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Wie das Rauchverbot zur Normalität wurde

Gastronomie in Potsdam Wie das Rauchverbot zur Normalität wurde

Die Diskussion um das „Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens in der Öffentlichkeit“ schlugen vor zehn Jahren auch in Potsdam hohe Wellen. Mittlerweile haben viele einstige Kritiker ihre Meinung geändert.

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Wer in Potsdams Gaststätten rauchen will, muss in den meisten Fällen vor die Tür.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Das befürchtete Kneipensterben ist ausgeblieben. Die Bilanz zehn Jahre nach dem Beschluss der Regierung zum Nichtraucherschutzgesetz fällt in Potsdams Lokalen fast durchweg positiv aus. Gequalmt wird nur noch in separaten Räumen oder vor der Tür. Die Raucher stört das heute kaum noch, berichten die Gastronomen.

Rauchverbot schlug sich finanziell kaum nieder

Doreen Pietsch, stellvertretende Geschäftsführerin im Alex in der Wilhelmgalerie, bezeichnet das Rauchverbot inzwischen sogar als Normalität. „Man hat sich daran gewöhnt“, erklärt sie. Kurz nach der Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes zum 1. Januar 2008 hatte man im Alex noch von Einbußen in Höhe von 15 Prozent gesprochen. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt. Finanziell sei das Rauchverbot nicht mehr spürbar.

Das bestätigt auch Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Land Brandenburg (Dehoga). „Die Gästezahlen belegen keinen Abbruch“, sagte er mit Blick auf die heutigen wirtschaftlichen Zahlen des Gewerbes. Dass das Rauchverbot einigen Lokalen auch Umsatzeinbußen bescherte, die in Einzelfällen sogar zu Schließungen führten, verschweigt er dennoch nicht. „Das Rauchverbot war in diesen Fällen aber sicherlich nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, erklärte er.

Unerwartete, positive Nebeneffekte

Trotz des anfänglichen Unmuts über die Bevormundung der Gastronomen lobt Lücke die Entwicklung, die das Nichtrauchendenschutzgesetz mit sich brachte. „Es ist für alle Beteiligten angenehmer“, so Lücke. Auch Doreen Pietsch empfindet das genauso, obwohl sie selbst Raucherin ist. „Die Luft ist besser und das Arbeiten angenehmer“, sagt sie.

Für viele Betreiber von Restaurants, Bars und Kneipen kommt ein weiterer positiver Nebeneffekt hinzu: „Die Tischwäsche und Gardinen stinken heute nicht mehr nach Rauch“, berichtete Gastronom Gottfried Specker, der nun weniger Geld für die teure Reinigung einkalkulieren muss.

Kundenflucht kurz nach Gesetzesumsetzung

So rosig wie heute fiel das erste Urteil kurz nach der Umsetzung des Gesetzes jedoch nicht aus. Viele Gastronomen erinnern sich noch immer daran, wie schwer es war, vor allem den Stammkunden das Rauchen im Gastraum zu verbieten. „Die Geselligkeit ging verloren“, erinnert sich Specker. „Kunden sind nach dem Essen aus dem Restaurant geflüchtet.“ Fast zwei Jahre dauerte es bis wieder Normalität einkehrte. Das Gesetz hinterging der Potsdamer allerdings nicht – im Gegensatz zu einigen schwarzen Schafen, die es auch heute noch gibt.

Auch die Stadt Potsdam zieht positive Bilanz

Dass sich nicht alle sofort an das Gesetz halten würden, war auch dem Potsdamer Ordnungsamt klar, das deshalb in der Anfangsphase der Umsetzung des Gesetzes verstärkt Kontrollen durchführte. „Bürgerhinweise auf Verstöße gegen das Gesetz gehen heute nur noch selten ein“, heißt es von Seiten der Stadt, „höchstens fünf im Jahr.“

2016 wurden bei mehr als 120 Kontrollen im Gaststättengewerbe Potsdams zwei Verwarnungen ohne Verwarnungsgeld ausgesprochen und fünf Ordnungswidrigkeitenverfahren zur Ahndung an die Bußgeldstelle der Landeshauptstadt abgegeben. „Es lässt sich somit sagen, dass sich die Mehrheit der Potsdamer Gastwirte an das Gesetz halten“, so die Stadt.

Ausnahmen vom Rauchverbot in Gaststätten

Kleiner als 75 Quadratmeter muss eine Gaststätte sein, um vom Gesetz befreit zu werden. Ferner darf kein abgetrennter Nebengastraum vorhanden sein. Diese Regelung ist vor allem für kleine Lokale im ländlichen Raum eine Unterstützung.

Zubereitete Speisen dürfen Wirte in den Räumen nicht anbieten. Außerdem muss Minderjährigen der Zutritt in den Gastraum verwehrt bleiben. Die Ausnahmen traten im Juli 2008 in Kraft.

Von Victoria Barnack

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