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Potsdam Wo Potsdam besonders grün, gelb und blau ist
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15:31 27.09.2017
Bioladen-Inhaberin Anja Behringer aus der Brandenburger Vorstadt ist wie viele im Kiez überzeugte Grünen-Wählerin. Quelle: Foto: Marion Kaufmann
Potsdam

Anja Behringer sagt es durchs Gemüse. „Es ist nicht alles braun! Wir haben Grünkohl, Salate, Feigen, Rote Möhren und endlich wieder Eier!“, hat sie nach der Bundestagswahl mit bunter Kreide auf die Tafel vor ihrem Bioladen „Annies“ in der Brandenburger Vorstadt geschrieben. Die 40-Jährige selbst hat, was bei ihrem Geschäft nahe liegt, die Grünen gewählt – und befindet sich damit in ihrem Kiez in guter Gesellschaft.

Der Rudolf-Tschäpe-Platz unweit ihres Ladens in der Geschwister-Scholl-Straße ist die Potsdamer Insel der Grünseligen. 25,4 Prozent der Wahlberechtigten im Wahlbezirk 3106 haben Bündnis 90/Die Grünen ihre Stimme gegeben. In der nahen Hans-Sachs-Straße sind es 25,2 Prozent. Rekordwerte für die Ökopartei, die in Potsdam insgesamt auf 10,9 Prozent kommt. Auch Direktkandidatin Annalena Baerbock, die in Babelsberg lebt, war rund um den Tschäpe-Platz mit etwa 20 Prozent sehr stark.

Der Tschäpe-Platz ist eine Hochburg der Grünen. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Es ist ein nachhaltiger Stadtteil“, meint die angehende Studentin Anne Derwell (19), die über den mit Bäumen umsäumten Tschäpe-Platz läuft. „Hier gibt es viele junge Familien, die umweltbewusst denken.“ Wie auf Bestellung fährt eine Mutter mit vorgelagertem Kinder-Radanhänger aus Holz vorbei, wie sie in Prenzlauer Berg längst Mode sind. Wenig später folgt eine Frau mit Wallerock und Stoffblümchen am Fahrradkorb. An einem Zaun vor den sanierten Häusern haben Bewohner Ausrangiertes wie ein Holzpuzzle gelegt, mit dem Hinweis „zu verschenken“. Die Grünen wären auch für sie eine Option gewesen, sagt Anwohnerin Anne Derwell. Am Ende habe sie sich aber für eine andere Partei entschieden. Welche, lässt sie offen.

Grünen-Wählerin und Geschäftsfrau Anja Behringer sorgt mit ihrem Toleranz-Schild für viel Gesprächsstoff. „Es gab auch böse Blicke“, sagt sie, einige, vor allem ältere Passanten hätten mit ihrer Anti-AfD-Botschaft nichts anfangen können. Dass ihre eigene Partei im Viertel so stark punktet, wundert sie trotzdem nicht. „Hier gibt es viel ökologisches Bewusstsein“, sagt sie. Viele Familien teilten sich ein Auto mit den Nachbarn oder verzichteten ganz auf einen Wagen.

In der Speicherstadt feiert die FDP Erfolge

Die noblen Karossen stehen in einem anderen Potsdamer Viertel. Die Audi-Dichte ist hoch in der Speicherstadt. Auf einem der Parkplätze steht ein dieselfressender, schwarzer Jeep. Daneben lächelt Linda Teuteberg in Richtung Havelbucht. An den Laternenpfählen des neuen Quartiers mit hochpreisigen Wohnungen in der Südlichen Innenstadt hängen noch Plakate mit der Brandenburger FDP-Spitzenkandidatin. Der Wahlbezirk 4206 Leipziger Straße, zu dem die Speicherstadt gehört, ist ein Leuchtturm der Liberalen in der Landeshauptstadt. 25,3 Prozent wählten dort die Freien Demokraten – stadtweit waren es nur 8,2 Prozent. Die Babelsbergerin Linda Teuteberg holte dort mit 15,5 Prozent ihr bestes Potsdam-Ergebnis als Direktkandidatin.

In der Leipziger Straße ist die FDP beliebt. Quelle: Bernd Gartenschläger

AfD-Hochburg Bisamkiez

René Springer, wie Baerbock und Teuteberg aus Babelsberg, hatte seinen größten Erfolg im Wahlbezirk 6305 Inselhof/Bisamkiez. 26,5 Prozent der Erststimmen holte der AfD-Direktkandidat in dem Straßenzug im Stadtteil Schlaatz – mehr als seine Konkurrenten. Mit 25,5 Prozent fuhr die rechtspopulistische Partei dort auch ihr bestes Zweitstimmenergebnis in Potsdam ein; stadtweit kam die AfD auf 12,8 Prozent. „Damit die Merkel mal Gegenwind kriegt“, mutmaßt eine Anwohnerin, warum hier so viele ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben. „Die oben kriegen immer mehr, die unten immer weniger und die Mittelschicht wird abgeschafft“, sagt die 54-Jährige, die selbst nicht wählen war – auch wenn sie von den etablierten Parteien enttäuscht sei. Als Köchin habe sie zu DDR-Zeiten 900 Ost-Mark verdient. Nun schufte sie bei einer Reinigungsfirma für 1100 Euro im Monat. „Da ging es mir früher besser“, sagt sie. Die Formel „Platte = Armut = Frust = AfD“ geht in Potsdam aber trotzdem nicht auf. Denn wenn man den gesamten Stadtteil Schlaatz mit einer Arbeitslosenquote von 12,8 und einem Ausländeranteil von 19 Prozent betrachtet, hat die Mehrheit eben nicht AfD gewählt, sondern die Linke. Bei den Erststimmen lag Manja Schüle (SPD) – wie viele ihrer Mitbewerber Babelsbergerin – vorn.

An der alten Zauche hängt ein Wahlplakat, das gut zu Potsdam passt. „Du hast die Wahl“, steht auf dem Poster des nahen Supermarktes. Abgebildet sind „M & M’s“, daneben die günstigere Eigenmarke der knallbunten Schokolinsen. Es gibt deutliche soziale Unterschiede in Potsdam, nicht jeder kann sich alles leisten. Das spiegelt sich auch im Wahlverhalten. Aber am Ende gilt in jedem Stadtteil: Potsdam kann überall bunt sein.

Im Schlaatz holte die AfD hohe Werte. Quelle: Bernd Gartenschläger

So hat Potsdam gewählt

In der Landeshauptstadt Potsdam, die zum Wahlkreis 61 gehört, war die CDU bei der Bundestagswahl am Sonntag stärkste Kraft. Sie holte 21,6 Prozent der Zweitstimmen.

Linke und SPD folgen auf Rang zwei und drei mit 21,2 bzw. 18,3 Prozent.

Viertstärkste Kraft ist die Alternative für Deutschland (AfD). Sie kam in Potsdam auf 12,8 Prozent.

Die Grünen holten 10,9 Prozent der Stimmen, die FDP kommt auf 8,2 Prozent.

Auf sonstige Parteien wie „Die Partei“ und DKP entfielen 7 Prozent.

Von Marion Kaufmann

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