, ob die Willkommenskultur in Gefahr sei waren die Teilnehmer auf dem Podium nicht immer einer Meinung. So sagte Bernhard Fricke, Flüchtlingspfarrer in der evangelischen Kirche, dass die Willkommenskultur zwar in Gefahr sei, es aber an den Bürgern liege, ob dies so bleibe. „Es gibt eine Gegenbewegung, die der Meinung ist, dass wir eine geschlossene und keine offene Gesellschaft sind. Da sind zum Beispiel Pogida und AfD die prominentesten Vertreter.“ Marco Reinert sagte dagegen, dass die Zivilgesellschaft im Vergleich zu den 1990er Jahre stabiler sei und dass der Staat anders reagiere. „Dennoch ist zu beobachten, dass Täter, die Gemeinschaftsunterkünfte angreifen, vermehrt vorher nicht politisch motiviert straffällig gewesen waren. Das Klima hat sich einfach deutlich verschärft.“ Fricke bestätigte das und warf auch den großen Volksparteien vor, sich an jener rechten Gegenbewegung zu orientieren. „Nichts anderes passiert ja gerade in den Koalitionsverhandlungen, wenn darüber diskutiert wird, ob der Familiennachzug um zwei weitere Jahre ausgesetzt werden soll.“

Am Ende sagte Katrin Golz, Koordinatorin der Neuen Nachbarschaft: „Die Willkommenskultur ist solange nicht in Gefahr, wie wir miteinander reden und auch andere Meinungen zu lassen. Und vor allem müssen wir die Geflüchteten noch mehr einbinden.“

Von Annika Jensen

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