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Wildwuchs-Festival voller Erfolg

Hans-Otto-Theater Potsdam Wildwuchs-Festival voller Erfolg

Das 5. Wildwuchs-Festival des Hans-Otto-Theaters und der Berliner Universität der Künste begeisterte das Publikum mit politisch-skurrilen Inszenierungen. Die fast ausverkaufte Reithalle in der Schiffbauergasse war am Samstagabend der würdige Ort für die 5. Wildwuchsausgabe – nach dem Finale tobte der Saal.

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Im Stück „Prismar“ zofft sich ein FKK-Verein mit Politikern und Flüchtlingen.

Quelle: HOT/Anne Heinlein

Schiffbauergasse. Die fast ausverkaufte Reithalle in der Schiffbauergasse war am Samstagabend der würdige Ort für die 5. Wildwuchsausgabe, dem gemeinsamen Festivalprojekt des Hans-Otto-Theaters und der Universität der Künste Berlin. Dieses Forum von Nachwuchsautoren zog auch in diesem Jahr vor allem jüngere Zuschauer an. Dabei fungierte der renommierte Schriftsteller und Dramatiker John von Düffel als eine Art Moderator der drei Festivalbeiträge. Die von ihm jeweils mit einem Autorengespräch eingeleiteten drei kleinen Werkstattinszenierungen waren das Ergebnis zweiwöchiger Proben von Schauspielstudenten der UdK und Schauspielern des Hans-Otto-Theaters.

Dass weniger oft mehr ist, bewies der fürs Bühnenbild und die Kostüme verantwortliche Matthias Müller. Er wandelte den Mangel an Dekorationen und Kostümen mit seiner Lust am Improvisieren zu einer beeindruckenden Herausforderung an die bildnerische Vorstellungskraft. Den Regisseuren und Schauspielern wiederum merkte man an, wie auch sie die Herausforderung eines bühnentechnischen Provisoriums als kreative Chance begriffen.

Ein FKK-Verein zofft sich mit Politikern

Der Auftakt „Prismar – Eine Stadt am Rande des Grundgesetzes“ fiel schon insofern aus dem Rahmen, als er ein Gemeinschaftsprodukt des 13. Jahrgangs für szenisches Schreiben der UdK war. Stellvertretend für die fünf Autoren stellten sich Sophia Hembeck und Franziska vom Heede der Frage von Düffels, ob es denn schwer gewesen sei, ein Stück über das Grundgesetz zu schreiben. Die jungen Damen bekannten, dass ihre anfängliche Furcht vor dem Gesetzestext bald der Lust wich, möglichst viele Absurditäten in der fiktiven mecklenburgischen Provinzstadt Prismar abzuladen. Das Ergebnis war ein schräges Zwitterwesen aus Theater und Kabarett, bei dem die Konflikte um die geplante Nutzung einer ehemaligen Künstlervilla als Flüchtlingsunterkunft bis in das Groteske gesteigert werden. Partikularinteressen von Bürgerschaft, Verwaltung, Politik, einem ortsansässigen FKK-Verein sowie den 40 Flüchtlingen werden grundgesetzkonform beleuchtet. Dabei konnten die Besucher nicht nur gealterte, überdimensionierte Geschlechtsteile bestaunen, sondern sogar die hysterischen Badestrand-Stänkereien der AfD- Chefin Frauke Petry mit ihrem Lebensgefährten Marcus Pretzell hautnah erleben.

Auch der zweite Beitrag „Feige und Bananenbox“, sparte nicht mit Skurrilitäten. Rinus Silzle kam mit seinem Dialog-Feuerwerk bei wechselnden Paarkonstellationen und noch zügiger wechselnden Handy-Eigentumsrechten gut an und wie schon beim ersten Beitrag war die Begeisterung im Saal entsprechend groß. Lars Werners Festivalbeitrag „Ankommen – Umfallen“ handelt von einer Art Ménage à trois, bei der sich erst im Laufe des Stückes der verdeckte Dreieckscharakter dieser Beziehung herausstellt. Martin, Andrea und ihr Hund besuchen Oliver, einen alten Kumpel aus Martins wilden Tagen, den es nach St. Brieuc in Frankreich verschlagen hat. Werners tiefenscharfe Dialogvorgaben nutzten die drei Darsteller zu einem manchmal hintergründig und dann wieder wie entfesselt wirkenden Charakterspiel. Nach dem überraschend explosiven Finale tobte der Saal.

Von Lothar Krone

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