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Potsdam Ziemlich beste Freunde
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12:48 14.01.2018
Meike Finck, Philipp Mauritz (M.) und Frédéric Brossier in „Ziemlich beste Freunde“. Nächste Vorstellung ist am 18. Januar. Quelle: HL BOEHME
Potsdam

Die Bühne ist eher karg gehalten, eine Liegestatt, ein orangefarbenes Regalgestell, darauf etwas, das man erst auf den zweiten Blick ausmachen kann: Fabergé-Eier, edle Kostbarkeiten, im alten Russland wie in Frankreich Ausdruck von höchstem Luxus. Sie geben eine Ahnung davon, dass wir uns hier nicht in irgendeinem Domizil befinden.

Dessen Hausherr, Philippe, der eigentlich im Geld schwimmt, sitzt nach einem Sportunfall im Rollstuhl und sucht gerade wieder eine neue Ganztagspflegekraft. Es kommt ein ziemlich ungehobelter junger Mann, frech, ungeschickt im Umgang mit Kranken, noch dazu aus schwierigen Verhältnissen, vom Arbeitsamt geschickt. Aber irgendwie passiert das Unwahrscheinliche: Mit seiner direkten, erfrischenden Art weckt er Philippes Interesse und bekommt den Job. Und weil dieser Driss gerade bei seiner Mutter rausgeflogen ist, nimmt er gerne Philipps Angebot an, bei ihm einzuziehen - und im Folgenden dessen Leben gehörig aufzumischen.

Das Hans-Otto-Theater spielt in der Reithalle „Ziemlich beste Freunde“ von Éric Toledano und Olivier Nakache nach dem gleichnamigen französischen Erfolgsfilm.

Auf der Bühne ist vieles wie im Film von 2012, der ein Publikumsrenner war, aber die Inszenierung von Annette Pullen und der Ausstattung von Iris Kraft findet zu einer ganz eigenen Kraft, so dass man gar nicht erst anfängt, das Stück mit der Kinovorlage abzugleichen. Das liegt vor allem an der Spiellust der vier Akteure, allen voran Frédéric Brossier und Philipp Mauritz.

Brossier stellt zunächst das Großkotzige des jungen Burschen heraus, der bei seinem ersten Besuch eines der Fabergé-Eier mitgehen lässt und einige Schwierigkeiten hat, mit Kompressionsstrümpfen und Pflegehandschuhen zurechtzukommen. Aber als Driss eines Nachts Philippes qualvolles Röcheln hört, nimmt er ihn einfach in den Arm und erlöst ihn von der Attacke. Brossiers Driss zeigt Philippe auf leise Art, dass immer noch viel mehr in ihm steckt, als er selbst gedacht hätte, und dass das Leben auch in schwierigen Lagen noch überraschende Möglichkeiten bereithält.

Und so geschieht das Wunder, dass ausgerechnet dieser Dahergelaufene ein neuer Fixpunkt in Philippes Bezugssystem wird. Wie kleine Jungs geben sie sich dem Vergnügen des versteckten Rauchens hin. Als sie sich gegenseitig ihre Musikfavoriten vorstellen, von Schostakowitsch und Vivaldi bis zu Eminem, hebt Driss Philipp einfach aus dem Rollstuhl und bringt ihn auf seine spezielle Art zum Tanzen. Selbst Erotisches wird nicht ausgespart. Es sind immer neue kleine und große Freuden, die Driss organisiert, auch mal mit leichtbekleideten Mädchen.

Und die Sache mit der Brieffreundin bringt der Pfleger ebenfalls auf den richtigen Weg. Seit längerem schon schreibt sich Philippe mit einer Frau, die ihm sympathisch ist, doch scheut er weitere Schritte, weil er Angst vor einer Zurückweisung hat. Als Driss ihm eines Tages einfach das Handy reicht, kann Philippe nicht ausweichen, und einer eher scheuen Begrüßung folgt ein Telefonmarathon.

Philipp Mauritz hat den schwierigeren Part. Die ganze Zeit im Rollstuhl sitzend, ist er als Schauspieler eigentlich seiner Körperlichkeit beraubt. Aber er gibt die Annäherung der beiden ungleichen Partner doch mit beeindruckender Souveränität. Ein fragender Blick, ein Schmunzeln, ein Jauchzen bekommen da eine ganz neue Dimension.

Im Bunde mit Meike Finck als Philipps fürsorgliche Hausdame und Jonas Götzinger in mehreren Kleinrollen schaffen es Brossier und Mauritz, dass die Aufführung kein Lehrstück über das Leben mit Behinderungen wird, sondern eine so vergnügliche wie anrührende Lektion über den Umgang miteinander. Am Ende viel Beifall.

Nächste Vorstellungen: 18., 19. und 27. Januar 2018.

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Von Frank Starke

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