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Zeugen haben keinen Stich zum Bauch gesehen

Messerattacke im Potsdamer Asylheim Zeugen haben keinen Stich zum Bauch gesehen

Die Anklage geht von versuchtem Totschlag aus. Doch hat der Beschuldigte wirklich versucht, seinem Opfer das Messer in den Bauch zu rammen? Im Prozess um einen blutigen Streit im Schlaatzer Asylheim können oder wollen sich die Zeugen an einen Angriff, der fatal hätte enden können, nicht erinnern. Nur von einem Schlag mit der Klinge auf den Kopf des Opfers ist die Rede.

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Neues Gleis, aber die Probleme bleiben

Justitia

Quelle: dpa

Potsdam. Das haut selbst den routiniertesten Staatsanwalt um, wenn Zeugen vor Gericht plötzlich anders aussagen als noch ein halbes Jahr zuvor während der Ermittlungen der Kriminalpolizei. Peter Petersen jedenfalls wirkt angefressen am zweiten Verhandlungstag im Prozess um die Messerattacke, die sich Ende Oktober 2015 im Asylbewerberheim An der Alten Zauche zugetragen hat.

Laut den ersten Schilderungen etlicher Zeugen, die damals wegen des Tumults zusammengelaufen waren und den Streit zwischen dem Angeklagten Isa H. (23) und Mohammed H. beobachtet haben, soll Isa H. versucht haben, seinem Opfer mit einem Küchenmesser in den Bauch zu stechen. Nachdem ihm dies nicht gelang, so die Zeugen zur Kripo, habe er Mohammed H. einen Schnitt auf dem Kopf zugefügt. Der Iraner Isa H. sitzt seither in U-Haft und muss sich vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten.

Von einem Stich zum Bauch will inzwischen aber keiner der Zeugen mehr etwas wissen. Einige behaupten, sich schlichtweg nicht erinnern zu können. Andere beteuern, dass es so einen Stich nie gegeben hat. Sind die Zeugen – alles Asylbewerber – bei der Befragung von den Polizisten falsch verstanden worden? Möchten sie mit dem Fall nichts mehr zu tun haben? Haben sie gar Angst? Der Grund für die vom Polizei-Protokoll abweichenden Aussagen ist unklar.

Einer dieser Zeugen, die nun vor Gericht etwas anderes erzählen als noch bei der Kripo, ist Abdi H. (20). Seine Ausführungen sind beispielhaft. So berichtet der Somalier, wie ihn an jenem späten Abend Krach auf dem Flur weckte. Er schaute durch den Spion der Tür und erblickte „viele Leute und zwei Männer – den Angeklagten und einen Fremden –, die miteinander kämpften“. Die Zusammengelaufenen hätten versucht, die Männer zu trennen. Beide hätten sich aber weiter angeschrien und geboxt. Isa H. sei der Aggressivere gewesen: „Isa war grenzenlos sauer. Er war so sauer, dass er mit der Faust noch gegen die Wand schlug.“ Dann sei er in sein Zimmer gegangen und mit freiem Oberkörper und einem Messer in der Hand zurückgekehrt. Ein Mann habe den Mut gehabt sich dazwischen zu stellen. „Nur der Kopf von dem Fremden war noch frei. Isa hat ein Mal hart mit dem Messer auf den Kopf geschlagen. Bumm – dann floss Blut. Als er das sah, ging er zurück in sein Zimmer.“ Die Verhandlung wir am 21. April fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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