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Potsdam „Ich wusste nicht, dass ich nur bis zum 9. November warten musste“
Lokales Potsdam „Ich wusste nicht, dass ich nur bis zum 9. November warten musste“
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00:22 28.01.2019
Besetzung der Stasi-Zentrale in der Hegelallee am 5. Dezember 1989 durch Bürgerrechtler. Quelle: Frank Buschner
Potsdam

„Wir fanden es wichtig, dass Zeitzeugen zu Wort kommen“, sagte Markus Wicke vom Förderverein des Potsdam-Museums am Donnerstag zum Auftakt einer Reihe zur Friedlichen Revolution 1989 in Potsdam. Gast des von Susanne Fienhold-Sheen moderierten Eröffnungsabends im gut besuchten Museumssaal war der Historiker Thomas Wernicke.

Thomas Wernicke und Susanne Fienhold-Sheen am Donnerstag im Potsdam-Museum. Quelle: Bernd Gartenschläger

Eingeblendet war das Bild einer Menschenmenge und einer Polizeikette vor dem Konsument-Warenhaus. Die heutige Brandenburger Straße war zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 Schauplatz der ersten Protestdemonstration, die in einer Menschenjagd endete.

Fienhold-Sheen, die damals beim Defa-Dokfilmstudio arbeitete, erinnerte an die von Thomas Wernicke und Reinhard Meinel unmittelbar nach dem Mauerfall in Stasi-Akten zusammengetragene Wendedokumentation „Mit Tschekistischem Gruß“, die am 2. Oktober 1990, dem Vorabend der deutschen Einheit, im Club der Künstler und Architekten „Eduard Claudius“ vorgestellt wurde. Heute sitzt in dem Haus die Spielbank.

Die Stadtführerin hatte bei der Texterfassung für das Buch geholfen: „Ich hätte auf einen Sandsack einprügeln können, so ekelhaft war das“, sagt sie, dann liest sie aus dem Vorwort: „Das Schlimmste war wahrscheinlich die Angst ... Diese Angst hielt das alte System.“

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Mai 1989: Die Liste bewies den Wahlbetrug

Eigentlich war es gar nicht so sehr die Angst, sondern die Bedrücktheit, sagt Wernicke, der an die Ausreise vieler Bekannter in den Westen und die Massenflucht über Ungarn erinnerte. Rhetorisch fragte er: „Wie kam es eigentlich dazu, dass man dann diese Angst überwunden hat und in den Herbst 1989 geriet? Da muss ich eine Lanze für die 20-Jährigen brechen. Das waren die Mutigen. Sie hatten auch weniger zu verlieren.“

Junge Leute besetzten ein Haus in der Nachbarschaft, Wernickes Frau begrüßte sie mit Kuchen. Einige der Nachbarn waren Mitorganisatoren der Demonstration vom 7. Oktober: „So kam auch ich dazu.“

Beim ersten Pfingstbergfest 1989. Quelle: privat

Tatsächlich war Wernicke bereits viel früher aktiv. Im Podium berichtete er von dem flächendeckenden Wahlbetrug zur Kommunalwahl im Mai 1989, der, durch Bürgerrechtler aufgedeckt, zum Fanal für den Herbst 1989 werden sollte.

Über zehn Abende soll das Wendejahr 1989 erzählt werden. Am 14. Februar geht es um die Betriebe, am 14. März und am 11. April um die Kunst- und Kulturszene. Hartmut Mechtel und Volker Wiedersberg berichten am 9. Mai von der Aufdeckung des Wahlbetrugs.

Am 6. Juni wird an das Pfingstbergfest erinnert. Am 12. September geht es um das Neuen Forum und die Massenflucht. Am 10. Oktober folgt die Erinnerung an die ersten Protestdemonstrationen, am 14. November geht es um die Maueröffnung, am 5. Dezember schließlich um die Besetzung der Stasi-Zentrale in der Hegelallee.

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Geschichte werde aus der Rückschau betrachtet, sagte der Historiker. „Ich wusste nicht, dass ich nur bis zum 9. November warten musste. Ich habe hier nicht überwintert, ich hier gelebt.“ Er habe Reformen des Landes gewollt, „aber nicht, dass es sich auflöst“.

In der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung wurde Thomas Wernicke Vorsitzender der Fraktion Neues Forum/Argus; heute ist er Ausstellungschef im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

Von Volker Oelschläger

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