Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
„Wir haben keinen Bock auf Büttenreden“

Prinzenpaar des LKC Babelsberg „Wir haben keinen Bock auf Büttenreden“

Helau! Am Mittwoch, dem 11.11., um 11.11 Uhr starten die Narren in die Karnevalssaison. Die MAZ hat sich mit einem echten Prinzenpaar getroffen und über ihre närrische Faszination, Tattoos, hoheitliche Pflichten und Pfeffi unterhalten.

Voriger Artikel
Potsdam am Mittwoch: Das ist heute wichtig
Nächster Artikel
Sicherheit für Radler: Gibt’s Besserung?

Sina Schlieben und Martin Witt.

Quelle: Christel Köster

Babelsberg. Prinzessin Sina I. hat ihren Hofstaat mit zum Interviewtermin gebracht. Zwei Damen helfen der Hoheit des LKC Babelsberg ins Kleid. Ein Tülltraum in Tiefblau. Krönchen aufs Haupt, Lippen geschminkt. Fertig. Wer nicht kommt, ist der Prinz. Eine Stunde wartet Sina Schlieben (24) auf ihren närrischen Begleiter, Martin Witt (27). Martin I. stand im Stau. Nun ist er da. Tätowiert, mit Nasenring.

Siehe auch:
Warum heißt der Karneval eigentlich Karneval?

Das Prinzenpaar – verkleidet als Bürgerliche

Das Prinzenpaar – verkleidet als Bürgerliche.

Quelle: Köster

MAZ: Finden Sie das etwa lustig?

Prinz Martin: Was?

Na, Karneval.

Martin: Klar. Es gibt ganz viele Gründe, warum das lustig ist. Auf der Bühne stehen, das macht Spaß. Und wir sind eine tolle Truppe und trinken auch ordentlich einen.

Was trinkt man so zum Fasching?

Martin: Pfeffi. Wir trinken Pfeffi. Und Bier natürlich.

Aber auf Knopfdruck fröhlich sein – funktioniert das?

Prinzessin Sina: Ja, das klappt. Man lässt sich einfach von der Stimmung mitreißen. Wenn alle gut drauf sind, ist man es automatisch auch.

Sina Schlieben (24) und Martin Witt (27)

Sina Schlieben (24) und Martin Witt (27).

Quelle: Köster

Allgemeines zu Karneval in Potsdam

Vier Karnevalsvereine gibt es insgesamt in Potsdam.

70 Mitglieder zählt der Lindenpark Karneval Club (LKC) Babelsberg.

Die Schlüsselübergabe zum Saisonauftakt am 11.11. begeht der LKC traditionell im Rathaus Babelsberg. Im Umkreis der Gaststätte Unicat wird dann die närrische Zeit mit Umzug und Livemusik gefeiert. Auch ein Kinderprinzenpaar (Sandra und Daniel) ist mit dabei.

Stammhaus
und Veranstaltungsort des LKC, der seit 1979 besteht, ist der Lindenpark. Die erste Faschingsparty steigt dort am 14. November unter dem Motto „Sonnenschein und rauhe See – eine Kreuzfahrt mit dem LKC“.

Die „tollen Tage“ steigen dann ab 5. Februar jeden Abend bis zum Rosenmontag im Lindenpark.

Aber verglichen mit den Jecken aus Mainz oder Köln ist der Potsdamer doch eher eine Spaßbremse, oder?

Sina: Ich glaube die Potsdamer können sogar besser Karneval.

Martin: Ja, das stimmt. Wir nehmen das alles nicht so ernst und verkrampft. Wir machen eben unser Ding. Wir haben zum Beispiel keinen Bock auf Büttenreden.

Was? Keine Büttenreden? Kein Dädädäda?

Martin: Nö. Das ist einfach eine lockere Party. Es gibt schon immer ein Motto. In dieser Session ist das zum Beispiel Kreuzfahrt. Darauf ist das Programm abgestimmt. Aber es gibt keine festgefahrenen Rituale wie bei diesen Altkarnevalsvereinen im Rheinland.

Aber einen Schlachtruf gibt’s schon, oder? Lassen Sie mal hören!

Beide: LKC Helau!!!

Sind Sie eigentlich ein Paar?

