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Potsdam Die Welt steht auf der Kippe
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12:13 11.02.2015
Extrem verletzlich ist die Arktis durch Klimaänderungen – hier ein Satellitenbild mit Nordkanada (Mitte) und Grönland (o.r.). Quelle: Fotolia
Potsdam

Am Sonnabend, 14.02.2015, eröffnet die Ausstellung „Spirale der Arktis“ über eine Expedition durch den äußersten Norden Kanadas. Zwei Tage später geht es beim gemeinsam vom Verein Pro Wissen und dem RBB veranstalteten „Treffpunkt Wissenswert“ um die „Eiszeit“. Drei renommierte Potsdamer Forscher setzen im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Klimaforschung in der Arktis in Szene. 

Jahr für Jahr nimmt das Tempo der Eisschmelze am Nordpol zu – Polarforscher sehen darin einen der eklatantesten Beweise für den fortschreitenden Klimawandel. Aus drei unterschiedlichen Perspektiven sprechen Andreas Groh vom Geoforschungszentrum, der Leiter der Potsdamer Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Instituts, Hans-Wolfgang Hubberten, und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung über ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit der nördlichen Polarregion. Ihr Blick richtet sich auch aus dem All auf das schwindende Eis und die daraus resultierenden globalen Folgen. 

„Die Arktis scheint weit weg zu sein – doch die Veränderungen, die dort derzeit durch den Klimawandel ablaufen, betreffen uns hier in Deutschland“, sagt Rahmstorf. Der Anstieg des Meeresspiegels auch an unseren Küsten und die Veränderung der langfristigen Wetterperspektiven in der Region seien dabei nur die augenscheinlichsten Konsequenzen. Der Potsdamer Ozeanograph sieht die Eisschmelze in der Arktis „weiter auf Rekordkurs“ und die Polregion längst an der Schwelle zu einem Kipp-Punkt. Das sind Grenzen, die, wenn sie überschritten werden, eine nicht reparable Kettenreaktion auslösen. Im Falle der Arktis ist dies neben einem drastischen Anstieg der Meeresspiegels vor allem eine dauerhafte Änderung der ozeanischen Strömungen mit weltweit erheblichen Klimaänderungen in der Folge. 

Der GFZ-Geodät Groh kann Ansätze dazu anhand von realer Satellitenbeobachtung unterfüttern. „Wir haben ganz klar eine zunehmende Schmelze des Grönlandeises in den vergangenen Jahren“, sagt Groh. Daten der beiden vom GFZ betriebenen Erdschwere-Satelliten der Grace-Mission zwischen 2003 und 2013 belegen eine Abnahme von jährlich im Schnitt 240 Gigatonnen. Allein dies hat einen Anstieg des Meeresspiegels rund um den Globus von 0,7 Millimetern pro Jahr zur Folge. Aber nicht nur das: Das Abschmelzen des Eises bringt eine Art sich selbst beschleunigenden Prozesses in Gang. Auch unter dem Eis entsteht Schmelzwasser, das Abbrüche und Rutsche von Gletschern forciert. „Schelfe können wegbrechen und so weiteren Abflüssen des Inlandeises die Tore öffnen“, sagt Groh. 

Eine von persönlichen Erfahrungen während zahlreicher arktischer Expeditionen geprägte Perspektive steuert schließlich der Leiter des AWI, Hans-Wolfgang Hubberten, bei. Das Potsdamer Polarforschungszentrum erkundet seit Jahren das Abtauen vor allem der sibirischen Permafrostböden. Anhand der Auftautiefe habe man festgestellt, dass sich der jährliche Prozess im Sommer im Vergleich zu vor zehn oder 15 Jahren um bis zu 30 Prozent erhöht hat, so Hubberten. Das Tauen setzt riesige Mengen von in den Böden gespeichertem Methan frei, das den Klimawandel noch erheblich anheizen könnte. Der entstehende Gasdruck sprengt zum Teil explosionsartig den Untergrund auf, reißt Krater in die Tundra, die auch eventuell umliegenden Siedlungen gefährlich werden könnten. Zudem bedroht eine fortschreitende Erosion des Bodens die gesamte Biosphäre der Region. 

von Gerald Dietz

Spirale der Arktis

Innerhalb von Jahrzehnten könnte der arktische Ozean im Sommer eisfrei sein. Änderungen im arktischen Klima blieben nicht ohne drastische Folgen für unsere zivilisierte Welt. 
Mit der multimedialen Rauminstallation „Spirale der Arktis“ (14.–26. Februar in der Wissenschaftsetage des Potsdamer Bildungsforums) machen die Polarforscherin Sina Muster vom Potsdamer Alfred-Wegener-Institut (AWI/Foto: privat) und die Bühnenbildnerin Geertje Jacob die Verbindung zwischen Landschaft, Klima und Mensch begehbar und begreifbar. Der Weg entlang der Spirale beschreibt die Reise in die kanadische Hocharktis und ist mit Bildern und Informationstafeln gesäumt. Sie sind Ergebnis dreier wissenschaftlicher Expeditionen. 
Von ihrer Arbeit zur Erforschung des Klimawandels und ihren Expeditionen berichtet Muster am 14. Februar im Rahmen der Reihe „Potsdamer Köpfe“ ab 11 Uhr in der Wissenschaftsetage. 
Mit einem Vortrag wird am 16. und 19. Februar (9 Uhr) im Rahmen der Schülerakademie in die Schau eingeführt. 
Anmeldung: altenhoener@prowissen-potsdam.de 

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