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Potsdam Willkommen in Potsdams wildester Schule!
Lokales Potsdam Willkommen in Potsdams wildester Schule!
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07:30 11.05.2016
Ilka Simm-Schönholz mit einem drei Wochen alten Kauz. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Waldstadt

Wenn Kinder Birken für Zebrabäume halten und vor Libellen schreiend Reißaus nehmen, weil sie meinen, ein Außerirdischer jage ihnen nach... Wenn ein Fuchs unter der Badewanne in einer Großstadtwohnung haust und Dohlen in den Wellensittich-Käfig gesteckt werden... – dann ist das ein Fall für Ilka Simm-Schönholz. Sie ist die gute Fee des Waldes, der im Potsdamer Süden direkt hinter den Plattenbauten beginnt. Dort, wo man meint, dieser Wald wäre sieben Tage tief ( so still und so friedlich, so einsam ist es plötzlich jenseits der tosenden Heinrich-Mann-Allee), dort liegt hoch oben auf dem Großen Ravensberg versteckt hinter dichtem Grün das Waldhaus – und das ist für Ilka Simm-Schönholz mehr als nur ein Arbeitsplatz, es ist ihr Lebenswerk.

Auch Waschbären leben in der Waldhaus-WG. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wer das schwere Tor aufstemmt, wird sogleich begrüßt. Krähen flattern in ihren Volieren auf und schlagen Alarm, ein Eichelhäher kreischt sein „Krrschä, krrschä“ und ein Pfau stimmt alles übertönend ein, so dass die Waschbären Zorro und Camilla vor Schreck ihre angebissenen Äpfel in die Wasserschale vor sich plumpsen lassen. Vorbei ist die Waldeinsamkeit! Willkommen in Potsdams wildester Schule!

Gegründet hat diese Schule für Umweltbildung und Waldpädagogik die Lehrerin Ilka Simm-Schönholz gemeinsam mit ihrem Mann, dem Jäger Joachim Schönholz, und der vielen noch als Leiterin der Teltower Kita „Anne Frank“ bekannte Pädagogin Sabine Hintze. 1999 haben sie, „drei Verrückte“, wie Ilka Simm-Schönholz sagt, den Verein „Wald-Jagd-Natur-Erlebnis“ gegründet, um gegen das anzugehen, was sie „die totale Naturentfremdung der nachfolgenden Generationen“ nennen. Im Waldhaus und auf dem benachbarten Falkenhof bringen Ilka Simm-Schönholz und ihr Team Kindern und Jugendlichen, aber auch manch Erwachsenem, die Natur wieder näher. Auf dem Falkenhof seit sechs Jahren, im Waldhaus seit 16.

Die Nachkommen der Waldhaus-Pfauen ziehen Jahr für Jahr auf die Pfaueninsel um. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Grundstück auf dem Großen Ravensberg konnte der Verein um die Jahrtausendwende kaufen. Das Areal, das heute ein grünes Schmuckstück mit einem Teich und einer Aussichtsplattform, mit einer Feuerstelle und einer Köhlerhütte, mit gemütlichen Blockhäusern zum Übernachten und mit einem Open-Air- Klassenzimmer ausgestattet ist, war damals eine von Gestrüpp überwucherte und mit einem alten Elektrozaun gesicherte Festung. Ein Dornröschenschloss? Ganz und gar nicht. Viel mehr ein zwielichtiges Observatorium. Von hier oben durchstöberte die NVA zu DDR-Zeiten den Nachthimmel nach Satelliten. Das Teleskop sowjetischer Produktion – es ist offenbar von derselben legendären Robustheit wie die Kalaschnikow – funktioniert noch immer hervorragend. Sicher verwahrt unter einer dicken Betonkuppel dient es heute kleinen Sternenforschern – und ist doch nur ein Gimmick in der Fülle der Angebote, die das Waldhaus macht.

Hinter dem großen Tor wartet das Abenteuer. Quelle: Bernd Gartenschläger

Hier verdienen sich schon die Kleinen aus dem Kindergarten die ersten Meriten als Naturfreunde. Viele kehren mit ihrer Schulklasse wieder. Es kommen aber auch Studenten und Lehrer, um sich weiterzubilden. Gefragt sind, klar, die Ferienlager – wer kann schließlich von sich behaupten, ein paar Nächte Tür an Tür mit Wildtieren verbracht zu haben? Das tierische Empfangskomitee am Tor ist nämlich nur ein Teil der sonderbaren WG, die im Waldhaus Unterschlupf gefunden hat. Dazu gehören etliche andere auf dem Großen Ravensberg gestrandete Wesen, denn Ilka Simm-Schönholz und ihr Team nehmen kranke und verletzte Wild- und Jungtiere auf, aber auch Kreaturen, die aus falsch verstandener Tierliebe alles andere als artgerecht gehalten wurden. Die Waldhäusler pflegen und päppeln all diese Findelkinder und wildern sie wenn möglich wieder aus. Tiere, die aber zu sehr an den Menschen gewöhnt sind und nicht mehr in Wald und Flur entlassen werden können, bleiben im Waldhaus. Das ist – genauso wie der Falkenhof – inzwischen ein anerkannter Ausbildungsbetrieb für Tierpfleger im Tierheim und in der Tierpension. Drei Azubis sind derzeit an Bord, außerdem zwei Jugendliche im Freiwilligen Ökologischen Jahr und einige Ein-Euro-Jobber. Es hat sich viel getan hoch hoben in den Ravensbergen: „Leider von vielen Potsdamern unbemerkt“, sagt Ilka Simm-Schönholz. „Selbst die Bewohner der Waldstadt, wissen nicht, dass es uns gibt.“ Dabei liegt das Abenteuer doch so nahe.

Gäste sind willkommen

Das Waldhaus auf dem Großen Ravensberg hat Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr geöffnet – dann sind meist Kita- und Schulklassen zu Gast. An Sonn- und Feiertagen öffnet das Waldhaus von März bis Oktober von 10 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Gruppen sind immer anzumelden. Das ist möglich unter 0331/2707687 oder 0179/6969 455. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2 Euro, für Kinder 1,50 Euro. Es gibt neben geführten Wanderungen für Kinder, Jugendliche, Erwachsenen und Familien auch diverse Mitmach-Angebote, etwa eine Nachtwanderung, eine Schulung der Sinne, ein Laubhüttenbau, eine Schatzsuche, eine Pirsch mit dem Jäger und eine Natursauna mit Kräuteraufguss.

Der Falkenhof in den Ravensbergen hat von März bis Anfang November Mittwoch bis Samstag von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet (Flugvorführung 14.30 Uhr), an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 16.30 Uhr (Flugvorführung 14.30 Uhr). Montag und Dienstag sind angemeldeten Gruppen vorbehalten. Der Eintritt kostet mit Flugvorführung für Erwachsene 7 Euro und für Kinder 5 Euro; ohne Flugvorführung 3 Euro und 2,50 Euro. Von November bis Februar bleibt der Falkenhof Montag bis Freitag geschlossen, öffnet aber Samstag, Sonntag und an Feiteagen von 10 bis 16 Uhr. Dann kann man den Falknern auch beim Füttern der Vögel über die Schulter schauen. nf

Von Nadine Fabian

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