Beide: Nein!!!

Sina: Wir kannten uns schon vom Verein, aber seit wir wissen, dass wir das Prinzenpaar sind, treffen wir uns gerade zum ersten Mal.

Martin: Das ist also ein ganz besonderer Moment gerade.

Stör ich?

Martin : Äh, nö.

Aber Sina, was sagt Ihr Freund denn dazu, dass sie sich bis Februar mit einem Prinzen rumtreiben?

Sina: Ich bin Single.

Und? Zufrieden mit Ihrem Prinzen?

Sina: Klar, vollkommen. Spontan, lustig, trinkfest. So muss das sein. Nur ein Pferd hat er nicht.

Martin: Nee. Der Prinz kommt diese Jahr mit dem Smart.

Und, Martin, ist Sina Ihre Traumprinzessin?

Martin: Natürlich! Hübsch, trinkfest. Nicht dass sie mir gleich vom Stuhl kippt.

Mal ehrlich: Karneval, Pfeffi.. Da geht doch was, oder?

Martin: Auf jeden Fall. Alle sind verkleidet, trinken, da fallen schon die Hemmschwellen. Die Mädels sind da schon lockerer drauf, man kommt schneller ins Gespräch und dann, na ja, je nachdem …

Sind Sie der erste Prinz mit Tätowierung?

Martin: Das denke ich nicht. Aber vielleicht der erste mit so offensichtlicher Tätowierung. Vielleicht werde ich auch mein Kostüm noch ein bisschen abändern und eine Lederjacke dazu tragen.

Sie sind bis Februar ja auf etwa zehn Veranstaltungen unterwegs. Wie lässt sich das mit dem Job vereinbaren?

Martin: Ich bin verantwortlich für eine Tankstelle in Berlin. Mein Chef ist einer meiner besten Freunde und das ist dann überhaupt kein Problem. Er weiß, dass ich in der Zeit Urlaub brauche.

Sina: Ich bin Personalsachbearbeiterin in Potsdam. Mein Chef hat auch Verständnis für mein Hobby, da gibt es keine Probleme.

Wie steht’s denn mit Tanzen? Können Sie Walzer?

Martin: Wir haben noch gar nichts geprobt. Aber das wird schon gut aussehen. Ich habe ja Erfahrung durchs LKC-Männerballett.

Männerballett?! Mit Tutu?

Martin: Klar, auch mal mit Tutu. Oder mit Latzhose und Unterhemd. Auch im Bienchenkostüm oder in Frauenkleidern sind wir schon aufgetreten. Da muss man schon ein bisschen bescheuert sein dafür und über sich selbst lachen können.

Was wollen Sie den Leuten bieten, die zum Karneval kommen?

Martin: Es geht darum, dass die Leute einfach mal abschalten können vom Alltag.

Sina: Genau. Einfach mal feiern, fröhlich sein.

Läuft da dann den ganzen Abend Schunkelmusik?

Martin: Nein, da läuft Queerbeet alles. Viel Partymusik.

ina: S Von Schlager bis Rock ist alles dabei.

Welche Musik finden Sie privat gut?

Sina: Ich mag gerne Elektro, tanze aber auch zu Helene Fischer.

Martin: Ich bin ein großer Justin-Bieber-Fan...Nein, im Ernst: Ich mag gerne deutsche Rockmusik. Broilers, Ärzte, Onkelz.

Sina, wie wird man eigentlich Prinzessin?

Sina: Das lief über meine Mutter. Die ist schon lange im Verein engagiert. Es war aber nicht leicht, ein Prinzenpaar zu finden. Über WhatsApp hat sie mich dann angeschrieben, ob ich mitmachen würde und da hab ich spontan Ja gesagt. Das ist doch ein Kindheitsraum jeder Frau: Einmal Prinzessin sein mit Krönchen und Kleidchen.

Worüber lachen Sie im Alltag?

Martin: Ich kann eigentlich über alles Lachen.

Sina: Ich kann auch mal über mich selbst lachen. Und Lachen macht schön.

Und was finden Sie überhaupt nicht lustig?

Martin: Wenn der Fasching vorbei ist.

Sina: Aschermittwoch fällt man dann erst Mal in ein Loch.

Von Marion Kaufmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg