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Willkommen bei den Nachbarn vom Lande

Zu Hause in... den nördlichen Ortsteilen Willkommen bei den Nachbarn vom Lande

Potsdams ländliche Ortsteile haben viel zu bieten: Ruhe und Natur, aber auch die Nähe zur Stadt. Wie es sich lebt auf dem Dorf und wie man es sich dort noch schöner machen kann, zeigt Nadine Held aus Marquardt. Als sie vor 13 Jahren in den Ort zog, fehlte ihr „ein wenig mehr Leben“. Heute mischt sie im Kultur- und Heimatverein Wublitztal mit und steht für die neue Dorf-Generation.

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Nadine und Mathias Held leben seit 13 Jahren in Marquardt. Mit den Töchtern Alina (13), Marle (6) und Neele (10) streifen sie gern durch den Schlosspark – immer mit dabei: Hundedame Medy.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Marquardt. Mit Anfang/Mitte Zwanzig zieht es viele in die großen, angesagten Städte. Nach Berlin in erster Linie. Vielleicht sogar nach London, Barcelona, nach New York. Als Nadine Held Anfang/Mitte Zwanzig war, zog es sie nach Marquardt an der Wublitz.

13 Jahre ist das nun her und Marquardt, meint Nadine Held, war damals nicht das Marquardt, das wir heute kennen. „Marquardt war damals noch sehr viel kleiner, überschaubarer und auch beschaulicher.“ Als sie in den Ort kam, war Potsdam gerade dabei, sich die bis dato selbstständige Gemeinde im Zuge der Brandenburgischen Gemeindegebietsreform einzuverleiben. Die Landeshauptstadt machte Marquardt im Herbst 2003 – ebenso Fahrland, Neu Fahrland, Satzkorn, Uetz-Paaren, Golm und Groß Glienicke – zu einem ihrer Ortsteile. Das war nicht unumstritten, doch heute steht die Kirche noch immer im Dorf und die Feuerwehr besorgt wie eh und je den Lampionumzug zum Martinstag.

Die Marquardter sind keine Potsdamer geworden

Allerdings: „Die Marquardter sind Marquardter geblieben und keine Potsdamer geworden“, sagt Nadine Held. Sie muss es wissen, immerhin ist sie „die Königin von Marquardt“, wie es im Dorf so schön heißt. Sie mischt mit, wo sich mitmischen lässt und prägt mit ihrer Verve, ihren Ideen und ihrer Fröhlichkeit das gesellschaftliche Leben wie kaum jemand anderes.

Die Vereinsmeierei ist Nadine Held in die Wiege gelegt worden. Sie ist in Paaren im Glien, einem der umtriebigsten Dörfer des Havellandes, aufgewachsen. Als sie mit ihrem Mann – „Er stammt aus Potsdam und wir wollten in der Nähe bleiben“ – das schmucke Häuschen gebaut hatte und die erste Tochter auf die Welt gekommen war, stellte Nadine Held plötzlich fest, dass ihr „ein bisschen mehr Leben“ in Marquardt fehlt. „Ich habe geschaut, wo ich aktiv werden und mitreden kann: Was lag da näher als der Kita-Förderverein?“ Von dort aus ging’s zum Chor und weiter in den Kultur- und Heimatverein Wublitztal, wo sie stellvertretende Vorsitzende ist.

Einmal im Monat veranstaltet der Verein ein richtig großes Ding

Dieser Verein lässt Marquardt aus dem Reigen der Nord-Dörfer herausstechen. Mindestens einmal im Monat stellt er ein richtig großes Ding auf die Beine: den Kinosommer und Jazz im Park, die inzwischen legendäre Kaffeetafel und das Mittsommerfest, die Märchenwoche und den Adventsmarkt. All diese Einladungen nehmen längst auch die Nachbarn an, selbst Potsdamer und Berliner kommen.

Mehr Leben – das hat der Verein geschafft. Doch zufrieden ist „die Königin“ noch lange nicht. Gerade macht ihr die Jugend Sorgen. Kita, Grundschule, Spielplätze, der Schlosspark, der See: „Für Kinder ist es in Marquardt wunderbar“, sagt Nadine Held. „Aber was ist, wenn unsere Kinder älter werden? – Was fehlt, ist ein Raum, ein Treffpunkt, ein Unterschlupf. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit jetzt auf die Jugend lenken und die Kräfte bündeln. Man kann so viel erreichen, wenn man gemeinsam für eine Sache streitet.“ Für wen Nadine Held streitet, ist klar: Für ihre Familie. Ohne deren Rückhalt, sagt sie, hätte sie nicht die Motivation, sich so für Marquardt einzusetzen.

