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Paranoia für Profis

Wochenrückblick: 17. bis 23. November Paranoia für Profis

Jede Woche blicken unsere Lokalredakteure auf die vergangenen sieben Tage und die kleinen und großen Themen zurück. Diese Woche: Jan Bosschaart über die beeindruckende Kunst der hoch entwickelten Verschwörungstheorie und ihre Folgen anhand zweier prominenter Beispiele in der Landeshauptstadt.

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Ein Zaun vor dem Zaun in der Großen Weinmeisterstraße.

Quelle: Rainer Schüler

Potsdam. Mit dem Verfolgungswahn ist das eine zweischneidige Sache: Eine skeptische Grundhaltung ist grundsätzlich gut, doch professionelle Paranoia ungerecht, gefährlich und selbstzerstörerisch? Die vergangene Woche bot ein buntes Potpourri zwischen beiden Extremen, und wir überlassen es gern Ihnen, die jeweiligen Ereignisse auf der Skala von „Völlig richtig!“ bis „Total daneben!“ einzuordnen. Im Folgenden unsere Nominierten:

Kandidat eins: Die Zaunverschwörung. Vor einem winzigen Teilstück des umstrittenen döpfnerschen Zauns rund um den Park der Villa Schlieffen ließ die Stadt am Montag vier Zaunfelder aufstellen – weil dort das „Straßenbegleitgrün“ (für Nichtverwaltungsleute: Rasen) am Hang instandgesetzt werden müsse und diese Baustelle der Absicherung bedürfe, sagt die Stadt. Die korrespondierende Verschwörungstheorie ist – das sind sie meistens, die Verschwörungstheorien – etwas komplizierter: Sie geht davon aus, dass der Baubeigeordnete mit der Bürgerinitiative gegen den Zaun (BI) sympathisiert. Die BI plakatiert ihren Protest ja gern am Bauzaun, was illegal ist. Fortgeschrittene Verschwörer sagen nun, der Baubeigeordnete habe seine Verwaltung angewiesen, einen Zaun vor den Zaun zu stellen, weil dieser dann öffentlich wäre und damit die BI legal plakatieren könnte. Alles klar? Gut. Dann arbeiten Sie jetzt nur noch die Information ein, dass die Stadt auch an diesem Zaun keinerlei Plakate duldet und einen Antrag der BI auf eine Plakatierungsfläche im öffentlichen Raum abschlägig beschied. Aber wer weiß schon, ob das stimmt oder einfach nur behauptet wird, um die Öffentlichkeit zu täuschen?

Kandidat zwei: Das Mercure-Mirakel. Da wurden sieben renommierte Landschaftsarchitekten damit beauftragt, den Lustgarten schöner zu machen, zu beleben und ihn mit dem Schloss zu einem Ensemble wachsen zu lassen. Nun legen sie ihre ersten Entwürfe vor und – große Überraschung! – keiner kann sich vorstellen, dass ein Ensemble aus Schloss und Garten das Plattenbauhotel verträgt. Auch hier haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten: Sie können einfach davon ausgehen, dass quer zur Achse stehende rostige Plattenbauten bei Landschaftsplanern selten Anklang finden oder die komplexere Theorie zu Rate ziehen, nach der entweder 1. die böse Stadt nur Büros ausgewählt hat, die keine Platten mögen, 2.die Büros neben der offiziellen Aufgabenstellung noch eine inoffizielle bekommen haben, nach der sie das Hotel unbedingt ausradieren müssen oder 3. dem Linkenfraktions-Chef folgen, der sagt, die Bürgerwerkstatt zum Lustgarten sei manipuliert, Stimmen zum Erhalt des Hotels würden systematisch unterdrückt und solche zum Abriss systematisch bevorzugt.

Keinerlei Verschwörungstheorie brauchen Sie übrigens, wenn Sie einfach nur feststellen, dass der ganze Workshop von vornherein ein rund 520.000 Euro teures Feigenblatt zur Legitimation des Hotelabrisses ist. Das haben wir schon mehrfach so kommentiert. Und wir sind natürlich jedweder Paranoia von Berufs wegen völlig unverdächtig.

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