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Potsdam Wie kinderfreundlich ist Potsdam? Familien erzählen
Lokales Potsdam Wie kinderfreundlich ist Potsdam? Familien erzählen
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22:35 18.10.2017
Spielplätze wie hier in Potsdam-West hat die Landeshauptstadt genug zu bieten. Quelle: Gartenschläger
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Potsdam

Kinderfreundlichkeit hoch sechs: Alexandra Schmee erfährt im Alltag vielfach, wie gut oder schlecht es sich mit Kindern in Potsdam lebt. Die 33-Jährige hat sechs Kinder im Alter von sieben Monaten bis 14 Jahren. Die Namen aller beginnen mit dem Buchstaben A. Die jüngste, Alina, schlummert schnullernuckelnd im Kinderwagen. Vorne im Doppelwagen sitzt die knapp zweijährige Amilia, während Amy (3), Angeli (6) und Anthony (8) auf dem elektrischen Schaukeltier vor dem Supermarkt in der Straße Am Teufelssee herumturnen. Das macht sogar Spaß, ohne dass die Eltern einen Euro einwerfen.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Vorjahr lebten 29 464 Minderjährige in Potsdam. Am Donnerstag bekommt die Landeshauptstadt das Unicef-Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ verliehen. Ist das aus Sicht von Familien wie den Schmees gerechtfertigt?

„Wir sind zufrieden“, sagt Hauswirtschafterin Alexandra Schmee, die in Teilzeit arbeitet. „Hier in der Waldstadt gibt es viele Spielplätze für die Kinder“, sagt die sechsfache Mutter, um dann aber hinzuzufügen: „Die könnten sauberer sein, oft liegen Glasscherben herum und die Spielgeräte sind alt.“ Der achtjährige Anthony meint: „Ein Trampolin auf dem Spielplatz wäre toll.“ Größeres Manko: Eine bezahlbare Wohnung für eine Großfamilie zu finden, sei extrem schwer. Selbst ihre Vier-Raum-Wohnung in der Waldstadt, die eigentlich zu klein sei für so viele Personen, sei relativ teuer. Vater Ralph Koch hat noch einen Kritikpunkt: „In den Bussen und in der Tram geht es gar nicht kinderfreundlich zu“, beschwert sich der Vater. Seine Frau sei mit dem Doppelkinderwagen einmal aus dem Bus verwiesen, ein anderes Mal gleich stehengelassen worden.

roßfamilie aus der Waldstadt: Ralph Koch und Alexandra Schmee mit Amy (3), Anthony (8), Angeli (6) und Baby Alina. Insgesamt sind es sechs Kinder. Quelle: Marion Kaufmann

Zum Nahverkehr hätten auch die beiden alleinerziehenden Mütter, die vor dem Waldstadt Center stehen, Verbesserungsvorschläge. „Ich habe keinen Führerschein und derzeit auch keinen Job. Wenn ich mit den Kindern in der Tram unterwegs bin, um mal rauszukommen aus der Waldstadt, geht das ins Geld“, erzählt die 31-jährige Mutter zweier Töchter. Ihre ebenfalls alleinerziehende Freundin pflichtet ihr bei: „Kostenloses Bus- und Bahnfahren bis 16 und nicht nur bis sechs, das wäre kinderfreundlich.“

Gerade für Alleinerziehende und Großfamilien sei es auch in Potsdam nicht immer leicht, sagt Christoph Olschewski, Leiter des Kinderprojekts Arche in Drewitz. „Es gibt zwar viele Angebote, aber oft verbunden mit stattlichen Eintrittspreisen.“ Täglich rund 70 Kinder nutzen das kostenlose Angebot der Arche, die ein Mittagessen, aber auch Hausaufgabenhilfe, Workshops und ein offenes Ohr für Kinder bietet. Ohne Spenden und Ehrenamtler, die immer gesucht werden, wäre die Arche nicht aufrechtzuerhalten, sagt Olschewski. Aber gerade, weil es so viele Engagierte gibt, würde er Potsdam in puncto Kinderfreundlichkeit ein gutes Zeugnis ausstellen. Als Vater zweier Kinder teilt der 37-Jährige aber auch die negative Erfahrung einiger Eltern: „Die Kitasituation ist Chaos pur.“ Er verstehe nicht, warum die Stadt das Anmeldesystem nicht vereinfacht. „Eltern melden sich bei verschiedenen Kitas an und am Ende hat keiner den Überblick, welche Plätze tatsächlich gebraucht werden und welche frei sind.“

Ekaterina Mielczarek mit Sohn Marty auf der Freundschaftsinsel. Quelle: Marion Kaufmann

Ekaterina Mielczarek hatte keine Probleme, einen Kitaplatz für Marty (2,5) zu finden. Er besucht den deutsch-russischen Kindergarten „Stadt der Meister“ in Babelsberg. Auch das ist eben Potsdam, meint Mutter Ekaterina: Es gibt besondere Angebote wie dieses mit zweisprachigen Erziehern. Die Vielfalt sei toll, auch bei den Spielplätzen. In Babelsberg wohne es sich gut, aber Mutter und Sohn gehen auch gerne auf die Freundschaftsinsel. „Wegen der Abwechslung“, sagt die angehende Lehrerin. Lange Wartezeiten beim Kinderarzt – das sei eigentlich das Einzige, was sie in Sachen Kinderfreundlichkeit zu bemängeln habe.

Unicef und das Kinderhilfswerk vergeben das Siegel

Bundesweit können sich Städte um die Auszeichnung „Kinderfreundliche Kommune“ bewerben, die Unicef Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk vergeben.

Mit dem Vorhaben soll die UN-Kinderrechtskonvention lokal umgesetzt werden. Um das Siegel zu bekommen, muss eine Kommune zum Beispiel Maßnahmen beschließen, die Bildung gewährleisten, gute Wohn-, Umwelt- und Mobilitätsbedingungen sicherstellen, Zugang zu Spiel- und Freizeitmöglichkeiten schaffen und Partizipation in Form eines Jugendparlaments- oder -büros ermöglichen.

Potsdam war seit Herbst 2014 im mehrjährigen Zertifizierungsverfahren. In Brandenburg trägt bislang nur Senftenberg das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“.

Von Marion Kaufmann

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