Jung, selbstbewusst, geschäftig – die neue Generation auf dem Dorf

Nadine Held – 37 Jahre, medizinisch-technische Radiologieassistentin, Mutter dreier Töchter – steht stellvertretend für die neue Generation in den aufstrebenden Potsdamer Dörfern. Diese Generation ist jung, selbstbewusst und geschäftig. Vor allem aber ist sie gekommen, um zu bleiben – auch wenn nicht alles top ist in den ländlichen Ortsteilen, wie die jüngste Umfrage der MAZ zeigt. Dabei haben sich etliche Bewohner der Potsdamer Nord-Lande zum Leben auf den Dörfern geäußert. „Ich wohne gerne in meinem Ortsteil“ – das haben die meisten angekreuzt. Viele schätzen die Ruhe und die Nähe zur Natur. „Felder, Wiesen, Wälder – sehr schön“, hat jemanden auf einen der Umfragezettel notiert. „Mir gefällt, dass man sich hier vom Alltagsstress erholen kann“, steht auf einem anderen. Oft ist von guter Nachbarschaft zu lesen. Und dennoch hagelte es ordentlich Kritik.

Vor allem die Erreichbarkeit der ländlichen Wohngegenden und die Möglichkeit, sich dort mit den Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen, kommen nicht gut weg. Wer auf dem Land lebt, ist Einschränkungen gewohnt – das räumten zwar viele der Befragten im selben Atemzug ein. Dennoch zeigt die Umfrage ganz deutlich: Ob Satzkorn, Fahrland oder Neu Fahrland – ein ansprechender Supermarkt muss her. Sehr viele wünschen sich zudem eine Apotheke im Ort, einen Arzt, gern auch wieder ein Gasthaus oder Café. Es würden zwar immer mehr Wohnungen gebaut, heißt es, die Infrastruktur aber nicht angepasst: „Der Bauboom sprengt alle Grenzen.“

Ohne Auto ist der Alltag kaum zu bewältigen

Die Erreichbarkeit ihrer Dörfer schätzen die Befragten als schlecht bis mittelmäßig ein. Ohne Auto sei der Alltag kaum zu bewältigen. Dass Bus und Bahn öfter fahren sollen, steht für die Bewohner der ländlichen Gefilde außer Frage.

All diese Probleme kennt auch Nadine Held. „Wir haben in Marquardt keinen Friseur, keinen Bäcker, keinen Supermarkt. So lange man arbeitet und aus dem Ort rauskommt, ist das nicht so schlimm.“ Aber Nadine Held wäre nicht Nadine Held, wenn sie nicht weiter denken würde. „Leider ist jedes Dorf ein Völkchen für sich. Wenn wir Ortsteile des Nordens stärker zusammenhalten würden, würden wir mehr erreichen.“

Marquardt

1172 Einwohner zählt Marquardt (Stand 2014), darunter sind 17 Ausländer.

Das Durchschnittsalter liegt bei 43,5 Jahren.

Der Kinderanteil liegt bei 11,7 Prozent und damit in etwa im Potsdamer Durchschnitt von 11,9 Prozent. Es gibt eine Kindertagesstätte mit 262 Plätzen und eine Grundschule mit 224 Schülern.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt bei 38,9 Quadratmeter. Es gibt 197 Single-Haushalte, 220 Zwei-Personen-Haushalte, 100 Drei-Personen-Haushalte und 61 Haushalte mit vier und mehr Personen.

Politik: Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lag bei 42,8 Prozent. Stärkste Kraft war mit 25,0 Prozente die Linke, gefolgt von der SPD mit 24,9 Prozent und der CDU/ANW mit 24,4 Prozent.

Der Ortsbeirat mit fünf Sitzen wird besetzt von der Kommunalen Wählergemeinschaft (KWG, 3), von der SPD (1) und der ANW (1). Ortsvorsteherin ist Ramona Kleber (KWG).

Neu Fahrland

1563 Einwohner zählt Neu Fahrland (Stand 2014). Darunter sind 36 Ausländer.

Das Durchschnittsalter liegt bei 43,9 Jahren.

Der Kinderanteil liegt mit 12,9 Prozent ein wenig über dem Potsdamer Durchschnitt von 11,9 Prozent. Es gibt eine Kindertagesstätte mit 102 Plätzen, aber keine Grundschule im Ort.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt bei 35,4 Quadratmeter. Es gibt 218 Singlehaushalte, 277 Zwei-Personen-Haushalte, 125 Drei-Personen-Haushalte und 104 Haushalte mit vier und mehr Personen.

Politik: Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lage bei 44,9 Prozent. Stärkste Kraft war mit 27,8 Prozent das Bürgerbündnis, gefolgt von der SPD mit 20,3 Prozent, der CDU/ANW mit 17,2 Prozent und der Linken mit 14,1 Prozent.

Der Ortsbeirat mit fünf Sitzen ist vom Bürgerbündnis (4) und der SPD (1) besetzt. Ortsvorsteherin ist Carmen Klockow (Bürgerbündnis).

Fahrland

3866 Einwohner zählt Fahrland (Stand 2014). Darunter sind 163 Ausländer.

Das Durchschnittsalter liegt bei 41,2 Jahren.

Der Kinderanteil liegt bei 12,4 Prozent und damit über dem Potsdamer Durchschnitt von 11,9 Prozent. Es gibt zwei Kindertagesstätten mit 275 Plätzen und eine Grundschule mit 248 Schülern.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt bei 37,4 Quadratmeter. Es gibt 745 Single-Haushalte, 682 Zwei-Personen-Haushalte, 308 Drei-Personen-Haushalte und 212 Haushalte mit vier und mehr Personen.

