Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Wo Siegward Sprotte einst zeichnete

Am Bornstedter Friedhof wurde des Ehrenbürgers gedacht – exakt am 100. Geburtstag Wo Siegward Sprotte einst zeichnete

Der Bornstedter Friedhof um die Mittagszeit am Sonnabend. Der traditionsreiche Ort ist an diesem Tag von frischen, frühlingszarten Farben durchwirkt. Hier hat Sprotte oft gezeichnet.

Alle – Familie, Freunde – waren sie gekommen, um am Grab des am 20. April vor hundert Jahren in Potsdam geborenen Ehrenbürgers zu gedenken: Sprottes Witwe Cosmea, eine allürenfreie, herzliche Dame, lebt sonst auf Sylt. Natürlich waren auch die Söhne da: Armin, ein bekannter Galerist mit Wohnsitz unter anderem in Neu Delhi, und Kilian, der Komposition studiert hat. Für einen Überraschungseffekt sorgte Enkel Alexander. Der gutaussehende junge Mann, der als Model arbeitet, gleicht den Jugendbildnissen Siegward Sprottes aufs Haar: „Er ist seinem Großvater wie aus dem Gesicht geschnitten“, stellte auch Manfred Stolpe, der seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Siegward-Sprotte-Stiftung ist, erstaunt fest.

Wie sich der Alt-Ministerpräsident und Potsdams Ehrenbürger kennengelernt haben? Jedenfalls lange Zeit bevor die beiden Herren zum Landesvater beziehungsweise zum Ehrenbürger wurden. Die Bekanntschaft kam nicht bei irgendeinem Empfang – nettes Händeschütteln, alles eher unverbindlich – zustande, sondern mit ärztlicher Hilfe. Nämlich dank Ingrid Stolpe, die in den 1980er Jahren als „Landärztin von Bornim-Bornstedt“ wirkte, wie Stolpe am Rande der Veranstaltung erzählte. Zu Ingrid Stolpes Patienten gehörte auch Sprottes Mutter. Obwohl der Sohn im Westen lebte, schaute er öfters nach dem Rechten und wollte natürlich die behandelnde Ärztin begutachten. „Er hat die Medikamente ausgependelt“, erzählte Stolpe schmunzelnd. Ein außergewöhnlicher Mann sei er gewesen – nicht nur im Auftreten („Er stand wie ein Fels.“), sondern auch dank seiner Fähigkeiten: „Er hatte diese Doppelbegabung als Künstler und Philosoph.“

Auch für Wieland Eschenburg, OB-Büroleiter in Cottbus und Stiftungsratsmitglied, zählt die Bekanntschaft mit Sprotte zu den Lebensgeschenken: „Das ist schon ein besonderes Gefühl der Dankbarkeit, so jemanden selbst kennengelernt haben zu dürfen. Meist liest man über solche Persönlichkeiten ja nur in Publikationen.“ Stets präsent, extrem aufmerksam, so schuf der Maler auch eine ganz besondere zwischenmenschliche Atmosphäre. „Er hat sich im Gespräch völlig auf das Gegenüber konzentriert – richtig ,eingesaugt’,“ erinnerte sich Eschenburg. Charakteristisch das Motto auf dem Grabstein: „Auge in Auge“.

Sohn Armin beschreibt den Vater als einen jener Menschen, denen es gelingt, das Glück im Hier und Heute zu finden: „Der Prozess des Tuns war ihm wichtig, nicht das Getane.“ Das „Getane“ hat nun Freunde auf der ganzen Welt. Sogar Kunstkenner aus Shanghai haben Interesse an einer Sprotte-Ausstellung angemeldet. (Von Ildiko Röd)

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
dfdbc0d4-af48-11e7-b225-97bf4e5da6db
Potsdam – damals und heute

Zeitreise durch Potsdam: Anhand von historischen und aktuellen Aufnahmen zeigt die MAZ, wie sich die Stadt Potsdam verändert hat – und was wieder aufgebaut wurde. Besuchen Sie mit Klick durch die Galerie Potsdams markante Ecken – damals und heute.

Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg