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Wolfsattacke in Potsdam bestätigt

Reh in Nattwerder gerissen Wolfsattacke in Potsdam bestätigt

Der Wolf hat die Landeshauptstadt Potsdam erreicht. Die Untere Naturschutzbehörde hat bestätigt, dass ein am Stadtrand gerissenes Reh Opfer Isegrims wurde. Jäger berichten derweil, dass einzelne Wölfe seit Längerem durch die ländlichen Gebiete Potsdam ziehen. Solche Meldungen liegen im Rathaus aber offenbar nicht vor.

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Verehrt und verflucht: der Wolf.
 

Quelle: dpa

Potsdam. Erstmals hat ein Wolf ein Tier auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Potsdam gerissen. Wie Vertreter der Stadtverwaltung und Anwohner berichten, ist bereits vor drei Wochen ein gerissenes Reh in Nattwerder, einem Ortsteil von Grube, gefunden worden. „Der Verdacht, dass das Tier von einem Wolf attackiert wurde, hat sich nun bestätigt“, sagte Markus Beck, Leiter der städtischen Bauaufsicht, am Donnerstagabend im Ausschuss für Klima, Ordnung, Umwelt und ländliche Entwicklung. Die Mitteilung rangierte unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ und wurde nicht weiter ausgeführt.

Bestätigung von der Unteren Jagdbehörde

Gesehen hat den Wolf niemand. Laut Stadtsprecher Jan Brunzlow gestaltet sich die Beweiskette wie folgt: „Es hat einen Hinweis an die Untere Jagdbehörde gegeben, dass ein Wildtier – vermutlich durch einen Wolf – gerissen wurde.“ Die Untere Jagdbehörde habe diese Information an die Untere Naturschutzbehörde weitergeleitet, die den Hinweis daraufhin geprüft habe. „Es ist bestätigt, dass es sich bei dem ,Täter’ um einen Wolf gehandelt haben könnte“, sagt Brunzlow. Weitere Meldungen, „dass in den vergangenen Tagen, Wochen, Monaten, Jahren“ ein Wolf in Potsdam gesichtet wurde, habe es derweil nicht gegeben. „Bislang haben die Wölfe einen Bogen um Potsdam gemacht“, so Brunzlow. „Als Barriere wird der Autobahnring vermutet.“

Landwirt und Jäger Arno Zinnow aus Grube bestätigt den Kadaver-Fund – das Reh habe in einem Graben an der Kirche gelegen und sei „schon ordentlich abgenagt“ gewesen. Er widerspricht hingegen der Darstellung, es sei der erste Wolf in Potsdam gewesen. „Die Wölfe ziehen auf der Suche nach neuen Revieren schon seit Jahren hier durch, meistens einzeln“, sagt Zinnow. Zuletzt hätten Jagdkollgen im Herbst ein Tier bei Marquardt gesehen, weitere Sichtungen habe es in Golm und in Wildpark-West gegeben. Alle Orte liegen innerhalb des Autobahnrings. Das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Wolf auf dem Vormarsch

In Brandenburg ist der Wolf auf dem Vormarsch. 2007 siedelte sich das erste Wolfspaar im äußersten Südosten des Landes an. 2009 wurden erstmals seit über einem Jahrhundert Wolfswelpen in der Mark aufgezogen. Derzeit leben rund 200 Tiere in Brandenburg. Doch mit den Beständen wachsen auch die Vorbehalte und Konflikte, wie zuletzt Ende April  beim 4. Wolfsplenum in Potsdam zu beobachten war. Dabei diskutierten Politiker, Landwirte, Jäger und Naturschützer, wie man mit den Tieren umgehen soll. Die Gräben vor allem zwischen Naturschützern und Landwirten, die um ihre Herden fürchten, sind tief.

Am Potsdamer Stadtrand nimmt man die Kunde vom Wolf derweil gelassen. „Wir haben hier ein viel größeres Problem: den Waschbären“, so Zinnow. Der ursprünglich aus Amerika stammende Allesfresser plündere mit Vorliebe die Gelege von Wildvögeln: „Wir haben gar keine Lietzen und Enten mehr.“

Der Wolf kehrt zurück

Der Wolf war einst die am weitesten verbreitete Säugetierart der Erde. Er besiedelte fast die gesamte Nordhalbkugel von Europa bis Nordamerika.

Die Verfolgung des Wolfes führte im 18. und 19. Jahrhundert in weiten Teilen Europas zu seiner Ausrottung.

In Deutschland war die Wolfspopulation um 1850 nahezu ausgelöscht.

Seit Wölfe in Deutschland und in Polen unter Schutz stehen, erobern sie ihre Lebensräume zurück. nf

Von Nadine Fabian

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