Politik: Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lag bei 37,1 Prozent. Stärkste Kraft war mit 29,8 Prozent die SPD, gefolgt von der CDU/ANW mit 19,9 Prozent, der Linken mit 14,8 Prozent und den Grünen mit 13,4 Prozent.

Der Ortsbeirat mit neun Sitzen ist besetzt von der SPD (4), den Grünen (2), der CDU (2) und der Linken (1). Ortsvorsteher ist Claus Wartenberg (SPD).

Satzkorn

425 Einwohner zählt Satzkorn (Stand 2014). Darunter sind zwölf Ausländer.

Das Durchschnittsalter liegt bei 46,0 Jahren.

Der Kinderanteil liegt bei 8,2 Prozent und damit deutlich unter dem Potsdamer Durchschnitt von 11,9 Prozent. Es gibt keine Kindertagesstätte und keine Grundschule im Ort.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt bei 43,7 Quadratmeter. Es gibt 54 Single-Haushalte, 94 Zwei-Personen-Haushalte, 34 Drei-Personen-Haushalte und 20 Haushalte mit vier und mehr Personen.

Politik: Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lag bei 55,5 Prozent. Stärkste Kraft war mit 28,3 Prozent die SPD, gefolgt von der Linken mit 20,0 Prozent, der CDU/ANW mit 17,4 Prozent und den Grünen mit 11,0 Prozent.

Der Ortsbeirat mit drei Sitzen ist besetzt von der SPD (2) und der ANW (1). Ortsvorsteher ist Dieter Spira (SPD).

Uetz-Paaren

437 Einwohner zählt Uetz-Paaren (Stand 2014). Darunter sind acht Ausländer.

Das Durchschnittsalter liegt bei 41,4 Jahren.

Der Kinderanteil liegt bei 11,7 Prozent und damit in etwa im Potsdamer Durchschnitt von 11,9 Prozent. Es gibt keine Kindertagesstätte und keine Grundschule.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt bei 36,9 Quadratmeter. Es gibt 40 Single-Haushalte, 67 Zwei-Personen-Haushalte, 44 Drei-Personen-Haushalte und 31 Haushalte mit vier und mehr Personen.

Politik: Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lag bei 61,8 Prozent. Stärkste Kraft war mit 49,3 Prozent die CDU/ANW, gefolgt von der Linken mit 12,4 Prozent, der SPD mit 10,6 Prozent und der AfD mit 7,8 Prozent.

Der Ortsbeirat mit drei Sitzen wird komplett von der ANW gestellt. Ortsvorsteher ist Eckhard Fuchs (ANW).

Krampnitz

Krampnitz ist ein Teil von Fahrland und vor allem durch die Jahrzehnte währende militärische Nutzung bekannt. Im Jahr 1960 wurden die damalige Kolonie Krampnitz nach Fahrland eingemeindet.

Auf Flächen zwischen dem Fahrländer- und dem Krampnitzsee wurde 1936 mit der Planung und 1937 mit dem Bau der Kasernenanlage für die Heeres-, Reit- und Fahrschule begonnen. Grund für deren Ansiedlung war unter anderem die Nähe zum Truppenübungsplatz Döberitz.

Ab 1945 und bis zu ihrem Abzug 1994 nutzte die Sowjetarmee das Gelände, das seither brach liegt, zu großen Teilen unter Denkmalschutz steht und hin und wieder vom Filmstudio Babelsberg als Kulisse genutzt wird. Unter anderem wurden in Krampnitz Szenen für Enemy at the Gates, Resident Evil, Mein Führer, Inglourious Basterds, Effi Briest und Monuments Men gedreht.

Ein Masterplan sieht vor, Krampnitz zu einen neuen Stadtteil für rund 4000 Menschen zu entwickeln. Das Jahr 2025 als bisheriger Zieltermin für die Fertigstellung des neuen Viertels ist wegen diverser Verzögerungen allerdings nicht mehr zu halten.

Kartzow

Kartzow gehört zu Fahrland, wohin es am 1. Januar 1974 eingemeindet wurde. Die erste schriftliche Erwähnung als Pfarrdorf Cartzow geht auf das Jahr 1357 zurück.

Bekannt ist Kartzow vor allem für sein aus einem Rittergut hervorgegangen Schloss, das der Berliner Schnapsfabrikant Arthur Gilka 1912 im neobarockem Stil errichten ließ. Das Schloss ist einer der wenigen Bauten von Eugen Schmohl, Architekt der Borsigvilla und des Borsigturms, im Land Brandenburg.

Das Schloss diente nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Unterkunft für Heimatvertriebene. 1949 wurde es Kindergenesungsheim der Volkssolidarität; von 1974 bis 1984 war es Kinderheim und bis 1996 Sanatorium für nierenkranke Kinder.

Nach Jahren des Leerstands und aufwendiger Restaurierung wurde das Schloss 2007 Außenstelle des Potsdamer Standesamtes. Neben Hochzeiten finden dort Konzerte, Messen und Tagungen statt. Restaurant und Hotel haben ganzjährige geöffnet.

 

Von Nadine Fabian

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