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Potsdam Wie man in Potsdam die Olympischen Spiele 1936 erlebte
Lokales Potsdam Wie man in Potsdam die Olympischen Spiele 1936 erlebte
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19:36 31.07.2016
Am 1. August 1936 eröffnete Adolf Hitler die Olympischen Spiele in Berlin.. Quelle: imago sportfotodienst
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Potsdam/Berlin

Es ist kein „Führerwetter“ an diesem 1. August 1936, dem Eröffnungstag der Olympischen Spiele in Berlin. Die Stimmung im Stadion ist aber ungetrübt, frenetisch. 120 000 Menschen jubeln, als um 16 Uhr der Fackelläufer das olympische Feuer entzündet. Nach außen nutzt das NS-Regime den Anlass, Deutschland als vermeintlich weltoffenes Land zu präsentieren und den Nationalsozialismus propagandistisch aufzuwerten. Es sollen Spiele von nicht gekannten Ausmaßen werden: „Die größten, die die Welt je gesehen hat!“, tönen die Zeitungen.

Auch in Potsdam konnte man die Wettkämpfe miterleben – und zwar bereits vor dem Fernseher. Allerdings war das Vergnügen vor dem 18 mal 22 Zentimeter großen Bildschirm nur einer verschwindend kleinen Zahl von Menschen vergönnt. In einer öffentlichen Fernsehstube drängelten sich die Menschen, um einen Blick auf das Programm des Fernsehsenders „Paul Nipkow“ zu erhaschen. „In Berlin gab es 25 solcher Stuben, in Leipzig zwei und in Potsdam eine“, berichtet der Historiker Thomas Sander. Der genaue Standort der Stube ist heute aber umstritten.

In den Annalen von 1936 findet sich Potsdam zwar nicht als Wettbewerbsort. Hinter den Kulissen spielten die ehemalige Residenzstadt und ihr Umland aber eine durchaus tragende Rolle. Davon legt ein in schlichtes schwarzes Leder gebundenes Buch Zeugnis ab. Es ist das frühere Gästebuch des Kempinski-Schloßhotels Marquardt: „Dort gab es insgesamt vier Treffen von hochrangigen Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees mit den deutschen Gastgebern“, erzählt Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam-Museums.

Fördervereinschef Markus Wicke mit der Speisekarte des Kempinski-Schloßhotels Marquardt. Quelle: Bernd Gartenschläger

In den Monaten März, April und Juni 1935 gab sich die Prominenz der Olympischen Szene in der Kempiniski-Dependance mit Seeblick die Ehre. Sogar der belgische Graf Henri de Baillet-Latour, damals Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, war angereist. Andere Mitglieder stammten aus Ungarn, Litauen, Bulgarien, Frankreich. Von deutscher Seite nahm Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten teil. Mit dabei war auch der unglückliche Hauptmann Wolfgang Fürstner, für den der Traum von Olympia zum Alptraum wurde. Der Sportfunktionär fungierte als Vize-Kommandant des Olympischen Dorfes. „Zu Beginn der Spiele waren Gerüchte aufgekommen, Fürstner sei ein ,Vierteljude’“, so Wicke. „Tatsächlich war Fürstners Großvater väterlicherseits ein zum Christentum konvertierter Jude. Drei Tage nach der Schlussfeier der Spiele erschoss sich Fürstner – nachdem er zuvor noch mit dem Olympia-Ehrenzeichen I. Klasse ausgezeichnet worden war.“ Für Wicke ist das Gästebuch, dessen Ankauf über Spenden refinanziert werden soll, mehr als bloß „eine Ansammlung von Autographen, sondern ein wichtiges historisches Dokument“.

Im Stadtschloss saß das Olympia-Quartieramt


Im Vorfeld der Spiele 1936 gab es in Potsdam ein „Olympia-Verkehrs- und Quartieramt“, das seinen Sitz im Stadtschloss am Alten Markt hatte.

Der Fremdenverkehrsverein errichtete neben dem Bahnhof während der Spiele ein Extra-Gebäude, um die ankommenden Besucher zu informieren.

