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Zeitzeuge spricht mit Potsdamer Schülern

Holocaustgedenktag Zeitzeuge spricht mit Potsdamer Schülern

Der Jude Leon Schwarzbaum hat die NS-Gräuel überlebt. Was damals geschah, dürfe bei der jungen Generation nicht in Vergessenheit geraten, mahnt er. Schülern des Potsdamer Humboldt-Gymnasiums erzählte am Holocaustgedenktag eindringlich von seinem Leid.

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Leon Schwarzbaum mit Schülern.

Quelle: Foto: C. Köster

Teltower Vorstadt. Die Aula ist beinah auf den letzten Platz gefüllt und noch immer strömen Schüler der Oberstufe des Humboldt-Gymnasiums hinein. Vorn sitzt bereits Leon Schwarzberg (95), Holocaustüberlebender. Seine Hände liegen ruhig auf dem Tisch. Um ihn herum schwatzen etwa 100 Schüler. Die Schule hat den Berliner anlässlich des Holocaustgedenktages und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 71 Jahren eingeladen, damit er von seinen Erlebnissen erzählt.

Das Licht geht aus und nach einer kurzen Einführung zum Holocaust beginnt Schwarzberg zu berichten. 1924 siedelt die Familie von Hamburg ins heute polnische Bedzin, die Heimat seiner Mutter, um. Schwarzberg spricht mit einer klaren, fast gelassenen Stimme. Nur einmal wird er leise, als er vom Kriegsbeginn erzählt. Er schildert, dass seine Familie nicht wusste, was zu dem Zeitpunkt passiert. Nachdem die Deutschen die Stadt eingenommen hatten, ging alles seinen normalen Gang. Bis zu jenem Moment im Jahr 1943, als die Aussiedlung der jüdischen Bevölkerung begann. Seine Stimme stockt und er sucht nach Worten, die die Minimierung beschreiben. Jeder kannte das Ziel und „aus Auschwitz ist keiner zurück gekommen“. An sogenannten Abfuhrsammelstelle sah er seine Mutter das letzte Mal.

Die 15- bis 17-jährigen Schüler hören seinen Erzählungen aufmerksam zu, hin und wieder dringt erschrockenes, aber auch beeindruckendes Gemurmel durch die Reihen. Besonders als Schwarzbaum von einer schönen Schauspielerin erzählt, die mutig einen rüpelhaften Aufseher im KZ-Auschwitz erschoss. Von Auschwitz führt ihn sein Weg über Buchenwald, Berlin-Spandau und Sachsenhausen, bis er schließlich in einem Todesmarsch nach Schwerin gescheucht wird. Wir wussten, dass der Krieg zu Ende war, „als wir den ersten Amerikaner gesehen haben“.

Schwarzbaum verabscheut die Pegida-Bewegung

Abrupt endet seine Rede, zaghaftes Klatschen beginnt. Dann löchern ihn die Schüler mit Fragen. Im friedlichen Ton beantwortet Schwarzberg sie alle: Nur einmal fuhr er nach Polen um seine Familie zu suchen, leider erfolglos. Danach arbeitete er als Kunsthändler in Berlin und bezeichnet sich als nicht- religiös. Erst als ihn jemand zu der Neuauflage von ’Mein Kampf’ fragt, wird er etwas ungehalten.„Das ist entsetzlich!“, empört er sich. Was soll man aus dem Buch denn lernen?“ Ebenso wenig verabscheut er die Pegida-Bewegung und kann auch nicht über den Satire-Film „Ich bin wieder da!“ lachen. „Das ist alles nicht in Ordnung!“ Auf die letzte Frage, was er sich wünscht antwortet er nur: „Frieden auf der Welt!“

Kranzniederlegungen

Der Förderverein Lindenstraße 54 veranstaltete in Kooperation mit der Landeshauptstadt eine Gedenkstunde mit anschließender Führung durch das ehemalige Untersuchungsgefängnis.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gedachte der Opfer mit einer Kranzniederlegung am Willi-Frohwein-Platz in Babelsberg, der nach einem Potsdamer Widerstandskämpfer benannt ist. Jakobs mahnte, die Schrecken der NS-Zeit nie zu vergessen.

In Teltow wurde am Mahnmal Sandstraße ein Kranz zum Gedenken an die Holocaust-Opfer niedergelegt.

Von Lisa Neumann

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