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Potsdam Wie sieht es eigentlich im Pompei aus?
Lokales Potsdam Wie sieht es eigentlich im Pompei aus?
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21:06 04.03.2016
Franz Friedrich Prinz von Preußen (l.) und Theodor Tantzen. Quelle: Köster
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Innenstadt

Otto-Normal-Wohner muss die Lage seines Domizils ja oft mit Sätzen beschreiben wie „Gleich hinter der Tankstelle und dann vorbei an der Schnellstraßenausfahrt und danach im Windschatten von der Schallschutzwand gleich um die Ecke von Aldi.“ Oder so ähnlich.

Wer jedoch die Adresse Humboldtstraße 3 oder 4 hat, der muss bei der Wohnorterklärung nicht viele Worte machen: „Direkt gegenüber vom Landtag am Ufer der Havel.“ Hier stehen sie: die Palazzi Chiericati und Pompei. Ihre Vorgängerbauten wurden im Krieg zerstört, aber die Fassaden der Neubauten hat man bis aufs I-Tüpfelchen wieder original rekonstruiert. Wer an so einem prominenten Platz Eigentum besitzen will, darf natürlich keinen allzu klammen Geldbeutel mitbringen. 5200 Euro pro Quadratmeter müssen Käufer von Wohnungen berappen.

Eingang des Palazzo Chiericati in der Humboldtstraße. Links davon der Palazzo Pompei. Quelle: Köster

Wie es hinter den figuren- und säulengeschmückten Mauern aussieht, konnte man am Freitag erleben. Eingeladen hatte die Prinz von Preußen Grundbesitz AG (PvP), die in einem Konsortium mit dem Baukonzern Kondor Wessels die benachbarten Palazzi errichtet hat. Schon mal vorneweg: Goldene Türknäufe und brillantene Duschköpfe waren nirgends zu entdecken. Dafür kann man Postkarten-Panoramen genießen, etwa wenn man im Gartenhaus „Riva Vista“ direkt an der künftigen Havel-Uferpromenade logiert. Da kann man dann vom Wohnzimmer aus den Blick direkt über die Freundschaftsinsel schweifen lassen. Nicht ganz so pittoresk sind die Ausblicke zum Innenhof mit dem kleinen Kinderspielbereich.

Die Wohnungen – von 60 bis 200 Quadratmeter – gehen meist weg wie die warmen Croissants: 20 der 23 Wohnungen sind schon verkauft. Auch die vier Gewerbeeinheiten haben ihre Käufer gefunden. In einem Laden residiert schon ein Juwelier. Spektakulär: Teilweise sind die Räume in den Palazzi im Wohnbereich 4,5 Meter hoch!

Blick in den Innenhof der beiden Palazzi. Ganz rechts sieht man eine Seitenwand des künftigen Museum Barberini. Quelle: Köster

Bei den Wohnungen haben Interessenten aus dem ganzen Bundesgebiet zugegriffen – der Großteil als Anlageobjekte. Auch ein schwedischer Investor hat sich hier eine Zweitwohnung zulegt. Zwei Aspekte sind Trumpf bei den Interessenten: „Zum einen ist es die Berlin-Nähe; zum anderen ist es der Wunsch, eine Immobilie im historischen Kern zu besitzen“, analysierte „Prinz von Preußen“-Vorstandsmitglied Theodor Tantzen die Käufer-Lust. Auch auf Bauherren-Seite war die Liebe zum historischen Potsdam ein gewichtiges Argument, um 13 Millionen Euro in die zwei Palazzi und das „Riva Vista“ zu investieren. „Wir haben uns nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen für das Projekt entschieden, sondern auch aus kulturell-historischen“, so Tantzen. Es handle sich um eine „Herzensangelegenheit“.

Detail der historisch originalgetreuen Fassade am Palazzo Chiericati. Quelle: Köster

Die Prinz von Preußen Grundbesitz AG – der Potsdamer Hohenzollern-Spross Franz Friedrich Prinz von Preußen sitzt im Aufsichtsrat – hat sich dem Motto „Eine Zukunft für unsere Vergangenheit“ verschrieben. So hält man es auch bei den beiden Palazzi. Trotz der hohen Quadratmeterpreise sei das Bauen dort nicht wirtschaftlich, erläutert Tantzen. Das liegt an den Ausgaben für die Tiefgarage und an den immensen Kosten für die Fassade: „Jede Figur und jeder Pilaster ist handgefertigt. Das würde man bei einem Renditeobjekt nicht machen.“

Blick ins Treppenhaus. Quelle: Köster

Auch bei der weiteren Entwicklung der Potsdamer Mitte könnte die Prinz von Preußen Grundbesitz AG wieder mit dabei sein. In absehbarer Zeit soll die alte Fachhochschule abgerissen werden. Wie berichtet, soll sie im Laufe des Jahres 2017 leergezogen werden. Nach dem Abriss werden ihrer Stelle – so ist der aktuelle Planungsstand – zwei Karrees mit Wohnungen, Läden, Büros und Gastronomie entstehen. Beim Bieterverfahren für Investoren sei es „durchaus denkbar“, dass sich die Prinz von Preußen Grundbesitz AG beteiligt, sagte Tantzen.

Von Ildiko Röd

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