Der Luisenplatz wurde umgestaltet. Die Fläche erhielt eine Pflasterung, damit die Kraftfahrzeughalter eine Parkmöglichkeit hatten. Der Platz galt als Eingangsbereich nach Sanssouci. Das Schloss zählte zu den Publikumsmagneten der Touristen, die nur wenige Jahre nach Ende der Monarchie noch gerne auf Friedrichs Spuren wandelten.

Das Gästebuch des Kempinski-Hotels und die Speisekarte sollen laut Fördervereinschef Markus Wicke bald dem Potsdam-Museum übergeben werden.

Bei ihren Arbeitstreffen am Schlänitz-See ließen es sich die Olympia-Oberen gut gehen bei „Krebsschwänzchen mit Emmkasauce“ oder „Jungem Täubchen in Brühe“. Natürlich zeigte man sich in Zeiten von Olympia international: Die Gerichte standen auch auf Französisch und Englisch auf der Karte, die sich heute ebenfalls im Besitz des Fördervereins befindet. Ein Spender aus Teltow hat sie bei einer Auktion ersteigert.

Krebsschwänzchen und junge Täubchen: Die Speisekarte des Schloßhotels in Marquardt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von den Tagesausflüglern aus Berlin profitierte auch die märkische Metropole. „An einem Sonntag während der Spiele wurden 43 000 Stück Eisenbahnfahrkarten zwischen Potsdam und Berlin verkauft“, erzählt Hannes Wittenberg vom Potsdam-Museum. Die Besucher kamen aber nicht nur, um Sanssouci, die neugestaltete Freundschaftsinsel oder die kürzlich eingeweihte Freitreppe vom Palast Barberini zum Havelufer zu sehen. Potsdam war fast eine Pilgerstätte. Grund war der „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933, an dem in der Garnisonkirche der Festakt zur Eröffnung des Reichstags stattfand. Berühmt wurde das Foto mit dem Hitler-Hindenburg-Handschlag. „Der Fremdenverkehrsverein vermarktete die Stadt als ,Geburtsstätte des Dritten Reiches“, berichtet Wittenberg. Diese Interpretation der Ereignisse sei zwar „maßlos übertrieben gewesen“, doch die Werbestrategie erwies sich als durchschlagskräftig.

Stadtoberhaupt Hans Friedrichs griff zur Feder, um die Bürger durch einen Zeitungsartikel auf Kurs zu bringen: „Gewerbe und Fremdenverkehr werden auf Jahre hinaus umso mehr Gewinn von der Olympia 1936 haben, je stimmungsvoller und gepflegter unsere Straßen, Häuser, Gastwirtschaften und Plätze sich zeigen.“ Und: „Olympia-Dienst ist Dienst an Deutschland, weil ein zunehmendes Verständnis der Ausländer für das Adolf-Hitler-Deutschland geeignet ist, Brücken zwischen Deutschland und der Welt zu schlagen.“

Mit den Olympischen Spielen versuchte Hitler, die hässliche Fratze des Regimes hinter schönen, publikumswirksamen Bildern zu verstecken. Quelle: imago sportfotodienst

Friedrichs warnte die Bürger, Abzocke zu betreiben. Weil Berlin nicht imstande sei, den Quartierbedarf der Ausländer – „geschweige denn der deutschen Volksgenossen“ – zu decken, müsste nun Potsdam aushelfen. 2000 bis 4000 Betten benötige man aus Privathand. Friedrichs, mahnend: „Begreiflicherweise wird Wert darauf gelegt, dass die Ausländer – bei uns sollen es vorzugsweise Amerikaner sein – nicht das Gefühl mit nach Hause nehmen, dass die Deutschen statt Gastfreundschaft Gewinnsucht gezeigt hätten.“ Deshalb solle man nur drei Reichsmark je Bett und Nacht nehmen – aber: „ausschließlich Morgenkaffee“.

Von Ildiko Röd

Nach sechs Jahrzehnten im Berufsleben geht Horst Girnt, in Potsdam ein Synonym für Unterhaltungselektronik und Service, in den Ruhestand. Die 60 Jahre wollte der gelernte Rundfunkmechaniker voll machen – „das war mein Wunschtraum“. Girnt eröffnete seine erste Werkstatt am 1. August 1956 in der Friedrich-Ebert-Straße.

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