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08:10 20.10.2016
Der Schlänitzsee gab der an seinen Ufern gelegenen Anglerkolonie den Namen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Schlänitzsee

Dieses Paradies ist auf Sand gebaut. Auf Sand, der vor 110 Jahren beim Bau des Sacrow-Paretzer Kanals ab­gebaggert und aufgeworfen wurde und dem Sumpfland am Ufer des Schlänitzsees erst den nötigen Halt gab, um dort Laubenpieperträume wahr werden zu lassen. Die Kolonie Schlänitzsee, ein Ortsteil von Grube, kündet von der großen, goldenen Zeit der nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gegründeten Arbeiter-Angler-Vereine, deren Mitglieder ihr Petri Heil in den fischreichen Revieren jenseits der Stadtgrenzen suchten, dort zuerst ihre Zelte aufschlugen und später Wochenendhäuschen bauten.

Thomas Wendenburg (59) lebt hier in dritter Generation. Schon die Großeltern hatten in der Kolonie ein Grundstück. Hierher flohen sie 1944 vor den Bomben, die auf Berlin fielen. Hier blieb ihr Sohn, Thomas Wendenburgs Vater, als sie 1950 zurück nach Hause, nach Charlottenburg gingen und fortan als Republik­flüchtlinge galten.

Im Mitte der 1930er angelegten Stichkanal, der in den Sacrow-Paretzer Kanal mündet, liegen noch einige Boote. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Ich bin hier verwurzelt“, sagt Thomas Wendenburg. Er könne sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen – er hat es versucht, als er als junger Mann nach Babelsberg und später in die Waldstadt zog. „Ich selbst habe es gar nicht mitbekommen, aber mir hat irgendetwas gefehlt“, sagt Thomas Wendenburg. Nach der Wende erteilte seine Frau den Marschbefehl zurück aufs Land, zurück ans Wasser. Thomas Wendenburg zog wieder bei den Eltern ein, freilich mit seiner Familie und erst, nachdem das Haus einen Anbau erhalten hatte.

„Besucher sagen immer, wir wohnen mitten im Urlaub“, erzählt Thomas Wendenburg bei einem Spaziergang durch die Kolonie, die nun allmählilch in den Winterschlaf hinübergleitet. Nur ein gutes Dutzend Schlänitzseer genießt hier auch Wohnrecht. Die meisten sind Wochenendler und haben ihre Lauben schon winterfest gemacht. „So schön der Sommer auch ist“, sagt Thomas Wendenburg. „Ich liebe diese Zeit, wenn es hier so einsam und verlassen ist.“ Wenn die Tage kürzer werden und sich Raureif auf Bäume und Sträucher legt, ist Schlänitzsee wohl Potsdams ruhigster Flecken – sicher aber ist es der Flecken mit den schönsten Straßennamen. Am Angelhaken und Windspiel heißen hier die Wege, die oft so schmal sind, dass man meint, Nachbars Äpfel müssten einem auf den Kopf fallen. Es gibt den Klabautermann und Poseideon, Steife Brise und Vogelsang, Forellensprung und Paddenpuhl und noch einige mehr.

Die meisten der in den 1920er Jahren gezimmerten Lauben sind baulich nahezu unverändert. Quelle: Bernd Gartenschläger

Thomas Wendenburg beginnt den Spaziergang, der an den schmucken, baulich nahezu unangetasteten Anglerlauben vorbei und über den See-Hafen, den Sacrow-Paretzer und den Stich-Kanal führen wird, dort, wo die Kolonie ihren Ursprung hat – an der im Volksmund noch immer „Polnische Wirtschaft“ genannten Ecke. Zwar ist bereits für das Jahr 1898 ein Unterstand dokumentiert – er soll sich an der Mündung des Königsgrabens in den See befunden haben. Als der Graben aber ab 1905 für die Schifffahrt ausgebaut wurde, musste der Angler den Platz räumen und erhielt als Ersatz ein Grundstück in der Polnischen Wirtschaft, die so wegen der Schitter heißt, die zur Ernte über die Oder kamen und dort Quartier nahmen.

„Mit diesem ersten Angler-Grundstück begann die Besiedelung der Kolonie Schlänitzsee“, sagt Wendenburg. Zwar ließen weitere Angler und Laubenpieper noch einige Zeit auf sich warten, Ende der 1920er Jahre boomte die Kolonie dann aber so richtig. Es wurde gezimmert und ein Richtfest nach dem anderen gefeiert. Als es auf der Scholle zu eng wurde, beschaffte der Anglerverein neue Grundstücke landeinwärts und parzellierte an der Kanalbrücke, was die Flächen nur hergaben. In einer der dortigen Datschen übrigens, hatte Thomas Wendenburgs Mutter auf der Kriegsflucht aus dem Osten ein mit ihrer Familie ein neues Zuhause gefunden und wenig später in der Nachbarkolonie die Liebe.

Thomas Wendenburg (59) lebt in dritter Generation in der Kolonie Schlänitzsee und leitet dort den Angelverein. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Anglerverein gehört bis heute neben der Pro Potsdam zu den „Großgrundbesitzern“ in der Kolonie. Klar, dass Thomas Wendenburg als Ureinwohner im Verein mitmischt, ihm inzwischen vorsitzt. Auch im Ortsbeirat von Grube ist er fast immer zugegen – er ist zwar kein Mitglied, setzt sich aber für die Geschicke der Exklave ein. Thomas Wendenburg, von Beruf Geschäftsführer der Abfall­wirtschaft Potsdam-Mittel­mark, ist einer, der sich kümmert. Einer der sich sorgt. „Der Generationen­wechsel verändert die Kolonie gerade sehr“, sagt er. Viele Alteingesessene hätten Abschied genommen, viele neue Gesichter seien zu sehen. „Früher kannte jeder jeden. Nun verliert Schlänitzsee den Zusammenhalt. Vielleicht ändert sich ja auch das irgendwann einmal wieder.“

Der See, der der Kolonie den Namen gab

Der Schlänitzsee ist eine Verbreiterung des Havel-Nebenflusses Wublitz. Er wird vom Sacrow-Paretzer Kanal durchquert. Außerhalb der für den Kanal ausgebaggerten Fahrrinne ist die Tiefe des Sees gering. Der See verkrautet zusehends.

Der Anglerverein Schlänitzsee zählt derzeit 123 Mitglieder. Seine Geschichte begann mit der Gründung des Arbeiter-Angler-Bundes Berlin und Umgebung. Zu diesem Bund schlossen sich im Juli 1921 vier Anglervereine zusammen. Ein Jahr später waren es bereits 21 mit über 500 Mitgliedern. Sie firmierten seit April 1922 unter der Bezeichnung Arbeiter-Angler-Bund Deutschland. Dieser Bund gliederte sich in Gaue, Bezirke, Gruppen und Vereine. Der heutige Anglerverein Schlänitzsee gehörte zum Gau Berlin, Bezirk 1 und dem Anglerverein Nedlitz mit den Sektionen Nedlitz, Marquardt und Schlänitzsee.

1926 begannen die Angler mit der Bebauung der Kolonie Schlänitzsee. 1928 bauten sie für ihre Boote einen Hafen am Seeufer und legten eine Badestrand an. Mitte der 30er Jahre wurde der Stichkanal angelegt, an dessen Ende bis heute das Vereinsheim und das Bootshaus liegen. nf

Von Nadine Fabian

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