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Wie surreale Welten entstehen

Ausstellung im Filmmuseum Wie surreale Welten entstehen

Für das Tätigkeitsfeld des Szenografen gibt es viele fast synonyme Begriffe wie Production Designer, Filmarchitekt, Szenenbildner. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie erschaffen Welten. Keine andere deutsche Filmhochschule hat einen so umfassenden Szenenbild-Studiengang wie die Filmuni Babelsberg. Im Potsdamer Filmmuseum zeigen Studenten ihre Projekte.

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Angelica Böhm (l.) mit ihren Szenografie-Studenten Kristina Kozlova, Jonathan Saal und Fanny Welz.

Quelle: Filmmuseum

Potsdam. Ein Schaufelbagger, mit dem man Krokant abbauen kann. Ein rundes Flugobjekt, ausgestattet mit langen Zungen, um Kinder einzufangen und sie dann auf eine Bohrinsel zu fliegen. Eine Suchmaschine aus Metall mit großem Trichter, die es möglich macht, verlorene Dinge aufzuspüren. Die kleinen handlichen Modelle haben Studenten der Szenografie an der Filmuniversität Babelsberg entworfen und mit viel Liebe zum Detail gebaut. „Zwei bis drei Monate sind wir damit beschäftigt“, erzählt Fanny Welz. Sie gehört zu den Studenten, die in einer kleinen, aber feinen Foyerausstellung im Potsdamer Filmmuseum zeigen, wie vielschichtig und spannend es ist, surreale Welten zu erfinden. Experimentierfreude, Mut und Fantasie sind da gefragt, aber nicht nur das. Vor allem muss man gut zeichnen können und dramaturgisch denken. Schließlich soll am Ende ein Film herauskommen und nicht nur ein Bild oder eine Installation. Das ist auch der Grund, warum Fanny Welz Szenografie studiert und nicht Bildende Kunst.

Neben den Modellen sind auch großformatige, farbenprächtige Gemälde zu sehen, die nach einer Idee der Szenografie-Professorin Angelica Böhm entstanden: Die Studenten sollten sich eine Insel vorstellen, auf der es früher ein Forschungslabor sowie einen Vergnügungspark gab. Welches Szenario könnte sich nun dort abspielen? Elisabeth Kozerski ließ sich für ihr Bild „Casino“ von der Atomeuphorie in den 1950er Jahren inspirieren. Auf dem Testgelände in Nevada wurden zahlreiche Kernwaffentests durchgeführt, die Pilzwolken waren teilweise bis nach Las Vegas sichtbar und übten eine bizarre Faszination auf die Menschen aus. Die Glücksspielindustrie profitierte, Casinos eröffneten und warben erfolgreich mit der Nähe zum Testgelände. Auf dem Bild sieht man einen Mann am Roulette in einer düsteren Umgebung. In dem kurzen Filmclip, der nach der digitalen Bearbeitung des Bildes entstand, steigen dann die beängstigenden Pilzwolken empor. Heiterer geht es bei Caspar Frey zu, der sich überlegte, wie kommt man hin und wieder fort von der Insel. Sein quietschgelbes, sehr abenteuerlich aussehendes Flugzeug taucht rasant aus den Wellen auf und schwebt gen Himmel. Marie Thon hat sich einen dickbäuchigen Fisch ausgedacht, der sich als Maschine entpuppt, als die Kamera auf ein Auge zoomt: Im Inneren ist ein Mensch zu erkennen.

Die Schau gibt einen schönen Einblick in die Ideenwelten von Szenografen, deren Kunst oft nicht gewürdigt wird, vor allem, wenn es um zeitgenössische, realistische Filme geht. Dabei sind sie besonders schwer auszustatten. „Jeder weiß, wie es aussieht und Fehler fallen sofort auf“, meint Fanny Welz. Wir sehen einen Raum und erfahren sogleich eine Menge über die Person, die in ihm lebt. Ist sie chaotisch oder strukturiert und klar? Arm oder vermögend? Was hängt an den Wänden? Spiegeln sich im Raum Sehnsüchte und Ängste? Mit nur wenigen Requisiten erschaffen Szenografen im besten Fall ganze Seelenlandschaften. Surreale Szenarien zu erschaffen sei aus ihrer Sicht leichter, weil man der Fantasie freien Lauf lassen könne.

Die Schau „Welt erfinden. Durch die Brille der Szenografie.“ wird am Donnerstag um 17 Uhr im Potsdamer Filmmuseum eröffnet. Zu sehen ist sie bis 18. Mai Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr bis zum Ende der Kinovorführung.

Von Claudia Palma

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