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Zeitreise in den Potsdamer Stadtschloss-Kiez

Von Seifensiedern und Strohhutfabrikanten Zeitreise in den Potsdamer Stadtschloss-Kiez

Der Potsdamer Bauexperte Andreas Kitschke hat die Geschichte des Viertels zwischen Nikolaikirche, Stadtschloss und Hohewegstraße (heute: Friedrich-Ebert-Straße) erforscht. Bald werden auch zwei neue – alte – Straßen auf dem Stadtplan zu finden sein.

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Kolorierte Fotografie des Alten Markts aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Quelle: www.GrussausPotsdam.de

Innenstadt. Am Montag, den 6. November, geht’s los: Nach langjährigen heißen Debatten beginnt der Abriss des FH-Gebäudes. Damit verschwindet bis September 2018 ein prägender Bau aus dem Stadtbild. In den nächsten Jahren sollen auf der Fläche zwei Karrees entstehen – ähnlich jenen, die einst zwischen St. Nikolai und der Hohewegstraße (heute: Friedrich-Ebert-Straße) standen. Doch wie hat man sich das Leben früher im Kiez vorzustellen? Wohnten hier – nah dran am Stadtschloss – die Promis?

Hoffotograf Niederastroth hatte sein Geschäft in der Nähe des Stadtschlosses

Hoffotograf Niederastroth hatte sein Geschäft in der Nähe des Stadtschlosses.

Quelle: www.GrussausPotsdam.de

„Nein“, sagt Bauexperte Andreas Kitschke, der die Geschichte des Viertels erforscht hat: „Auf den Höfen gab es Schmieden, Brauereien und in fast jedem Haus ein Ladengeschäft.“ Schneider, Schuhmacher, Köche und ein Strohhutfabrikant residierten hier – dazu um 1800 Hofuhrmacher Franz Joseph Claar und um 1900 der Hoffotograf. Vertreten im bunten Berufemix war auch heute Ausgestorbenes: „Neben dem Schloss gab es einen Seifensieder – das muss unheimlich gestunken haben“, erzählt Kitschke amüsiert.

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Das Gesicht des Alten Markts hat sich in den letzten hundert Jahren unglaublich verändert, wie alte Postkarten und Fotos zeigen.

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Die Lokalszene konzentrierte sich auf die Schlossstraße zwischen Plögerschem Gasthof und Knobelsdorffhaus. Deren Fassaden sollen im neuen Viertel wiederauferstehen. Das Problem: Der Vorgängerbau des Gasthofs – seit 1849 Sitz der Stadtkommandantur – stand in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Dort, wo jetzt die Tram fährt. Was also tun? „Der Gasthof muss um eine Haustiefe verschoben werden, ist jedoch enorm wichtig für die Stadt- und Baugeschichte Potsdams“, erläutert Kitschke die Abweichung vom Original.

Bauexperte Andreas Kitschke

Bauexperte Andreas Kitschke.

Quelle: Christel Köster

Insgesamt jedoch werden sich stadtplanerische Zusammenhänge wieder völlig neu erschließen. Beispiel: Nikolaikirche. Heute wirke sie wie abgedrängt an den Rand des Platzes – kein Zufall, so Kitschke: „Die SED wollte sie mit dem Staudenhof und der monolithischen FH vom Passantenstrom abriegeln.“ Bald wird es auch wieder zwei neue – alte – Straßen geben. Die Kaiserstraße verläuft zwischen Platz der Einheit und Altem Markt. Ihr Name war keine Hommage an Wilhelm I. oder Wilhelm II. Drei Brüder namens Kayser standen Pate – ihres Zeichens Bäcker, Sattelknecht, Tracteur (Speisewirt). Auch die Schwertfegerstraße soll wiedererstehen. Sie verläuft rechtwinklig zur Kaiserstraße und stellt die Verbindung zum Neuen Markt her.

Lesetipp: www.grussauspotsdam.de. Die nicht-kommerzielle Internetseite von Klaus Hellenthal ist eine wahre Fundgrube für Geschichtsfans.

 

Von Ildiko Röd

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