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Potsdam Wo die Schönen und Reichen unbehelligt leben können
Lokales Potsdam Wo die Schönen und Reichen unbehelligt leben können
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00:30 19.05.2018
Immobilienmakler Robert Neubauer Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Robert Neubauer kennt sich aus mit der Welt der Schönen und Reichen. Was für ihn aber am meisten zählt: der Mensch dahinter. Denn: Viele der wirklich erfolgreichen Promis sind oft erstaunlich bodenständig, sagt Neubauer im MAZ-Interview.

Seit 25 Jahren verkaufen Sie bereits Luxusimmobilien in Potsdam. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Viele Sachen haben sich verändert. Viele Eigentümer haben die Schönheit der Stadt erkannt und nehmen die eine oder andere Mark in die Hand. Wenn man in Potsdam eine Immobilie kauft, kauft man nicht nur ein Haus, sondern ein Stück Potsdam. Man hat die Verantwortung, das prägende Stadtbild zu erhalten. Ich bin gebürtiger Potsdamer, deshalb achte ich da besonders darauf. Mich freut es, wenn die Kunden in einem Kaufgespräch als erstes nach dem Amt für Denkmalpflege fragen.

Gibt es auch schwarze Schafe?

Ja, es gibt Menschen, die bewusst Strafen in Kauf nehmen. In der Jägerstraße gab es zum Beispiel einen Typenbau der zweiten barocken Stadterweiterung - also ein Gebäude, das absolut geschützt ist. Der Käufer hat das einfach abreißen lassen, die Strafe gezahlt und einen vierstöckigen Neubau da hingestellt. Oder: Es gibt Leute, die kaufen ein Wassergrundstück und fragen, was es kostet, einen Baum zu fällen. Dafür gibt es Strafen, die zwischen 500 und 5000 Euro liegen. Dann stehen die da und zählen die Bäume durch und man merkt, wie die durchrechnen: Was kostet mich ein unverstellter Wasserblick? Wenn jemand eine 200 Jahre alte Blutbuche abschlägt, nur um so einen Blick aufs Wasser zu haben, dann finde ich das schon beachtlich - im negativen Sinne.

Wie viel muss man für ein Haus am Griebnitzsee auf den Tisch legen?

Wir haben gerade den aktuellen Marktbericht unserer Firma Dahler & Company vorgelegt. Daraus geht auch die Veränderung während der letzten fünf Jahre hervor. Damals hat man eine Villa am Griebnitzsee für zwei bis drei Millionen verkauft. Momentan ist es so, dass man Preise zwischen vier und fünf Millionen für das gleiche Objekt bekommt. Potsdam ist einfach derzeit sehr stark gefragt. Die Leute kaufen zum vollen Exposépreis - sie verhandeln den Kaufpreis gar nicht mehr. Die Käufer zahlen selbst Fantasiepreise der Eigentümer, weil das Angebot in den guten Lagen so knapp ist. Davor haben die Leute versucht, uns herunterzuhandeln.

Kann man eine Art Hitparade der begehrtesten Wohnquartiere machen?

Auf Platz eins liegen ganz klar die Straßen um den Heiligen See wie die Seestraße, Mangerstraße, Tizianstraße. Da geht es in Preisregionen, die nicht mehr mit dem realen Preis eines Objekts zu tun haben, sondern mit dem Fakt, dass man eben am Heiligen See eine Immobilie hat. Das geht hinauf bis zu 15 Millionen Euro. Auf dem zweiten Platz liegt die Schwanenallee, wo man einen Wasserblick hat, aber keine Wasserlage.

Wie lange steht eine Villa durchschnittlich leer?

Vor noch fünf Jahren gab es eine Vermarktungszeit von einem halben Jahr bis zu zwei Jahren. Heute ist es so: Die Villa kommt auf den Markt und dann dauert es vierzehn Tage und es ist beurkundet. Und: Viele Immobilien kommen gar nicht mehr auf den Markt. Wir kontaktieren die Kunden aus der Bestandskartei, die Interesse haben. Die überschlafen es dann eine Nacht. Unsere Kunden brauchen keine Bank zu fragen für die Finanzierung. Die haben so ein Barvermögen, dass sie innerhalb von 24 Stunden bei so einem Objekt zusagen können.

Woher stammen die Kunden, die Sie in Ihrer Kartei haben? Sind da auch Einheimische darunter?

