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Potsdam Wie gehts weiter in Potsdams neuer alter Mitte?
Lokales Potsdam Wie gehts weiter in Potsdams neuer alter Mitte?
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16:49 28.11.2017
Anstelle der FH: So könnten die Wohnblöcke III und IV neben dem Landtag aussehen.   Quelle: simulation: Pro Potsdam
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Innenstadt

 Die Verfechter und die Gegner der „Konkretisierung des Leitbautenkonzepts“ – so der offizielle Titel für den Fachhochschul-Abriss samt anschließendem Bau der Wohnblöcke III und IV – trafen gestern Abend bei einer Bürgerversammlung zusammen. Diese fand, passend zum heiß umkämpften Thema, in einem heißen Hörsaal der Fachhochschule statt.

Auf dem Podium saßen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sowie Stadtplanungschef Andreas Goetzmann und Sanierungsträger-Chef Bert Nicke, in dessen Zuständigkeit die Zukunft des FH-Areals fällt. Eines stellte Jakobs klar: Eine Ausschreibung der Grundstücke für die Blöcke III und IV durch die kommunale Pro Potsdam wird es erst nach der Befassung der Stadtverordneten mit dem Bürgerbegehren in der Sitzung am 14. September geben. Wie berichtet, wendet sich das Begehren gegen die Verwendung städtischer Gelder für den Abriss der FH, des Staudenhof-Wohnblocks und des Mercure-Hotels. Am Mittwoch werden die Unterschriften übergeben. Danach folgt die rechtliche Prüfung. Im September werden die Stadtverordneten das Begehren ablehnen oder annehmen. „Es bleibt abzuwarten, zu welcher Entscheidung wir dann kommen“, sagte Jakobs.

Konkrete Defizite in der neuen alten Mitte

In der Diskussion ging es dann oft um konkrete Defizite, die die Menschen in der neuen alten Mitte bewegen. „Es gibt keine Bäume am Alten Markt und in der Humboldtstraße – an einem heißen Tag ist der Platz leer“, beklagte die Inhaberin eines Schmuckgeschäfts in der Humboldtstraße. Dasselbe Problem drohe in den neuen Quartieren. Goetzmann erklärte das fehlende Grün mit denkmalrechtlichen Bedenken: Wo es früher keine Bäume gab, gibt es heute auch keine. „Aber früher gab es keinen Klimawandel“, parierte die Frau.

 Zum Top-Aufregerthema mauserte sich auch ein Manko, das in mehreren Wortmeldungen beklagt wurde: Fehlende Kapazitäten im Wissensspeicher am Platz der Einheit, wo die Bibliothek untergebracht ist. Hier würden Magazinräume fehlen – eine mögliche Erweiterungsoption wäre die FH. „Das höre ich heute zum ersten Mal, dass die Räumlichkeiten nicht ausreichen“, sagte Jakobs. Sollte es tatsächlich Erweiterungsbedarf geben, könnte man aber das oberste Stockwerk des Hauses nutzen. SPD-Fraktionsvize Pete Heuer sekundierte dem Oberbürgermeister: Von einer Raumnot im Wissensspeicher habe er nie gehört.

Zum Alltag in den Blöcken III und IV hieß es am Freitag: Die vier Tiefgaragen bleiben privat. Parkplätze sollen rar bleiben, um den Verkehr möglichst draußen zu halten.

Forderung nach Moratorium lässt Debatte hochkochen

Im Gegensatz zur Bebauung an der Alten Fahrt sollen die Gebäudeentwürfe in den neuen Quartieren vor der Vertragsunterzeichnung öffentlich gemacht werden, sagte Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke: „Am besten online.“ Eine breite Diskussion über die Entwürfe sei aber dann nicht mehr möglich.

Inhaltlich kochte die Debatte hoch, als Bürgerbegehren-Mitinitiator Steffen Pfrogner ein Moratorium für die Entwicklung des Gebiets forderte. Der Grund: Seit den ersten Beschlüssen zur Mitte seien 25 Jahre vergangen – also eine ganze Generation. Jakobs reagierte ungehalten: „Wenn man Beschlüsse herbeigeführt hat, dann kann man nicht sagen: ,Da sind jetzt andere Leute, das geht nicht mehr.’ So funktioniert das nicht.“ Zudem habe es in all den Jahren auch Bürgerbeteiligung gegeben.

Zu diesem Zeitpunkt verließ Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg wutschnaubend den Saal: „Ich kann Jakobs’ Geschwafel über Bürgerbeteiligung nicht mehr hören“, sagte er. „Ausgerechnet er hat doch eine Einwohnerversammlung noch vor Beschlussfassung zum Leitbautenkonzept Anfang Juni verhindert.“

Von Ildiko Röd

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