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„Wir brauchen diese Brückentechnologie“

„Wir brauchen diese Brückentechnologie“

Mit dem Technischen Geschäftsführer des Potsdamer Verkehrsbetriebs ViP, Oliver Glaser, sprach Ulrich Wangemann über den beschwerlichen Weg zu abgasarmen Bussen.

MAZ: Privatautos mit Hybridantrieb gibt es schon sehr viele, warum aber noch so wenige Busse?

Oliver Glaser: Die Anforderungen an einen Linienbus sind andere. Ein Bus hält alle 300 Meter wieder an. Außerdem müssen Klimatechnik, Fahrkartenautomaten und Informationssystem mit Strom versorgt werden. Dies schlägt alles auf die Leistung durch.

Was soll der Versuch bringen?

Glaser: Für uns ist der Kraftstoffverbrauch wesentlich. Ein Hybridbus kostet in der Anschaffung mindestens ein Drittel mehr als ein normaler. Ein herkömmlicher Bus ohne Gelenk liegt bei etwa 210 000 Euro, einer mit Hybridantrieb bei rund 360 000 Euro. Wir müssen so viel Geld einsparen, dass sich die Anschaffung über die Lebenzeit amortisiert.

Die ViP hatte vor einigen Monaten einen Versuch mit einem reinen Elektrobus gestartet. Was ist daraus geworden?

Glaser: Der Elektrobus steht noch bei uns auf dem Hof. Wir sind nicht richtig glücklich. Gerade im Winter muss man sich entscheiden, ob man heizt oder fährt.

Realistisch gesehen steht der reine elektrogetriebene Bus noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Die Speicherkapazität der Batterien ist der kritische Pfad. Damit dafür ausreichend Kapazität zur Verfügung steht, müsste man noch einen Batterieanhänger an den Bus hängen. Deshalb überlegt man: Kann man den Bus während des Tages zwischendurch aufladen? Die Industrie sieht verschiedene Lösungen vor: etwa Leitungen über bestimmten Haltestellen, die beim Halt mit einem Stromabnehmer angezapft werden. Oder es gibt Induktionssysteme an den Haltestellen, die funktionieren wie die elektrische Zahnbürste. Diese Einrichtungen sind sehr teuer und schränken den Betriebsablauf ein. Irgendwann werden auch diese Probleme gelöst sein, aber bis dahin benötigen wir eine Brückentechnologie.

Sie waren gerade auf einer Messe in Berlin, welche die E-Mobilität zum Thema hatte. Sind Sie ernüchtert?

Glaser: In die ganze Debatte ist Realismus eingekehrt. Rein elektrische Busse fahren nur als Nischenprojekte, auf kleineren Linien. Schaut man sich Projekte in Turin – zur Olympiade gebaut – und Wien an, ist klar: die Betriebskosten sind enorm.

Wie serienreif ist die Hybridtechnologie?

Glaser: Die Stuttgarter und Münchener Verkehrsbetriebe standen in den vergangenen Jahren an der Spitze der Bewegung. Wir kommen jetzt an einen Wendepunkt. Die Busse verschiedener Hersteller wurden konsequent weiterentwickelt und kommen zur Marktreife. Wir erhoffen uns, dass sie günstiger werden.

Sie haben etwa 50 Busse. Wie lange dauert es, eine solche Flotte auszutauschen?

Glaser: Wir setzen einen Bus zwischen zehn und zwölf Jahre ein. Wir können nicht über Nacht die Flotte umwandeln, da wir angehalten sind, unsere finanziellen Ressourcen überlegt einzusetzen. Ganz praktisch schauen wir jetzt, ob der Hybrid bei der nächsten anstehenden Bus-Beschaffung 2014/15 eine Alternative ist. Dann müssen wir fünf Fahrzeuge erneuern.

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