Der ursprüngliche Potsdamer ist nicht der Kunde, den wir betreuen. Vor einigen Jahren waren es noch die Russen und Skandinavier. Jetzt sind es mehr Schweizer und Österreicher. Außerdem wollen viele Leute aus Berlin weg. Berlin hat sehr gelitten - auch in den guten Lagen. Die Leute wollen ein Stück heile Welt, deshalb fühlen sie sich von Potsdam extrem angezogen. Die Stadt ist wie eine Schmuckschatulle.

Können Sie ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, wer zu Ihren Kunden gehört?

Es gibt viele prominente Kunden, insbesondere aus Film, Funk und Fernsehen. Dabei habe ich auch schon lustige Geschichten erlebt: Ich habe zum Beispiel dem Schauspieler Matthias Schweighöfer ein Haus verkauft - und ich habe ihn gar nicht erkannt. Ich kenne mich in dieser Filmwelt einfach nicht so aus, weil ich den ganzen Tag im Büro sitze und kaum ins Kino komme. Jedenfalls habe ich mich gewundert, wie der Herr Schweighöfer beim Besichtigungstermin so verrückt durchs Haus gehüpft ist. Und wie er auf dem Hof des Vierseithofes stand und sagte: „Ich stelle mir vor, wie ich mit dem Traktor aus der Scheune rausfahre.“ Ich dachte: Was ist mit dem los? Ich habe seine Frau noch gefragt: „Was macht Ihr Mann beruflich?“ Sie hat gesagt, dass er Schauspieler ist. Ich bin ins Büro und habe ihn gegoogelt: „Der Rote Baron“, „Keinohrhasen“. Den Schauspieler Jan-Josef Liefers habe ich auch nicht erkannt bei einer Besichtigung.

In Ihnen steckt also kein Autogrammjäger?

Nein, wichtig ist für mich, ob der Mensch dahinter stimmt. Promis in Anführungszeichen können sehr anstrengend sein. Für mich ist die menschliche Komponente wichtig. Mit Matthias Schweighöfer war ich dann noch gemeinsam joggen und es hat sich herausgestellt, dass er ein ganz toller nahbarer Typ ist. So etwas finde ich wichtig. Jeder Kunde ist bei mir gleich. Für mich sind die Unscheinbaren auch oft interessanter, weil sich manchmal spannende Geschichten dahinter verbergen. Wenn jemand kommt, der etwas für fünf bis sechs Millionen kauft, muss der schon etwas Beachtliches in seinem Leben aufgebaut haben. Oft sind das aber ganz unaufgeregte Menschen.

Haben Sie da ein Beispiel parat?

Einmal kam zum Beispiel ein sehr höflicher Herr zu mir ins Büro, der sich nach einem Holländerhaus erkundigte. Am Ende sagte er: „Übrigens, mein Name ist Rossmann.“ Es handelte sich um den Drogerieketten-Unternehmer Dirk Rossmann. Das sind Leute, die sich durch schwere Arbeit etwas aufgebaut haben und es nicht nötig haben, mit der Rolex und einem dicken Auto zu protzen. Das sind wirklich oft ganz bodenständige Leute.

Andere Promi-Hotspots sind Sylt oder Mallorca. Welche Rolle spielt Potsdam in dieser Liga?

Potsdam hat einen ganz bestimmten Unterschied zu den anderen Promi-Standorten. Hier leben die Schönen und Reichen ganz unbehelligt. Die Potsdamer gehen ganz toll damit um. Wenn jemand Joop oder Jauch beim Bäcker stehen sieht, dann holt keiner das Handy raus. Für die Promis ist es umgekehrt schön, hier zu leben, weil sie das Leben hier genießen können. Sie können sich auf die Parkbank setzen und haben ihre Ruhe. Wenn Joop mit der Bommelmütze durch die Schneelandschaft radelt, dann gehört das eben dazu.

Zur Person

Robert Neubauer wurde 1972 in Potsdam geboren. Bekannt wurde er ab 2010 in der Sendung „Mieten, kaufen, wohnen“ auf dem Fernsehsender Vox.

In seiner Jugend war er Leistungssportler und im 100-Meter-Sprint aktiv. Er machte eine Ausbildung zum Koch in der Gaststätte an der Neustädter Havelbucht. Nach fast zehn Jahren als Koch legte er 1999 die Prüfung zum Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft ab.

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