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Potsdam Zapfenstreich in der Alten Brauerei
Lokales Potsdam Zapfenstreich in der Alten Brauerei
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14:41 28.04.2014
Abendliche Stimmung beim "Zapfenstreich" in der Alten Brauerei am Brauhausberg in Potsdam. Quelle: Kristina Tschesch
Potsdam

Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie sie selbst sagen. "Demon's Halo", eine der letzten noch verbliebenen Bands, verließ am vergangenen Sonnabend ihren Proberaum in der Alten Brauerei. Anschließend verabschiedeten sich die ehemaligen Mieter mit Live-Musik von ihren alten Kreativräumen.

Das Kunstquartier in der Alten Brauerei am Leipziger Dreieck in Potsdam löst sich auf. Ende April 2014 müssen die über 100 unabhängige Kultur- und Kreativschaffende ihre Werkstätten verlassen haben. Am 26. April 2014 wurde daher die Brauerei ein letztes Mal vor Publikum zum Klingen gebracht.

"Wir haben unseren Raum hier geliebt" erzählt Bassist Andreas Brandner. Seit Januar probte "Demon's Halo" am Leipziger Dreieck. Beim Einzug habe man schon von der schwierigen Situation gewusst. Nur einen Monat später folgte dann schon die Kündigung. Der Raum war zum Proben eingerichtet und für die Mitglieder, die aus Fahrland und Berlin kommen, gut zu erreichen. Nun ziehen die vier Musiker in ein Gebäude im Babelsberger Gewerbegebiet. Auch einige andere Musiker, die sich schon mehrere Jahre in der Brauerei eingerichtet hatten, haben dort einen Platz gefunden, wie Vico Grottschreiber von der Initiative Alte Brauerei erzählt. Wieder leere Räume, die eingerichtet werden müssen. Und schon wieder eine Alternative, die die Künstler selbst finden mussten. "Die Angebote von der Stadt waren ja alle schön und gut", so Grottschreiber. Die kurzfristige Dringlichkeit sei aber "anscheinend nicht klar" gewesen. Der Eigentümer des neuen Objekts habe Verständnis für die Belange der Musiker, da er selbst Künstler sei, wie Grottschreiber sagt. Der Vertrag sei zudem unbefristet. "Ich will aber nicht sagen, dass das jetzt eine sichere Kiste ist", betont der Fotograf und Musiker. Die genaue Adresse will er noch nicht verraten.

"Mit diesem Umzug ist das Problem ja noch lange nicht aus der Welt", betont André Tomczak, Pressesprecher der Initiative. In der alternativen Szene habe man in den vergangenen Wochen ein riesiges Bewusstsein für das große Problem der Künstler geschaffen. Ziel sei es, eine Kulturlobby und eine neue Initiative zu bilden. Die Not der Künstler sei besonders in den letzten Tagen deutlich geworden, so die Mitglieder der Initiative Alte Brauerei. Die Absage der "Fête de la musique" sei "ein riesiger Schock" gewesen, so André Tomczak.

Ihren Auszug zelebrierten die Künstler mit einer offenen Bühne und viel guter Laune. Zwischen Baugerüsten und Schutt trafen sich die Leute und feierten. Die Atmosphäre erinnerte an ein Sommerfest, ein Fest zwischen Bauzäunen. Auf der Bühne spielten unter anderem "Ernstgemeint" und "Heyohmann". Im hinteren Teil des Hofes versuchten Klein und Groß riesige Seifenblasen über den Platz fliegen zu lassen. Daneben spielten einige Herren ein Tischtennisturnier. Bis spät in den Abend hinein wurde auf der improvisierten Bühne gespielt, gesungen und getrommelt. Mit Einbruch der Dunkelheit zog es viele Besucher an die wärmende Feuerschale. Die finale Party fand mit Musik vom Band im letzten begehbaren Proberaum statt. "Wir sind mit dem Abend sehr zufrieden", sagte Tomczak.

Von Franziska Maria Schade

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