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Potsdam Zank um Asylheim offenbart tieferen Konflikt
Lokales Potsdam Zank um Asylheim offenbart tieferen Konflikt
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14:08 09.12.2015
Die Treppe zum Toilettencontainer. Quelle: Christel Köster
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Neu Fahrland

Am Zaun vor dem Erdwall hängt ein gelbes Schild: „Betreten der Baustelle verboten. Eltern haften für ihre Kinder.“ Die Kinder sind ganz nah. Zwei Meter trennen die Bauabsperrung vom Zaun der Kita „Kinderland“ in Neu Fahrland. Auf dem Hof toben Kinder. Von nebenan kreischt eine Säge. Bretter werden zugeschnitten, Fenster eingesetzt. Auf den beiden Leichtbauhallen liegen schon Deckenfolien. Zehn Mann werkeln auf der Baustelle An der Birnenplantage, damit die Flüchtlinge bald einziehen können.

Konflikt liegt tiefer als die Grube

„Es gibt bestimmt bessere Standorte“, sagt Anke Mumerey, die ihr Kind von der Kita abholt. „Ich habe Angst, dass die Kinder angesprochen werden.“ Die Notunterkunft in Neu Fahrland mit Platz für 96 Asylsuchende war von Anfang an umstritten. Wegen des Standorts Zaun an Zaun mit einer Kita, gegenüber von Einfamilienhäusern. Zuletzt weil die Stadt Potsdam laut Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) nicht aufgepasst und ein Fundament so tief in eine Grube gesetzt habe, dass nun eine Treppe angebracht werden muss, damit die Flüchtlinge die Toiletten erreichen können. Der Konflikt in Neu Fahrland liegt aber tiefer als die Fundamentgrube. Ängste von Anwohnern gibt es auch anderswo. Hier geht es noch um etwas anderes: um „die da“ in Potsdam, zu denen Neu Fahrland erst seit der Eingemeindung 2003 gehört. Um das Gefühl, als Ortsteil übergangen zu werden von den Verantwortlichen in der Landeshauptstadt. Carmen Klockow beklagt schlechte Informationspolitik.

„Schön wäre es gewesen, wenn sich Frau Klockow direkt an uns und nicht sofort an die Presse gerichtet hätte“, ließ der für den Bau zuständige Werkleiter des Kommunalen Immobilienservice (Kis), Bernd Richter, Montagabend verlauten – per Pressemitteilung. „Wir haben immer ein offenes Ohr für sie und hätten sie gerne beruhigt, dass die Flüchtlinge in Neu Fahrland sicher und trocken untergebracht werden können.“ Am Dienstag geht das Gerücht in Neu Fahrland, die Flüchtlinge zögen plötzlich schon am Donnerstag ein. Die Stadt dementiert das später, es bleibe bei Mitte Dezember. Irritationen, immer wieder.

Laut Stadt war anderer Standort nicht möglich

Hinter dem bewachsenen Erdwall an der Hallenkante, um den gestritten wird, liegt ein Sportplatz. „Den Hügel an der kurzen Seite haben sie mit Planierraupen hingeschoben“, erzählt ein Kita-Mitarbeiter (47). „Sehr gemischte Gefühle“ habe er. Er frage sich, was sich die Stadt bei dem Standort gedacht habe. Weiter weg zum See habe man die Hallen nicht aufstellen können, weil der Grund dort Baudenkmal sei, so die Stadt.

Rentner spazieren den unbefestigten Weg entlang, der von den Baufahrzeugen aufgewühlt ist. „Für’s Erste mag’s gehen“, sagt Seniorin Katharina Karwenzel. „Aber man hört in der Halle doch jedes Geräusch.“ Zudem gebe es keine Geschäfte in der Nähe. „Wie gelingt da Integration?“, überlegt sie, doch ihre Hauptfrage zur Flüchtlingsproblematik ist eine andere. „Gehen die Männer zurück in ihre Heimat? Dort werden sie doch gebraucht, für den Aufbau und den Kampf gegen den IS.“ Weltpolitik am Neu Fahrländer Erdwall. Auf der Baustelle steht der Transporter einer Cottbuser Zeltaufbau-Firma. „Sie feiern, wir kümmern uns um den Rest“, steht darauf. Wenn es so einfach wäre.

Debatte im Hauptausschuss

Der Potsdamer Hauptausschuss befasst sich heute mit dem Zustand der Leichtbauhallen in Neu Fahrland und der Frage, ob sie regenfest sind.

SPD-Fraktionschef Mike Schubert hatte eine Stellungnahme des Kommunalen Immobilienservice (Kis) zu der Baustelle gefordert.

Erwartet wird eine hitzige Debatte. Auch Neu Fahrlands Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) hat ihr Kommen angesagt.

Von Marion Kaufmann

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